Wohnopia will Chance beim Schopf ergreifen

Erfurt  Ort für gemeinschaftliches Wohnen gesucht. Verein arbeitet an Konzept für Talstraße 15 und 16

Das einstige Wächterhaus in der Talstraße 16 und Nr. 15 nebenan sollen verkauft werden.

Das einstige Wächterhaus in der Talstraße 16 und Nr. 15 nebenan sollen verkauft werden.

Foto: Adrienne Schön

Das einstige Wächterhaus in der Talstraße 16 soll verkauft werden und auch das Nachbarhaus Nr. 15. Die Nachricht ist nicht neu. Doch jetzt schöpfen die Mitglieder des Vereins Wohnopia Hoffnung, an dieser Stelle ihre lange geplante Idee vom gemeinschaftlichen Wohnen umsetzen zu können. Um sich nicht mangels Finanzstärke von vornherein chancenlos an Ausschreibungen zum Verkauf geeigneter Häuser zu beteiligen, hatte die Wohnprojektinitiative schon länger gefordert, der Stadtrat solle die Möglichkeit einer Konzeptvergabe schaffen.

Die soll dafür sorgen, dass beim Verkauf städtischer Immobilien oder Grundstücke innovative und gemeinschaftliche Wohnformen wegen ihres Konzepts den Zuschlag bekommen können. Beide Häuser, die Talstraße 15 und 16, sind in städtischem Besitz und werden von der Kowo verwaltet. Der geplante Verkauf war ein Grund dafür, dass die Wächter auf Zeit, also die Ateliers, Werkstätten und Büros von Künstlern, aus dem ersten Wächterhaus der Stadt ausziehen mussten.

Jetzt ist im Stadtrat das Thema Konzeptvergabe wieder auf dem Tisch. Der Teil, der sich Eigenheimrichtlinie nennt und mögliche Preisnachlässe bei städtischem Baugrund für Familien beschreibt, liegt zur Bürgerbeteiligung aus und kann laut Amtsblatt der Stadt im Bürgerservicebüro in der Bürgermeister-Wagner-Straße 1 eingesehen werden. Die Verwaltung ist beauftragt, die Richtlinie für eine Konzeptvergabe vorzulegen. Dafür braucht es auch einen Kriterienkatalog.

„Für uns heißt das, am Konzept zu arbeiten, das für die Talstraße 15 und 16 passt“, sagt Sabine Blumenthal vom Verein Wohnopia. Außerdem wollen sie von der Möglichkeit der Bürgerbeteiligung Gebrauch machen.

Die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens war es, die Lilly Felber bewegte, sich beim Verein Wohnopia zu engagieren. „Von meiner WG kenne ich die Vorteile, in einer Gemeinschaft zu leben“, sagt die junge Frau. Und sparen könne man dabei auch. Zudem wolle sie aber etwas dafür tun, dass es in der Stadt noch Häuser mit bezahlbaren Wohnungen gebe. „Die Mieten rund herum werden immer teurer. Deshalb gefällt mir die Idee, das man gemeinschaftlich ein Haus erwirbt, so wie Wohnopia das plant, das verleiht den Mieten mehr Stabilität“, erklärt sie.

Weitere Mitstreiter sucht der Verein jederzeit. Wer interessiert ist, kann bei einem der Treffen vorbeischauen, die an jedem dritten Donnerstag des Monats im „L50“ in der Lassallestraße 50 stattfinden. Die nächsten Termine sind am 21. Februar, 21. März und 18. April, jeweils 19 Uhr. „Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um bei uns mitzumachen, denn jetzt gibt es noch die Chance, eigene Ideen einzubringen“, sagt Sabine Blumenthal. Ausdrücklich angesprochen fühlen sollen sich auch ältere Menschen. „Junge Leute und etliche um die 40 oder 50 haben wir schon in unseren Reihen. Tatsächlich fehlen noch die älteren Generationen“.

Kontakt: info@wohnopia.de