Das Wirbelsäulenzentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist erneut als ein Zentrum der Maximalversorgung zertifiziert worden. Die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) hat den Status in diesem Jahr überprüft und bestätigt, dass das UMG-Wirbelsäulenzentrum weiterhin die strengen Vorgaben erfüllt. Damit bleibt die UMG-Einrichtung eines von nur zwei Wirbelsäulenzentren der Maximalversorgung in Niedersachsen.

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„Das Wirbelsäulenzentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist eine gemeinsame Einrichtung der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie sowie der Klinik für Neurochirurgie an der UMG und besteht seit 2021“, erklärt UMG-Sprecher Martin Wilmsmeier. Die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) habe das Zentrum in diesem Jahr erneut und umfassend geprüft. „Nachzuweisen waren unter anderem hohe Fallzahlen in verschiedenen Kategorien, angemessene Qualifikationen der Ärztinnen und Ärzte, eine umfassende Geräteausstattung, Forschung und Lehre im Bereich der Wirbelsäulenchirurgie und eine enge Zusammenarbeit der beiden beteiligten Fachbereiche, etwa durch gemeinsame Fortbildungen.“

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Auch das Umfeld des UMG-Wirbelsäulenzentrums aus Notaufnahme, Intensivstationen, Anästhesie, Neuroradiologie, Physiotherapie, Schmerztherapie und weiteren Bereichen wurde im sogenannten Re-Audit auf seine Leistungsfähigkeit hin überprüft. 

Das positive Ergebnis der Prüfung halten die Zentrumsleiter mit der neuen Zertifizierungsurkunde seit Kurzem in den Händen: Das UMG-Wirbelsäulenzentrum bleibt eines von nur zwei Wirbelsäulenzentren der Maximalversorgung in Niedersachsen. „Auch über die Landesgrenzen hinweg liegen die nächsten Wirbelsäulenzentren der Maximalversorgung mindestens 100 Kilometer entfernt“, so Wilmsmeier.

Versorgung aller Krankheitsbilder der Wirbelsäule und des Rückenmarks

Die Zertifizierung mache das Wirbelsäulenzentrum der UMG zur Anlaufstelle für viele Patientinnen und Patienten mit den unterschiedlichsten Leidensgeschichten. „Wir können sämtliche Krankheitsbilder der Wirbelsäule und des Rückenmarks bei uns im Haus behandeln. In allen Teilbereichen weisen wir hohe Fallzahlen auf und halten hohe Standards ein“, sagt der Arzt Wolfgang Lehmann, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie der UMG. „Die hohe Versorgungsqualität ist ein enormer Mehrwert für unsere Patienten – weit über die Region hinaus“, ergänzt sein Kollege Veit Rohde, Direktor der Klinik für Neurochirurgie. Die beiden Direktoren leiten das Wirbelsäulenzentrum der UMG gemeinsam.   

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Fast 1000 Wirbelsäuleneingriffe pro Jahr zählt man an der UMG. Darunter befinden sich überproportional viele komplexe und operativ anspruchsvolle Fälle, die das Team des Wirbelsäulenzentrums mit seiner Expertise versorgt.   

Operation korrigiert stark ausgeprägten Rundrücken

Mit einem solchen in der Behandlung sehr anspruchsvollen, Krankheitsbild kam der 49-jährige Thomas H. (Anm.: Der volle Name ist der UMG-Pressestelle bekannt) aus Hardegsen an das UMG-Wirbelsäulenzentrum. Er leidet seit über 30 Jahren an Morbus Bechterew, einer chronisch entzündlichen Erkrankung der Wirbelsäule, die zu Bewegungseinschränkungen und einer Rundrückenbildung führt.

Die im Volksmund als „Buckel“ bezeichnete Fehlstellung war dem Maschinenbaumechaniker mit den Jahren immer deutlicher anzusehen. Sein Oberkörper neigte sich um etwa 80 Grad nach vorn. „Um überhaupt geradeaus statt nur auf den Boden schauen zu können, musste ich den Kopf tief in den Nacken legen. Das hat wiederum starke Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule mit sich gebracht“, führt Thomas H. aus. Ein erstes Halswirbelimplantat wurde durch die Fehlbelastung schon nach kurzer Zeit wieder abgetragen. Außerdem machte die Stützkörperhaltung seinen Knien zu schaffen.

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Im März 2025 kam der Hardegsener zum Wirbelsäulenzentrum. Lukas Weiser, Leitender Oberarzt und der Leiter der Wirbelsäulenchirurgie an der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie, hat ihn behandelt und im November operiert, um ihm wieder eine aufrechte Körperhaltung zu ermöglichen. „In einer etwa zehnstündigen Operation wurden zunächst Pedikelschrauben in acht Wirbelkörper eingebracht. Anschließend musste die Wirbelsäule auf zwei Etagen vollständig durchtrennt werden, um die Stellung korrigieren zu können. Insgesamt wurden neun Segmente mit Stäben miteinander versteift, um die Wirbelsäule dauerhaft aufzurichten und zu stabilisieren“, erklärt Lukas Weiser.

Schrauben werden sozusagen mit dem „Navi gesetzt“

Bei der Operation sorgte ein sogenanntes „Navigationssystem“ dafür, dass die Schrauben millimetergenau platziert sowie in der richtigen Tiefe in die Wirbelkörper eingesetzt wurden. „Während einer solchen Operation messen wir permanent die Nervenströme, um bei Unstimmigkeiten sofort und wirksam zu reagieren. Die einwandfreie Funktion des Rückenmarks der Patient*innen hat oberste Priorität“, erläutert Christoph Bettag, Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie, einen Aspekt der Zusammenarbeit beider Fachbereiche.

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Für den Patienten war die Operation ein voller Erfolg. Anfang Dezember, elf Tage nach der Operation, konnte er bereits aus der UMG entlassen werden. Das wichtigste Behandlungsergebnis sehe man laut Wilmsmeier Thomas H. sofort an: „Er steht und geht aufrecht.“ Seine Körperhaltung habe sich komplett verändert, der Vorher-Nachher-Vergleich beeindrucke selbst die Mediziner. „Ich habe mich mit 49 Jahren einfach noch zu jung für einen Buckel gefühlt“, sagt der Familienvater. Sein Rundrücken ist für ihn jetzt Geschichte.

red