Verfallene Häuser verschandeln viele Thüringer Ortskerne

Hausbesitzern fehlt oft das Geld für Sanierung oder Abriss. 117.000 Wohnungen stehen leer im Land - Tendenz steigend.

Das Hotel Ehrenburg in der Stadt Plaue im Ilmkreis gehört zu den verfallenen Häusern in Thüringen. Foto: Christoph Vogel

Das Hotel Ehrenburg in der Stadt Plaue im Ilmkreis gehört zu den verfallenen Häusern in Thüringen. Foto: Christoph Vogel

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Erfurt. Mehr als 20 Jahre nach der Wende steht im ländlichen Thüringen in fast jedem Dorf-Zentrum ein Schrott-Haus. Immer mehr verfallene Häuser trüben das Bild in vielen Thüringer Ortskernen.

"Manche Hausherren sind mit dem Erhalt ihres Hauses finanziell überfordert", sagt Ralf Rusch, Geschäftsführer des Gemeinde- und Städtebundes Thüringen.

Auch fürchten sich gerade ältere Leute vor der Aufgabe, hochbetagt noch umfassende Sanierungen an ihrem Eigentum vorzunehmen. Andere Hausbesitzer würden die hohen Kosten für den Abriss scheuen, sagte Ralf Rusch.

Und gerade dort, wo Thüringen besonders ländlich ist, sind neue Mieter selten in Sicht. "Wer sich einer leer stehenden Immobilie annimmt, braucht ein Konzept", sagt Georg Bräutigam, Immobilienmakler aus dem Ilmkreis. "Die Auflagen für die Sanierung sind zum Teil strenger als beim Neubau." Hinzu komme der aktuelle Trend, wonach die Menschen wieder in die Städte zurückziehen. "Auf dem Land ist manches Haus selbst geschenkt noch zu teuer", so Bräutigam.

Die Gründe für den Leerstand sind auch der Landesregierung bekannt. "Die Bevölkerung sinkt und altert. Das prägt die Situation auf dem Wohnungsmarkt", sagte Fried Dahmen, Sprecher der Landesbauministeriums.

Laut Landesamt für Statistik waren 2010 zum Stichtag der jüngsten Erhebung landesweit rund 117.000 Wohnungen leer. "Das können Ruinen sein, aber auch Wohnungen, die gerade renoviert werden", so eine Sprecherin der Behörde.

Was zwei Jahrzehnte leer steht, verliert immer schneller an Wert. Diese Erfahrungen macht auch das Thüringer Liegenschaftsmanagement (Thülima). Es übernimmt für das Land Thüringen seit Jahren immer mehr verfallene Häuser aus Erbschaften, die mangels Masse von den Hinterbliebenen ausgeschlagen werden. "Die Tendenz zeigt dabei steil nach oben", so eine Sprecherin von Finanzminister Wolfgang Voß (CDU).

Ebenfalls im Bestand der Thülima befinden sich derzeit 334 herrenlose Gebäude, für die nicht einmal mehr ein Eigentümer zu ermitteln ist.

Ralf Rusch vom Gemeinde- und Städtebund erinnert an die Verpflichtung der Eigentümer, selbst für den Erhalt ihrer Immobilien zu sorgen. "Wir Kommunen haben da auch keine Lösung für das Problem der verlassenen Häuser." Außer für reine Notsicherungen reiche das Geld weder beim Land noch in den Gemeinden und Städten.

Gerade Notsicherungen beheben nicht den ästhetischen Makel im Ortsbild, sondern beseitigen nur die gröbsten Gefahren. So schlug sich etwa die Gemeinde Altenfeld im Ilmkreis jahrelang mit dem Gasthof "Holländischer Reiter" im Ortszentrum herum, bevor sie das Haus erwarb.

Der Abriss ist beschlossen - er soll rund 250.000 Euro kosten. Bezahlen kann die Kommune den Rückbau nur, weil sie für Naturzerstörungen beim Bau der Starkstrom-Trasse entschädigt wird.

Schicken Sie uns Ihre Fotos von Schrott-Häusern

  • Das Hotel Ehrenburg in der Stadt Plaue im Ilmkreis gehört zu den verfallenen Häusern in Thüringen.
  • Mit den Einwohnern stören sich auch immer wieder Touristen an Schrott-Häusern in den Thüringer Ortskernen.
  • Unsere Zeitung will sich einen Überblick verschaffen. Schicken Sie uns - möglichst mit Adresse - Fotos von Schrott-Häusern aus Ihrer Stadt, aus Ihrem Dorf.
  • Thüringer Allgemeine, Stichwort: Schrott-Häuser, Gottstedter Landstraße 6, 99092 Erfurt.E-Mail: leserbriefe@thueringer-allgemeine.de

Wie leere Immobilien in Thüringen zur Belastung werden

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