Mit Sohn Anton hat er so gern Fußball gespielt und geschaut, dass es seiner Frau Caro gut geht. Doch nicht nur das. Mit ganzem Herzen war Jens Hartmann Feuerwehrmann. „Von Kindheit an hat es ihm die Feuerwehr angetan. Anderen zu helfen, war ihm ganz wichtig. Und er hat es gern getan“, sagt seine Frau Caro Hartmann. Ob Unfall, Brand oder andere Notsituationen – vielen Menschen hat der gebürtige Niederorscheler geholfen, war hunderte Male im Einsatz. Nun braucht Jens Hartmann selber Hilfe – und zwar die der Eichsfelder.

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Vor drei Jahren bekam die kleine Familie, die bis heute mit weiteren Schicksalsschlägen zu kämpfen hat, die erschütternde Diagnose: Jens Hartmann ist an Multipler Sklerose (MS) erkrankt. „Dass es eine Krankheit mit 1000 Gesichtern ist, haben wir da noch nicht gewusst“, sagt die Rüdigershagenerin.

Neue Herausforderungen, Rückschläge und Kämpfe

Seither hat sich das Leben der Hartmanns völlig verändert. Ihr Alltag ist ein anderer geworden, mit Herausforderungen, Rückschlägen und Kämpfen. „Da kommt man an seine Grenzen und auch an seine Möglichkeiten“, erzählt die 41-Jährige.

MS, Multiple Sklerose, ist eine autoimmune, chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Empfindungsstörungen und Muskellähmungen gehörten zu den Symptomen, erklärt Caro Hartmann die tückische Krankheit. Besonders erschreckend ist für sie der schnelle Verlauf. „Dieser erschwert zudem das Leben meines Mannes“, sagt sie.

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Jens Hartmann, ein ruhiger, fokussierter Mann und Familienmensch, durfte der Krankheit wegen plötzlich nicht mehr arbeiten. „Das allein war schon schlimm genug, ist aber leider nicht alles. Sehr zu schaffen macht ihm, dass er als Feuerwehrmann nicht mehr für andere da sein kann“, erzählt seine Frau. Zudem mussten sich Hartmanns mit Pflegestufen, Reha und Physiotherapien auseinandersetzen und um vieles kämpfen.

Dazu kam, dass Jens Hartmann jede Menge Tabletten nehmen musste. Da die aber nicht mehr gegen die Schmerzen halfen, sei eine Umstellung auf Spritzen nötig gewesen, was wiederum zu Nebenwirkungen führte, berichtet die 41-Jährige und in ihrer Stimme schwingen Traurigkeit, Hilflosigkeit und Zukunftsängste mit.

Sichtlich schwer fällt es ihr, zu erzählen, wie die Krankheit ihren Mann einschränkt und wie schwer es ihm fällt, sich mit dem Stock oder dem Rollator zu bewegen. Alltägliche Dinge, wie Einkäufe, Spaziergänge oder ein Fußballspiel mit dem zehnjährigen Anton sind laut Caro Hartmann nicht mehr möglich.

Ein Lichtblick und ein neues Problem

Doch dann gibt es einen Lichtblick. Hartmanns hören von dem Ganzkörperanzug „Mollii Suit“ der Duderstädter Firma ottobock. Hoffnung keimt auf.

„Der Exopulse Mollii Suit ist ein Neuromodulationsanzug, der gegen Spastiken und damit verbundene Schmerzen hilft, wie bei Multipler Sklerose, Zerebralparese oder Fibromyalgie. Das funktioniert durch die im Anzug integrierten 58 Elektroden“, erklärt Unternehmenssprecherin Nadine Winter auf Nachfrage. Die Elektroden würden per Knopfdruck sanfte Stromimpulse aussenden und stimulieren die verkrampften Muskeln. Dies gelinge, indem der Gegenspielermuskel angeregt werde, wodurch sich der verkrampfte Muskel entspanne.

Der Mollii Suit
Der Spezialanzug „Mollii Suit“ eines niedersächsischen Medizinherstellers wird bereits in der Praxis eingesetzt. © Ottobock | Richard Böhringer

Der Spezialanzug, so Winter, werde nur eine Stunde alle 48 Stunden getragen. Grund dafür sei der sogenannte „Carry-over-Effekt“: Die Muskeln bleiben nach der Anwendung entspannt bis zur nächsten Stimulation. „Anwender berichten, dass sie dank des Exopulse einen erholsameren Schlaf haben, leichter atmen können und weniger Medikamente einnehmen müssen – bis hin, dass sie wieder Treppensteigen oder sich die Schuhe zubinden können.“

Jens Hartmann durfte den Anzug testen. „Es war erstaunlich, wie schnell eine deutliche Verbesserung seines Gesundheitszustands eingetreten ist“, sagt Caro Hartmann. Ihr Mann habe ohne Rollator gehen und Treppen steigen können. Freudentränen flossen. Doch es gibt ein gravierendes Problem. Wie Caro Hartmann sagt, übernehme die Krankenkasse bislang die Kosten für den Anzug nicht.

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„Wir bemühen uns, dass der Exopulse in das Hilfsmittelverzeichnis des Spitzenverbandes der Kranken- und Pflegekassen aufgenommen wird. Das würde den Prozess für die Kostenübernahme durch die Kostenträger vereinfachen, sodass viel mehr Betroffene von dem Hilfsmittel profitieren können“, sagt die Ottobock-Sprecherin. Um das zu erreichen, würde man unter anderem an der Erstellung der benötigen Evidenz (der nachgewiesenen Wirksamkeit) arbeiten. Momentan, so Winter, liefen zwölf Studien, die die Indikationen Multiple Sklerose, Zerebralparese, Schlaganfall und Fibromyalgie behandelten.

Laut der Sprecherin ist Jens Hartmann kein Studienteilnehmer, besuche jedoch das Göttinger Patient Care Zentrum. Er werde den Exopulse und seine Wirkweise jetzt vier Wochen testen. „Danach kann er sich entscheiden, ob er ihn danach weiter nutzen und kaufen möchte.“

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Doch was so einfach klingt, ist für die Familie nicht zu händeln, wie Caro Hartmann sagt. Der Anzug koste weit über 10.000 Euro. Daher wurde ein Spendenaufruf im Internet auf www.gofundme.com gestartet. „Das Geld, das über die Anschaffung des Mollii Suit hinaus eingeht, würden wir für zum Beispiel für Ergo- und Physiotherapien verwenden“, sagt Caro Hartmann.

Dankbar ist sie schon jetzt allen, die ihren Mann unterstützen. Und es gibt weitere Hilfsaktionen, so soll es am 23. Juni ab 15 Uhr in Rüdigershagen einen Kaffeeklatsch im „Hagenschen Hus“ geben. Die Feuerwehr Niederorschel plant derweil am 11. August einen Tag der offenen Tür und will auch beim Eichsfeldpokal der Feuerwehren am 25. August Spenden sammeln.

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