„Dass wir dieses neue Verfahren als eine der ersten Kliniken Europas einsetzen, ist ein wichtiger Schritt für die unfallchirurgische Versorgung schwerer Brustkorbverletzungen hier in Göttingen. Unser Ziel ist es, Patientinnen und Patienten durch modernste Operationsmethoden schneller zu stabilisieren, Komplikationen zu verringern und die Genesung zu beschleunigen“, sagt Christopher Spering, Geschäftsführender Oberarzt und Leiter der speziellen Unfallchirurgie der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Es geht um eine neue OP-Methode bei schweren Rippenbrüchen.

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Rippenbrüche sind Verletzungen, die häufig die Folge schwerer Unfälle sind, insbesondere bei stumpfen Brustkorbtraumata. Hierbei wird durch eine äußere Gewalteinwirkung der Brustkorb verletzt, ohne ihn zu durchdringen, erläutert UMG-Sprecherin Lena Bösch. Auch nach lebensrettenden Maßnahmen wie einer Reanimation könnten sie auftreten.

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In komplizierten Fällen könne es sogar zu einer Instabilität des Brustkorbs, der sogenannten Thoraxwand kommen. Diese schränke die Atmung erheblich ein, verursache starke Schmerzen und könne schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Lungenentzündungen, Langzeitbeatmung oder die Notwendigkeit einer Tracheotomie, der operativen Eröffnung der Luftröhre zur künstlichen Beatmung, nach sich ziehen.

„Die Universitätsmedizin Göttingen hat als eine der ersten Kliniken in Europa ein neuartiges Operationsverfahren erfolgreich eingeführt, um gebrochene Rippen im Brustkorb nachhaltig zu stabilisieren“, teilt Lena Bösch mit. Der Eingriff werde minimalinvasiv durchgeführt, also lediglich über kleine Schnitte am Brustkorb. Unter der Leitung von Christopher Spering werde die Operation in Zusammenarbeit mit der Klinik für Anästhesiologie und dem Bereich OP-Pflege durchgeführt.

Internationale Studien sowie die Leitlinien der internationalen Fachgesellschaft zur Versorgung von Thoraxwandinstabilität empfehlen, schwere Brustwandinstabilitäten möglichst frühzeitig, am besten innerhalb von 24 bis 72 Stunden, operativ zu stabilisieren. Dadurch, so Bösch, lasse sich das Risiko für Komplikationen wie Lungenentzündungen deutlich verringern. Bleibe eine Brustwandinstabilität unbehandelt, steige das Risiko einer Lungenentzündung pro Tag um rund 30 Prozent.

Neues System ist erst seit kurzem auf europäischem Markt verfügbar

Laut der UMG-Sprecherin hat das neue Verfahren einige Vorteile. Die jetzt eingesetzte Technik erlaube es, gebrochene Rippen von der Innenseite des Brustkorbs aus zu stabilisieren. Der minimalinvasive Eingriff komme also mit deutlich kleineren Hautschnitten aus als herkömmliche offene Eingriffe, bei denen der Brustkorb geöffnet werden müsse.

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„Zudem schont die neue OP-Methode umliegende Strukturen wie Knochenhaut und Zwischenrippenmuskulatur. So wird die Durchblutung des Knochens besser erhalten, und die Stabilität des Brustkorbs kann schneller wiederhergestellt werden“, berichtet Bösch.

Ferner seien die eingesetzten Platten vorgeformt und benötigten keine zeitaufwändige Anpassung während der Operation. Ihre spezielle Bauweise ermögliche zusätzliche Kontaktpunkte zum Knochen und erhöhe so die Stabilität der Fixierung. Das innovative System sei erst seit wenigen Monaten auf dem europäischen Markt verfügbar, so die Sprecherin.

red/sma