Einst beliebtes Ziel vieler Mühlhäuser im Hainich

Heyerode  Vor 100 Jahren starb der Begründer der Gaststätte Kurhaus bei Heyerode.

Das Hotel und Restaurant „Kurhaus“ auf dem Plateau des Hainichs zu Glanzzeiten um 1910. Heute sind die Mühlhäuser Werkstätten Eigentümer der sanierten Immobilie.

Das Hotel und Restaurant „Kurhaus“ auf dem Plateau des Hainichs zu Glanzzeiten um 1910. Heute sind die Mühlhäuser Werkstätten Eigentümer der sanierten Immobilie.

Foto: Verlag v. Joh. Henning, Heyerode / Sammlung Reiner Schmalzl

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Für Wanderer und Ausflügler zwischen Mühlhausen, der Vogtei sowie dem Werratal rund um Treffurt war zur Sommers- wie zur Winterszeit das Kurhaus bei Heyerode eine beliebte Adresse. Spätestens als 1911 die Bahnlinie Mühlhausen – Treffurt in Betrieb ging, erwies sich die in Reichweite des Heyeröder Bahnhofs und des Rennstiegs gelegene Ausflugsgaststätte als Renner schlechthin. Das Gebäude auf dem Plateau des Hainichs war 1902 im späten Jugendstil nach den Plänen des Mühlhäuser Architekten Max Weumar errichtet worden.

Wenig bekannt ist allerdings über August Henning als ersten Wirt – und damit den Begründer der einstigen Waldgaststätte. Dieser hatte als 26-Jähriger nämlich 1904 den Betrieb des Hotels und Restaurants „Kurhaus“ eröffnet und führte dort bis 1912 Regie, wie aus den Recherchen des Heimatforschers und gebürtigen Heyeröders Rudi Richwien hervorgeht. Nach dem Tod seines Vaters Jacob übernahm August Henning dann die Gastwirtschaft „Zum Grünen Rasen“ im Dorf, während Familie Zimmermann aus Krefeld neue Pächterin des Kurhauses wurde.

Doch der Gastwirt mit Leib und Seele musste 1918 noch im Alter von 40 Jahren in den Ersten Weltkrieg ziehen, nachdem bereits über 80 junge Heyeröder auf den Schlachtfeldern zwischen Frankreich und Russland gefallen waren. Am Ende dieses sinnlosen Krieges hatte der Eichsfeldort 105 Gefallene und Vermisste zu beklagen. August Henning kehrte zwar aus dem Krieg zurück, war jedoch stark geschwächt und starb am 14. Dezember 1918 in seinem Heimatort. Anlässlich dessen 100. Todestages erinnert Rudi Richwien aber auch an den Bruder des beliebten ersten Kurwirts, Adalbert Henning (1888 bis 1914), der damals zu den ersten Kriegsopfern aus Heyerode zählte. So lag während jenes Krieges also ein dunkler Schatten über dem Kurhaus. Ähnlich erwies sich die Situation auch im Zweiten Weltkrieg.

Ab 1978 war dann die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) „Thomas Müntzer“ Betreiber der Ausflugsgaststätte. Von 1976 bis 1991 führte das Heyeröder Gastwirtsehepaar Manfred und Christa Henning die Geschicke in dem über viele Jahrzehnte traditionsreichen Ausflugslokal. Nach 87 wechselvollen Jahren endete schließlich die Ära der öffentlichen Gaststätte. Seit Ende der 1990er-Jahre sind die Mühlhäuser Werkstätten Eigentümer der sanierten Immobilie mit Ferien- und anderen Wohnungen.

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