Es ist ein Tag im November des vergangenen Jahres, der das Leben von Ilona Otto auf den Kopf stellt. Sie hat eine Veränderung an ihrer Brust festgestellt und sucht ihre Frauenärztin auf. „Sie hat nach der Sonografie bereits gesagt, es sähe nicht gut aus“, erinnert sich die 43-Jährige. Der Verdacht der Ärztin sollte sich bestätigen, es wird ein hormonell bedingter Brustkrebs festgestellt.

Täglich

Der Newsletter für das Eichsfeld

Alle wichtigen Informationen aus dem Eichsfeld, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

„Es war ein großer Schock“, erzählt die alleinerziehende Mutter, die mit ihren drei Kindern in Heiligenstadt lebt. Erst im Februar 2024 bringt sie den kleinen David zur Welt. „Bei der Untersuchung nach dem Wochenbett war noch alles in Ordnung. Und dann ist der Tumor so schnell gewachsen.“ Der älteste Sohn ist acht Jahre alt, der mittlere feiert in wenigen Tagen seinen siebten Geburtstag. Kontakt zu den Vätern der Kinder gibt es nicht. „Ich war auf der Suche nach der perfekten Familie, nach dem Glück. Aber es endete immer in einer Enttäuschung.“

Auch interessant

Unterstützung leisten die Familie und das Jugendamt

Ilona Otto ist gelernte Kosmetikerin, arbeitet später aber in der Pflege und macht zusätzlich eine Ausbildung zur Alters- und Demenzbegleiterin. „Die Arbeit hat mir immer großen Spaß gemacht.“ Spaß hat sie auch an der Musik. Im Alter von neun Jahren fängt sie an, Trompete zu lernen und spielt im Jugendblasorchester Uder, bei den Luttertaler Musikanten und später bei den Dünmusikanten in Dingelstädt. Doch das tritt jetzt in den Hintergrund.

Auch interessant

Ihre Mutter Eva unterstützt sie, so gut es geht. „Sie hat im Prinzip den Haushalt gemacht und sich um die Kinder gekümmert, obwohl sie selbst schon nicht mehr die fitteste ist“, sagt Ilona Otto. Die Mutter ist es auch, die sich an Jörg Lamprecht wendet, von dem sie weiß, dass er einst als SOS-Kinderdorf-Vater tätig war.

Ilona Otto
Ein Bild aus glücklicheren Tagen: Ilona Otto vor ihrer Krebsdiagnose.© Ilona Otto | Ilona Otto

Lamprecht sorgt vor allem dafür, dass sich gut um die Kinder gekümmert wird. „Dabei haben uns unter anderem auch der Emmaus-Hospizdienst und das Jugendamt sehr viel geholfen. Dank der Behörde sind die beiden älteren Jungs in einer Tagesgruppe untergekommen, um den jüngsten kümmert sich eine Tagesmutter“, berichtet Lamprecht.

Auch interessant

Am 16. Juli soll Ilona Otto operiert werden, einen Tag später hat sie Geburtstag. „Vielleicht den zweiten“, hofft sie. Obwohl sie auf einen positiven Ausgang der Behandlung hofft, treffen sie und Jörg Lamprecht aber auch Vorbereitungen für den gegenteiligen Fall. Schließlich muss die Versorgung der Kinder gewährleistet sein. „Wir gehen offen mit dem Thema um. Es wäre natürlich gut, wenn sie zusammenbleiben. Aber wenn das nicht geht, sollen sie zumindest Kontakt zueinander haben“, sagt Lamprecht.

Eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela ist geplant

Doch aufgeben will die 43-Jährige nicht. Im Gegenteil, sie schmiedet Pläne für die Zeit nach der Operation. „Wir möchten eine Mutter-Kind-Kur an der Ostsee machen, wenn alles vorbei ist. Die Kinder und ich haben irgendwann herumgeblödelt, dabei haben sie den Krebs auf den Namen Erwin getauft. Und wir wollen Erwin symbolisch im Meer versenken“, sagt die Mutter und ein zaghaftes Lächeln huscht dabei über ihr Gesicht.

Auch interessant

Aber auch ein Umzug ist dringend nötig. „Die beiden ältesten Söhne teilen sich ein kleines Zimmer. Das reicht langsam nicht mehr aus, sie brauchen ein kindgerechteres Umfeld. Daher suchen wir für die Familie eine größere Wohnung, idealerweise in Uder, Thalwenden oder Birkenfelde“, sagt Lamprecht.

Ilona Otto
Mit ihren Kindern möchte die 43-Jährige an die Ostsee fahren, um "Erwin", wie ihre Söhne die Krankheit getauft haben, symbolisch im Meer zu versenken.© Jörg Lamprecht | Jörg Lamprecht

Um Geld für dieses Vorhaben zu sammeln, hat er gemeinsam mit dem Heimatverein Uder eine Benefiz-Aktion auf die Beine gestellt, die am Sonntag, 13. Juli, von 13 bis 18 Uhr rund um die örtliche Heimatstube stattfinden soll. „Die Dünmusikanten werden dabei sein, es wird Aktionen für Kinder und ein großes buntes Programm mit Musik geben, an dem sich mehrere Vereine des Ortes beteiligen“, blickt Lamprecht voraus.

„Auch der Kirmesverein und die Feuerwehr unterstützen uns“, berichtet er. Doch damit nicht genug. „Wir stellen derzeit in der Heimatstube Werke von Laienkünstlern aus, die wir an diesem Tag versteigern werden. Ich habe außerdem Gutscheine vom Klausenhof, von einem Nagelstudio und einem Friseursalon bekommen. Die werden wir ebenfalls versteigern.“

Weitere Nachrichten aus dem Eichsfeld:

Wenn sie den Kampf gegen den Krebs gewinnt, möchte Ilona Otto mit ihrer Mutter nach Santiago de Compostela pilgern, um dort eine Kerze für alle Spender anzuzünden. Doch nicht nur das ist ein großes Ziel der leidenschaftlichen Musikerin. „Ich möchte nächstes Jahr zum ,Woodstock der Blasmusik´ nach Österreich. Das ist mein Traum.“

Wer die Benefiz-Aktion unterstützen möchte, auch mit einem Beitrag auf ein eingerichtetes Spendenkonto, kann sich an Jörg Lamprecht unter den Telefonnummern 0172/5688352, 036083/53925 oder per E-Mail an joerg-lamprecht@web.de wenden.