Unendliche Geschichte Steigerwaldstadion: Tartanbahn ist ramponiert

Erfurt  Das Laufoval des Steigerwaldstadions ist so ramponiert, dass es saniert werden muss. Ein Verursachernachweis scheint unmöglich.

Eine Aufnahme vom 1. Spieltag der Saison im Steigerwaldstadion. Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Erfurts neue Multifunktionsarena. Eine Geschichte ohne Ende. Ein Fass ohne Boden. Eine Uhr ohne Zeiger. Ein bisschen wie Elbphilharmonie im Kleinen. Teurer und später. Bislang. Der Eröffnungstermin – also der tatsächliche – ist noch immer die große Unbekannte. Zwölf Wochen nach dem eigentlich zugesagten Fertigstellungstermin. Vom 10. November ist nun die Rede. Oder vom 11.November. Sagt der FC Rot-Weiß. Mit einem Spiel gegen Mainz. Oder gegen Schalke. Oder wen auch immer. Irgendwie.

Definitiv festlegen auf die Fertigstellung will sich in der Stadtverwaltung derzeit aber vorsichtshalber keiner. Weil, es tauchen immer wieder U-Boote und Fehlinformationen auf, die den Fortgang der Ereignisse behindern. Streitereien ums Geld, um Verantwortlichkeiten, Planungsfehler, Versäumnisse, garniert von Unvorhersehbarkeiten. Zum Beispiel Gutachtern, die plötzlich feststellen, dass die ganze Westtribüne ein einziger Sanierungsfall ist.

Eine ganz andere Sanierung wurde bislang aber noch gar nicht richtig erwähnt. Die der 400 Meter langen Tartanbahn. Denn die ist in einem derart erbärmlichen Zustand, dass ein Sprinter mit seinen Spikes ein echtes Wagnis eingeht, wenn er sich auf die Runde macht. Risse und Blasen allerorten. Zuweilen sind ganze Stücke herausgeschnitten, so dass der blanke Betonuntergrund hervorlugt. „So, wie sie jetzt ist, können wir die deutschen Leichtathletikmeisterschaften 2017 vergessen“, sagt Ralf Hafermann, Vizepräsident für Organisation und Wettkampfwesen im Thüringer Leichtathletik-Verband. Ohne definitive Sanierungszusage brauche man sich da gar nicht erst bewerben. Diese Meinung teilt er mit Rolf Beilschmidt, Hauptgeschäftsführer im Landessportbund Thüringen.

„Wir sind im Bilde“, sagt Jens Batschkus, der Chef des Erfurter Sportbetriebes (ESB). Die Schäden hätten sich in den letzten Monaten deutlich summiert. Unübersehbar z.B. auf Bahn 3 im Bereich der Nordkurve. Bloß wer war’s? Diese Frage lässt sich so einfach nicht beantworten. Fußballspiele, Konzerte, Bauarbeiten. Jeder kommt in Betracht. Bloß sei es nahezu unmöglich, den Beweis zu führen, jemandem die Schäden konkret zuzuordnen. Beim Grönemeyer-Konzert seien da schwere Fahrzeuge drübergefahren, ehe dort die notwendigen Schutzplatten verlegt wurden.

Reparatur soll im Oktober erledigt werden

Der FC Rot-Weiß wiederum bekommt in Kürze Post. Versehen mit der Auflage, die Anhänger der Fahrzeuge, mit denen die schweren Rollbanden vor jedem Spiel ins Stadion gefahren werden, mit lenkbaren Achsen auszustatten. Die bislang gebräuchlichen starren Achsen würden dem Tartanbelag beim Rangieren zusetzen.

„Wir werden die deutschen Meisterschaften der Leichtathleten 2017 im Steigerwaldstadion ermöglichen“, versichert der ESB-Chef. Deshalb muss repariert werden. Rund 350 Quadratmeter ramponierter Lauffläche müssten ausgetauscht werden. Die schadhaften Stellen werden herausgeschnitten, erneuert. Anschließend erhält die gesamte Laufbahn ein so genanntes Retopping.

Dabei wird insgesamt die alte Versiegelung angeschliffen und eine neue Beschichtung und eine neue farbige Versiegelung und neue Linien aufgebracht. Ein bisschen wie beim Vulkanisieren.

100.000 Euro netto müsse man dafür veranschlagen, sagt Batschkus. Und man brauche mindestens 13 Grad Außentemperatur, damit die Reparatur gelingt. Batschkus: „Wir würden mit den Arbeiten gern noch in diesem Jahr beginnen“. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das im Oktober passieren“, ist Kathrin Hoyer, Beigeordnete für Wirtschaft und Umwelt, schon einen Schritt weiter. Dauer der Arbeiten: etwa 14 Tage. Für sie ausgemachte Sache, wie man an ihrer selbstbewussten Argumentation erkennt. Die Heimspiele des FC Rot-Weiß sollen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Und Hoyer verspricht: „Die Laufbahn wird zur deutschen Leichtathletikmeisterschaft 2017 in hervorragendem Zustand sein“. Die 100.000 Euro plus Mehrwertsteuer für die Reparatur werde man aus dem Nachtragshaushalt für den Stadionumbau entnehmen.

Fliegt Rot-Weiß Erfurt aus Steigerwaldstadion? Verein zahlt Miete nicht

Das Erfurter Steigerwaldstadion behält mit dem Namen seine Seele

Steigerwaldstadion Erfurt: Die Tradition lebt

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.