„In der sehr hitzigen Debatte um die Errichtung neuer Windenergieanlagen im Eichsfeld gibt es viele Perspektiven, viele Ängste, aber auch Hoffnungen“, sagt Kai Majer aus Heiligenstadt. Er ist Stadtrat in Heiligenstadt, Sozialdemokrat und stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos in Thüringen. Er verfolge mit großem Interesse die Debatte in der Berichterstattung und auch in der Bevölkerung.

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Jetzt aber will der Student der Politikwissenschaft und Volkswirtschaft als Reaktion auf den Beitrag „Windenergie im Eichsfeld: Das sind die Gefahren für die Natur und Tierwelt“ einmal die Sichtweise der „Generation Z“ zu dem Thema erläutern, der er selbst angehört. „Meine Generation ist eine Generation, die besonders vom Erfolg oder Nichterfolg der Energiewende betroffen ist“, sagt der 22-jährige Heiligenstädter.
Natürlich seien Windräder nicht sonderlich schön
„Seit rund zweieinhalb Jahrhunderten haben wir Natur und Klima übernutzt; die Erde ist heute im Mittel etwa 1,2 Grad Celsius wärmer als im vorindustriellen Zeitalter.“ Währenddessen würden täglich rund 52 Hektar in Deutschland für Siedlung und Verkehr neu versiegelt; insgesamt seien das rund 5,5 Prozent der Landesfläche, rechnet er vor. „Jeder neue Straßenbau, jedes neu erschlossene Wohngebiet, jede neue Bahnstrecke ist ein wesentlicher Eingriff in Flora und Fauna. Irritierend ist allerdings, dass dies erst beim Bau von Windrädern oder Solaranlagen Gegenstand der Debatte wird.“
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Vogelsterblichkeit entstehe, so Kai Majer, in weitaus größerem Maß durch Glasfassaden und Stromleitungen als durch Windkraftanlagen. „Windenergie liegt in einer deutlich niedrigeren Größenordnung – und die Vogelsterblichkeit lässt sich durch kluge Standortwahl, Mindestabstände zu Horsten, Bauzeiten außerhalb der Brut, Abschaltalgorithmen und Detektionssysteme noch weiter minimieren.“
Für Fledermäuse würden „smart-curtailment“-Maßnahmen die Mortalität laut aktueller Studien um rund 50 bis 80 Prozent senken. Dabei würden bei der Drosselung die Rotorblätter von Windkraftanlagen in die sogenannte Federstellung gebracht, um sie zu verlangsamen oder ganz anzuhalten und so das Kollisionsrisiko mit den Tieren zu verringern. „Die dauerhaft versiegelte Fläche eines Fundaments liegt typischerweise bei etwa 350 bis 500 Quadratmeter, Wege sind häufig rückbaubar, auf Ackerflächen bleibt Nutzung weitgehend erhalten“, zählt er auf.
Ja, der Ausbau von Windenergie nehme selbstverständlich sensible Eingriffe in die Natur vor, gibt Majer zu, aber ihre Risiken seien begrenzbar und in der Abwägung zu fossilen Alternativen deutlich kleiner. „Natürlich sind Windräder nicht besonders schön und bergen auch Risiken.“ Deshalb müssten Vorranggebiete unbedingt im engen Austausch mit Naturschutz- und Jagdverbänden geplant werden. „Ich wünsche mir allerdings, dass auch die sogenannten Alternativen zu Ende gedacht und in die Rechnung aufgenommen werden.“
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„Läge unter Eichsfelds Grunde Braunkohle, würden sich vielleicht einige unserer Dörfer in die Liste der über 300 abgebaggerten Ortschaften einreihen“, macht er einen anderen Gedankengang auf. „Ein Gaskraftwerk macht sich auch nicht gerade gut in der schönen Hügellandschaft, und ein atomares Endlager würde wohl niemand gern in Reichweite haben. Zugegeben: Das sind drastische, auf das Eichsfeld übertragene Szenarien, die wahrscheinlich nicht Realität würden.“ Sie würden aber die reale Abwägung für die Gesellschaft beschreiben, die es zu treffen gelte.
Frage ist, wie die Transformation verträglich gestaltet werden kann
„Die größte Gefahr für unsere heimische Natur ist der menschengemachte Klimawandel, nicht das Windrad. Wir befinden uns längst im größten Massenaussterben seit 66 Millionen Jahren. Und es wird auch nicht vor den Grenzen des Eichsfeldes Halt machen – besonders, wenn wir uns jetzt nicht bewegen“, ist er überzeugt. Wer heute vermeintlich im Namen der Natur die Erneuerbaren pauschal ausbremse, verlängere im Gegenteil genau die Belastungen, die Artenvielfalt, Böden und Wasser am stärksten treffen.
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„Als junger Mensch wünsche ich mir, dass wir in dieser Debatte die größte Herausforderung unseres Jahrhunderts nicht aus dem Blick verlieren: Wie bewältigen wir den Klimawandel als Menschheit? Und wie können wir die Transformation möglichst verträglich gestalten?“, stellt er die Fragen, die seine Generation beschäftigen. „Klimaschutz ist die Bedingung für Naturschutz – und dafür, dass wir auch den nachfolgenden Generationen eine bewohnbare Erde hinterlassen.“










