Göttingen. Wegen einer seltenen Erkrankung ihrer Mutter standen an der Universitätsmedizin Göttingen 20 Personen bereit, um die Kinder zur Welt zu bringen. Die Geschichte einer Familie.

Bereits seit 16 Jahren wird Franziska Ziepel aus Renshausen an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) behandelt, mehr als zwei Monate während und nach ihrer Schwangerschaft sogar stationär betreut, erzählt Pressesprecherin Lena Bösch und verweist auf den 23. April, als es endlich so weit war und ihre Zwillinge Nico und Hannah per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht wurden.

Bis dahin war sei es jedoch ein langer Weg gewesen, denn die 32-Jährige leidet an einer sehr seltenen Bindegewebeerkrankung. „Nach der Geburt ihres ersten Kindes an der Universitätsmedizin vor fast acht Jahren wurde bei Franziska Ziepel das vaskuläre Ehlers-Danlos-Syndrom diagnostiziert. Eine angeborene und seltene Bindegewebsschwäche, aufgrund dessen eine Schwangerschaft mit hohen Risiken verbunden ist“, erklärt Claudia Dellas, Oberärztin in der Klinik für Pädiatrische Kardiologie, Intensivmedizin und Neonatologie. Und sie ergänzt: „Daher haben wir die Familie mehrmals ausführlich beraten und über die Gefahren aufgeklärt. Wir haben uns mit internationalen Expertinnen und Experten abgestimmt und schließlich in fachübergreifenden Konferenzen in der UMG den ‚Fahrplan‘ für die weitere Schwangerschaftsbetreuung festgelegt.“

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Das vaskuläre Ehlers-Danlos-Syndrom führt zu ungewöhnlich beweglichen Gelenken, schwachem Gewebe und sehr elastischer Haut. Es birgt die Gefahr, dass Gefäße und im Falle einer Schwangerschaft auch die Gebärmutter einreißen können, erklärt die Sprecherin.

Fachübergreifende Expertise im Operationssaal

„Da es sich um eine Hochrisikoschwangerschaft handelte, haben wir die Patientin während dieser Zeit engmaschig untersucht. Zudem hat sich ein interdisziplinäres Team intensiv auf die Entbindung vorbereitet“, berichtet Julia Gallwas, Direktorin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der UMG. Involviert waren neben der Gynäkologie und Geburtshilfe, auch Experten der Anästhesie, der Neonatologie, der Kinderkardiologie, der Kinderherzchirurgie sowie der Neurologie. Außerdem seien Hebammen und Pflegefachpersonal der Anästhesie, der Kinderkrankenpflege und der Intensivpflege in die Vorbereitungen eingebunden gewesen.

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„Die große Herausforderung war, dass bei der Entbindung die Zwillinge ausreichend entwickelt waren und gleichzeitig das Bindegewebe der Patientin durch die Schwangerschaft nicht überstrapaziert werden sollte. Daher waren regelmäßige Untersuchungen, das richtige Timing und eine gute Vorbereitung des Kaiserschnitts wichtig. In der 35. Schwangerschaftswoche konnte der geplante Kaiserschnitt durchgeführt werden“, erläutert Claudia Dellas das Vorgehen.

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Während der Geburt stand im und vor dem Operationssaal dann ein Team von 20 Personen bereit, um bei Komplikationen sofort reagieren zu können. „Ich habe mich während der gesamten Zeit in der UMG sehr gut betreut gefühlt. Alle Beteiligten haben sich mir vorgestellt und erklärt, was als Nächstes passiert. Das hat mir sehr geholfen, und ich habe mich gut aufgehoben gefühlt“, erinnert sich Franziska Ziepel. Ihr Sohn Nico kam am 23. April dieses Jahres um 11.33 Uhr mit einem Geburtsgewicht von 2445 Gramm auf die Welt, Tochter Hannah folgte ihm mit 2475 Gramm um 11.34 Uhr. Für Zwillinge sei das ein absolut normales Geburtsgewicht, heißt es aus der Universitätsmedizin.

Die Familie freut sich jetzt auf das Leben zu Hause

Die beiden Kinder seien zunächst auf der Kinderintensivstation versorgt worden, weil sie noch Unterstützung beim Atmen und eine Magensonde benötigten hätten. „Ich war elf Wochen stationär an der UMG. Während dieser Zeit haben mich mein Mann und meine siebenjährige Tochter Sophia fast jeden Tag besucht. Besonders schön war für uns, dass die Spiel- und Musiktherapeutinnen sowie das gesamte Pflegeteam auf der kinderkardiologischen Station meine Tochter mit einbezogen haben, sodass nie Langeweile aufkam. Es wurde einfach alles möglich gemacht, damit wir uns wohlfühlen“, sagt Franziska Ziepel.

Die Zwillinge Nico und Hannah entwickelten sich sehr gut und konnten schon nach wenigen Tagen zusammen mit ihrer Mutter auf der Normalstation untergebracht werden, teilt das Klinikum in seiner Mitteilung weiter mit. Derweil freut sich die Familie, dass alle nun endlich zu Hause sind und nun gemeinsam in neues Leben gestartet werden kann.

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