Der Schichtwechsel ist vielen Leuten ein Begriff. Normalerweise ist das der Zeitpunkt, an dem die eine Schicht in einem Unternehmen ihre Tagesarbeit beendet und die nächste Schicht ihren Dienst antritt, um die Produktion rund um die Uhr in einem Betrieb aufrecht zu erhalten.

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Es gibt aber auch einen Schichtwechsel der anderen Art. Er ist bundesweit ein Aktionstag, bei dem es einen Rollentausch gibt. So sollen neue Perspektiven entstehen und gegenseitiges Verständnis gestärkt werden. Und in den Eichsfelder Werkstätten in Heiligenstadt tauschte der Thüringer Landtagspräsident Thadäus König (CDU) für einen Tag den Arbeitsplatz.
Spannbettlaken falten, das ist nicht nur für Männer eine Herausforderung
Schon am Morgen ist die Stimmung gespannt. Im großen Raum der Eichsfelder Werkstätten haben sich einige Mitarbeiter, die Geschäftsführer der Raphael Gesellschaft und der Werkstattrat der Beschäftigten versammelt, als Thadäus König den Aktionstag Schichtwechsel beginnt. Mit einer Begrüßung und Vorstellungsrunde startet der Tag. Der Werkstattrat stellt sich vor, erzählt von seiner Arbeit und gibt König Einblicke in das Werkstattleben.
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Beim Rundgang durch die Werkstätten ist schnell klar: Der Besuch ist etwas Besonderes. Stolz zeigen die Beschäftigten ihre Arbeitsplätze und erklären, welche Aufgaben sie täglich übernehmen. Sein erster Arbeitseinsatz führt König in den Kreativbereich. An einem großen Arbeitstisch liegt bereits Ton bereit. Gemeinsam mit einer Beschäftigten, Simone Werner, rollt er Kugeln und drückt sie in eine Gipsform. Schritt für Schritt entsteht eine Tonschale. Am Ende nimmt er das noch feuchte Stück in die Hände und setzt seine Unterschrift darunter – ein Andenken an diesen Tag. Auch die Gruppenleiterin des Keramikbereichs, Angelika Aschoff, ist zufrieden.

Nach der Mittagspause geht es weiter ins Waschhaus. Dort wird ihm gezeigt, welche anspruchsvollen Arbeiten dort verrichtet werden und wie man Spannbettlaken richtig faltet. Thadäus König faltet konzentriert mit. „Keine einfache Aufgabe“, sagt er und lacht. Birgit Althaus, Leiterin des Waschhauses, nickt wissend und lächelnd.
Am Nachmittag schließlich folgt eine große Fragerunde. Die Hände schnellen in die Höhe. „Was haben Sie gelernt? Wohin fahren Sie in den Urlaub? Was sind Ihre Aufgaben? Wie fanden Sie den Tag bei uns? Haben Sie auch Freizeit?“ wollen die Beschäftigten wissen. Thadäus König antwortet ehrlich: „Nicht besonders viel, aber das ist selbst erwählt.“
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Ein Schüler der St.-Franziskus-Förderschule aus Dingelstädt meldet sich: „Wie viel Geld verdient man als Landtagspräsident?“ Thadäus König erklärt ruhig: „Das ist kein Geheimnis, die Diäten der Abgeordneten kann man auch online einsehen.“ Im Raum wird gelacht. Der Tag endet so, wie er begonnen hat – mit Nähe und Offenheit.
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Zum Abschied sagt er mit einem Schmunzeln: „Mein Beruf ist ja befristet, vielleicht komme ich ja bald wieder zum Helfen.“ Am 1. Oktober ist der Gegenbesuch geplant, an dem eine Gruppe Beschäftigte den Landtag in Erfurt besucht. Und auch ihm habe der Schichtwechsel wieder einmal gezeigt, was alles im Hintergrund läuft, um einen Betrieb wie den der Eichsfelder Werkstätten reibungslos laufen zu lassen und den Bewohnern und Beschäftigten ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
red









