In wenigen Tagen liegt ein großes Ereignis vor dem Chor „Future Voices“. Er ist gebeten worden, die Festveranstaltung zum Auftakt des Deutschen Wandertages am Donnerstagabend, 19. September, ab 19 Uhr auf dem Gelände des Vitalparks in Heiligenstadt musikalisch zu umrahmen. Aber das ist noch nicht alles. Gleich im Anschluss an den Festakt geht es nahtlos in ein etwa einstündiges Open-Air-Konzert über, in dem der Chor die Musik aus seinem aktuellen Projekt „Melodies of Memories“ präsentiert. „Und wenn es so voll wird, wie alle hoffen, werden wir vor 2500 Menschen singen. Und davor haben wir einen Heidenrespekt“, sagt Chorleiter Mario Berend.

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Auf den Platz, auf denen schon Größen wie Johannes Oerding oder Ronan Keating sangen, passen etwa 5000 Menschen, wenn alles offen bleibt. Aber zum Auftakt des Deutschen Wandertages sei der Platz auf 2500 Leute beschränkt. „Aber es ist die Gelegenheit, uns nicht nur Gästen des Eichsfeldes zu präsentieren, sondern auch den Eichsfeldern die Chance bieten, die sonst keine Karten für unsere Aufführungen ergattern können.“ Es sei das größte Konzert, das der Chor in seiner Geschichte erlebt. Und fast auf den Tag genau ist es der 25. Geburtstag.
Das Lied des Eichsfeldes zwischen Musical und den Scorpions
Das Programm des Ausnahmechores sei für den Festakt schon klar. Der Wandertag steht unter dem Motto „Sagenhaft grenzenlos“. Beim Thema „Sagenhaft“ werde „Märchen schreibt die Zeit“ aus dem Musical „Die Schöne und das Biest“ erklingen. Für „Grenzenlos“ wird es „Wind of Change“ von den Scorpions sein. „Es ist für mich die Hymne der Wende“, sagt Berend. Beide Werke werden in der typischen Future-Voices-Interpretation präsentiert. Aber das ist noch nicht alles: Es wird eine Premiere geben. Die hat Mario Berend in ein einjähriges Wechselbad der Gefühle gestürzt.

„Veranstalter dürfen ja Wünsche äußern, was sie hören wollen“, sagt Berend. „Das Wandertagsbüro hat sich von uns das Eichsfeldlied gewünscht.“ Das Eichsfeldlied?, habe er ganz entgeistert gefragt. „Ja, das Eichsfeldlied, aber nicht nur irgendwie, sondern in einer Fassung von Future Voices.“ Er habe gefragt, was denn eine Fassung von Future Voices sei. „Na eben anderes, also... na eben Future Voices.“
Mario Berend fuhr nach Hause und begann zu überlegen. Sein erster Gedanke war: „Worauf habe ich mich da nur eingelassen?“ Denn als Eichsfelder wisse er ganz genau, dass bei der Hymne des Eichsfeldes die Messlatte unglaublich hoch liegt. Er steckte in einer Zwickmühle. „Einerseits kann ich das Rad ja nicht neu erfinden, aber wir müssen die Erwartungen erfüllen. Ich musste etwas Neues kreieren, was es so noch nicht gibt, ohne das Lied zu zerstören.“ Er wollte den Hymnencharakter des Eichsfelder Sangs auch nicht überpathetisch klingen lassen und vor allem nicht schnulzig. „Also frisch und neu und eben Future Voices.“
Ein Jahr Arbeit landet erst einmal im digitalen Mülleimer
Das spielte sich vor einem Jahr ab. Mario Berend schrieb Chorsätze, komponierte, arrangierte die verschiedenen Stimmen, überlegte vor und zurück, wo Akzente hinmüssen und wo nicht. Er löschte, schrieb und arrangierte neu. „Vor etwa fünf Wochen war ich fertig“, sagt er. Als Erstes bat er seine Frau Madeleine in sein Studio. „Sie ist nicht nur hochmusikalisch und Sängerin von klein auf bei Future Voices, sondern auch selbst Musiklehrerin, meine Muse und mein Advocatus Diaboli“, erklärt der Gernröder. Er spielte ihr seine Neufassung vor. Sie habe dagesessen, es sich wortlos angehört und nach einer ganzen Weile der Stille dann nur gesagt: „Echt jetzt? Ich dachte, du wolltest etwas Neues machen.“
Das war‘s erstmal. „Wenn Madeleine sagt, etwas ist Mist, dann ist es Mist.“ Mario Berend löschte kurzerhand den gesamten digitalen Ordner endgültig auf Nimmerwiedersehen, ohne ein Backup. „Ich war am Boden zerstört, ein Jahr Arbeit war Schrott.“ Aber der Blick von außen sei oft der Beste. Jetzt aber wurde es eng, der Termin rückt immer näher. Aber die Frustration habe geholfen, es sei auf einmal blitzartig von der Hand gegangen. Erneut bat er seine Frau um ihr Gehör. Dieses Mal kamen von ihr nur zwei Worte: „Geht doch!“ Für ihn sei das Kompositionsuniversum wieder offen gewesen. „Und alle 96 Mitglieder von Future Voices, egal ob Kinder, Jugendliche und Erwachsene, singen es voller Inbrunst.“
Beim Festakt werden nicht alle fünf Strophen des Eichsfeldliedes gesungen, sondern die erste, die zweite und natürlich die fünfte. „Wir sind unglaublich gespannt auf die Premiere und wie es bei den Menschen ankommt.“ Der Eintritt wird frei sein, aber für den Zugang muss man eine Wanderplakette besitzen. „Und am besten früh da sein.“
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