Elefantendrama in Erfurt: Ergebnisse zu genauen Todesumständen erst im nächsten Jahr

Erfurt. Zoodirektor Thomas Kölpin: "Wir sind in großer Sorge". Die Obduktion von Akili in der Uni-Tierklinik Hannover brachte bisher keine Erkenntnisse. Ergebnisse zu den genauen Todesumständen wird es wohl erst im nächsten Jahr geben, wenn die mikrobiologischen und histologischen Untersuchungen abgeschlossen sind.

Die anderen Elefanten Chupa und Safari nahmen am Freitag Abschied von Akili. Foto: Stadtverwaltung Erfurt

Die anderen Elefanten Chupa und Safari nahmen am Freitag Abschied von Akili. Foto: Stadtverwaltung Erfurt

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Während im Erfurter Zoopark die beiden Elefantenkühe um die zwölfjährige Akili trauern, die am Freitag eingeschläfert werden musste, macht die Nachricht eines weiteren Dramas die Runde: Im südfranzösischen Safaripark Sigean ist Seronga, die Elefantenkuh aus Erfurt, gestorben.

"Es geschah am 21. November. Morgens um 6 Uhr brach sie zusammen, war sofort tot", bestätigt Kölpin. Man habe den französischen Kollegen überlassen, die Öffentlichkeit zu informieren, begründet er das bisherige Stillschweigen. "Sie wollten das erst tun, wenn die Ursache gefunden ist." Bisher stehe nur fest, dass Seronga an einem akuten Herzversagen gestorben sei. Wodurch es ausgelöst wurde, sei noch unklar. Das Tier werde in Paris obduziert.

Die Befürchtungen sind groß, dass ein Keim, ein Virus, den Tod der Elefanten verursacht haben könnte. Könnten auch Stress beim Transport oder ein gebrochenes Herz ursächlich sein? Nein, sagt der Zoologe und rät, auf menschliche Maßstäbe zu verzichten. "Die Tiere waren gesund, als sie auf die Reise gingen."

Vorsichtig fügt er hinzu, dass die Ursache dann wohl im Safaripark zu suchen sei. "Unser Dickhäuter-Trio war fit, wir hatten keinerlei Vorkommnisse."

In Sigean sei vor Jahren die Elefantenkuh verstorben, weshalb nur noch Vater und Töchter übrig waren. "Da auf diese Weise keine Zucht möglich war, waren wir ja so auf den Tausch erpicht", erklärt Kölpin.

Peta fordert Ende der Elefantenhaltung in Erfurt

Der Tausch, der etwa 20.000 Euro kostete und von beiden Tiergärten finanziert wurde, sei akribisch vorbereitet worden. "Er musste allerdings verschoben werden, weil Akili in Sigean eine schwere Sandkolik bekam. Sie hatte zu viel Sand gefressen und wurde krank", sagt Kölpin.

Deshalb ging die aufwendige Aktion erst Mitte Oktober vonstatten. "Nach ihrer Ankunft wurden die Tiere untersucht und gingen dann ins Eigentum der jeweiligen Einrichtung über, so stand es im Vertrag", sagt Kölpin. Regressansprüche seien damit ausgeschlossen worden.

Nun aber ist ein doppelter Verlust zu beklagen. "Wir sind in großer Sorge", sagt Kölpin und spricht von einer "Vollkatastrophe", auch für das europäische Zuchtprogramm EEP, das nun zwei Tiere verloren hat.

Die Tierschutzorganisation Peta forderte am Montag, "die glücklose Elefantenhaltung in Erfurt mittelfristig zu beenden." Für Kölpin ist das keine Option.

Akili wurde am Wochenende in einem Spezialcontainer in die Tierärztliche Hochschule Hannover gebracht und am Montag obduziert. "Die erste Untersuchung brachte nichts Auffälliges zutage", fasst Thomas Kölpin die Informationen der Wissenschaftler aus Hannover zusammen, die selbst keine Auskunft geben wollten. "Die Organe waren unauffällig, der Ernährungszustand des Tieres war gut, ebenso seine Grund-Fitness." Es sei auch keine traumatische innere Verletzung zu sehen gewesen. "Selbst so etwas hatten wir für möglich gehalten, vielleicht nach einer nächtlichen Kabbelei der Elefanten." Doch auch das scheide jetzt als Ursache aus.

"Bisher haben wir nichts, was uns erklärt, warum Akili einfach nicht mehr aufstehen konnte", sagt Kölpin. "Jetzt bleibt es nur, auf mikrobiologische und histologische Untersuchungen zu warten. Das kann Tage und Wochen dauern." Bis dahin werden Chupa und Safari im Zoo genau beobachtet, die Tierpfleger lassen sie nicht aus den Augen. Nachts läuft eine Kamera.

Im Sommer 2014 werden nun nur die alte Dame Safari (42) und Chupa (10) in die riesige neue Elefantenanlage umziehen, später gesellt sich ein Jungbulle dazu. In Sigean habe der Bulle Csami gedeckt, vielleicht gebe es ja wenigstens dort bald Nachwuchs, hofft der Zoochef.

Wie Elefanten trauern

Elefanten reagieren mit Lethargie, psychischen Veränderungen, sie fressen nicht oder nur sehr wenig. Chupa und Safari konnten sich noch von Akili verabschieden. Anschließend waren sie phlegmatisch. Erst seit Sonntag fressen sie wieder, sagt Zoodirektor Kölpin. Menschliche Streicheleinheiten sind durch den "geschützten" Umgang mit den Tieren nicht möglich und auch nicht angezeigt. "Elefanten sind und bleiben gefährliche Tiere", sagt Kölpin. Wichtig sei für die trauernde Chupa die Nähe von Elefantenkuh Safari.

Gestorbene Elefantendame Akili zur Obduktion in Hannover

Zehn Stunden Kampf um Akilis Leben

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren