Wie der Mensch die Böden verändert hat

Heroldishausen  Geografie-Studenten forschen auf Feldern um Seebach und Heroldishausen. Zwei Meter tiefe Gruben ausgehoben

Kraftakt: Um Bodenproben zu entnehmen, ist einiges an Anstrengung vonnöten.

Kraftakt: Um Bodenproben zu entnehmen, ist einiges an Anstrengung vonnöten.

Foto: Daniel Volkmann

Es ist nicht viel mehr als ein Hinterkopf, der aus der Grube lugt. Gut 20 Studenten der Geografie der Universitäten aus Hildesheim und Gießen – vom Bachelor bis zur Doktorandin – sind auf den Feldern zwischen Seebach, Heroldishausen und Großengottern unterwegs, um den Boden zu untersuchen. Zwei Meter tiefe Gruben sind entstanden, mal mehr, mal weniger kunstvoll angelegt. In eine führt gar eine Wendeltreppe. Doch das ist freilich nur Spielerei.

Es geht den jungen Leuten darum herauszufinden, wie Menschen die Landschaft verändert haben. Das Gebiet um die Unstrut sei prädestiniert dafür. Das sagt André Kirchner. Der 35-Jährige aus Mühlhausen ist Junior-Professor für angewandte Geo-Ökonomie an der Universität in Hildesheim. Das Studium hat ihn in der halben Welt umhergetrieben – von Brasilien bis Ägypten. „Irgendwann, wenn ich es selbst bestimmen kann, dann will ich in der Heimat arbeiten. Das habe ich mir schon vor ein paar Jahren gesagt“, erzählt Kirchner. Jetzt setzt er diese Intention mit seinen Studenten um.

Acht Gruben wurden mit Schaufel und Spaten ausgehoben, acht Bodenprofile angelegt. Mit der Hand, anschließend wurde mit einer Rammkernsonde nachgearbeitet.

60 Zentimeter unter der Oberfläche findet einer der Studenten Kirchners eine rote Bandkeramik-Scherbe. „Die stammt wohl aus der Neuzeit, wurde von den Hängen angespült, vielleicht, als es um die Flächenzusammenlegung, um die Kollektivierung ging“, meint Kirchner.

Das Gebiet um die Unstrut sei kontinuierlich seit dem Neolithikum besiedelt. Ein Vorteil, wenn es um die Erforschung der Siedlungsgeschichte geht. In Höngeda, weiß Kirchner, wurde 2006 ein neolithisches Gräberfeld gefunden. Die gesamte Unstrut-Region sei aufgrund der Kontinuität der Besiedlung aus Forschersicht interessant. Gegraben wurde bis auf den Löß, die fruchtbare Bodenschicht. Interessant sei vor allem, was in den natürlich gewachsenen Boden eingespült ist. Das nehmen die Studenten in einem Beutelchen mit an ihre Hochschulen. Genauso wie Bodenproben.

Die Arbeiten sollen im kommenden Frühjahr fortgesetzt werden. Schon im vergangenen Jahr arbeiten Hildesheimer Studenten in der Region. Damals ging es um die Erforschung der Unstrutaue. Die erlaube Aussagen über einen größeren Raum, bis zur Unstrutquelle in Kefferhausen. Im Gegensatz dazu dienen die Grabungen bei Heroldishausen dazu, die unmittelbare Region zu erforschen. „Um die Ergebnisse der Forschung an der Unstrutaue zu verstehen, muss man auch die angrenzenden Hänge wie hier bei Seebach berücksichtigen“, meint Kirchner. Spuren der Steinzeit habe man bei Seebach nicht gefunden, wohl aber an der Unstrut.

Die Studenten standen bei ihren Arbeiten auch im Austausch mit den Archäologen, die derzeit den Baugrund erforschen, auf denen die Umfahrungen von Schönstedt, Großengottern, Höngeda und Mühlhausen gebaut werden. Das Projekt an der Unstrut soll über drei bis fünf Jahre gehen.