In Leinefelde und Breitenbach wird im kommenden Jahr ein Jubiläum gefeiert: Beide Ortsteile der Stadt Leinefelde-Worbis können dann auf 800 Jahre urkundlich belegte Geschichte zurückblicken. Basis für dieses Doppeljubiläum ist eine einzige, aber bedeutende Urkunde aus dem Jahr 1227. Hierbei handelt es sich um einen Tauschvertrag, in dem Adelige des Bodenseins mit dem Kloster Reifenstein Landflächen in Breitenbach und Leinefelde tauschten. Das Dokument beweist, dass die beiden Ortschaften spätestens seit dem Hochmittelalter existierten.

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Günther Fiedler, ehemaliger Bürgermeister von Breitenbach und langjähriger Ortschronist, hat anlässlich dieser Feierlichkeit die historischen Hintergründe erforscht und zusammengetragen. Seine Arbeiten dokumentieren, dass die Ortsgeschichte von Leinefelde und Breitenbach nicht nur eng mit der kirchlichen Zugehörigkeit und Landbesitzverhältnissen adeliger Familien verknüpft ist, sondern auch mit längst verschwundenen Nachbardörfern und wüsten Siedlungen.

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„Breitenbach und Leinefelde dürfen also aufgrund dieser Urkunde, auch wenn sicherlich beide Orte schon älter sind, ihr Jubiläum feiern. Die Existenz beider Orte lässt sich dadurch vom Mittelalter bis heute belegen“, so Fiedler.

In Breitenbach sind bis zum 14. Jahrhundert vier Geistliche bekannt

Leinefelde gehörte in dem Jahrhundert der urkundlichen Ersterwähnung kirchlich zum untergegangenen Ort Kirrode. Weil aber 1308 nur noch wenige Menschen in diesem Ort wohnten, nahm der Pfarrer ab diesem Jahr seinen Wohnsitz in Leinefelde, berichtet der Ortschronist. In Breitenbach sind bis zum 14. Jahrhundert vier Geistliche namentlich bekannt.

In einer Schenkungsurkunde von 1238 wird ein Geistlicher aus Breitenbach mit dem Namen Henricus als Zeuge aufgeführt. 38 Jahre später gibt es einen Vergleich über Flächen in Kirchworbis. Diese Regelung bezeugte der Pfarrer Theodericus aus Breitenbach mit, hat Günther Fiedler herausgefunden.  

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Weiterhin gab es bis zum Ende des Mittelalters Schenkungen und Besitznachweise von Klöstern und Adligen, die die Existenz beider Orte belegen. Obwohl beide damaligen Dörfer viele Jahrhunderte, bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, zum kurmainzischen Besitz Eichsfeld gehörten, waren sie doch zwei verschiedenen Verwaltungen angegliedert.

Leinefelde gehörte zum Amt Scharfenstein, welches nach dem Dreißigjährigem Krieg neun Orte und Herdstätten in weiteren zwei Orten verwaltete. Breitenbach gehörte als einziges Dorf im Mittelalter zur Stadt Worbis. Erst nach dem Bauernkrieg gab es hier eine Veränderung, erklärt Fiedler. Es entstand das Doppelamt Worbis-Harburg, welchem dann neben Worbis und Breitenbach fünf weitere Orte angehörten. 

Jubiläen in Leinefelde und Breitenbach
Das Bild zeigt eine Kopie der Urkunde von 1227. Das Original befindet sich im Staatsarchiv Magdeburg.© Günther Fiedler | Günther Fiedler

Wüstung Kirrode ist viel älter als gedacht

Noch etwas verbinde aber beide Orte in der Zeit des Mittelalters. In der unmittelbaren Umgebung gab es Dörfer oder Herdstätten, die heute nicht mehr existieren. Südlich von Leinefelde existierte einst das Dorf Kirrode. „In diesem Bereich gab es bei verschiedensten Straßenbaumaßnahmen, aber besonders in Vorbereitung auf die Landesgartenschau, archäologische Ausgrabungen, die viel Interessantes zutage brachten. Kirrode ist aufgrund der archäologischen Funde wesentlich älter als seine erste urkundliche Erwähnung 1297“, erklärt der Breitenbacher.

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Auch westlich, unweit von Breitenbach, gab es eine heute nicht mehr bestehende wüste Mark, weiß Günther Fiedler. Es ist die Wüstung Bergeshagen, wo wahrscheinlich die Wohnstätten nicht alle an einem Platz vereint waren. Flurbezeichnungen wie der „Predigtstuhl“ und der „alte Kirchhof“ deuten auf die einstige Ansiedlung hin. Dass hier auch Menschen im Mittelalter gelebt haben, ist dadurch bezeugt, dass am 28. Januar 1309 „dominus Eberhelmus plebanus (Pfarrer) in Bergeshagen“ als Zeuge genannt wird.

Die historische Bedeutung der heutigen Stadt Leinefelde-Worbis und ihrer elf Ortsteile sei untrennbar mit den kirchlichen und politischen Gegebenheiten des Mittelalters verbunden: So wurden Leinefelde und Breitenbach erst im 19. Jahrhundert Teil einer einheitlichen Verwaltung und sind heute Ortsteile der Einheitsstadt.

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Das Doppeljubiläum 2027 wird ein besonderer Anlass, um sowohl die lokale Geschichte als auch die kulturellen Verbindungen zwischen Leinefelde und Breitenbach gebührend zu würdigen. Günther Fiedlers Forschungen bieten dafür nicht nur eine Grundlage, sondern lassen die 800-jährige Geschichte lebendig werden.

red/sg