Das „Grüne Band Deutschland“ soll bekanntlich Unsco-Welterbe werden. Aber was heißt das für das Eichsfeld? Das wurde jetzt in Duderstadt diskutiert. Mit dabei waren Mira Keune als Geschäftsführerin des Grenzlandmuseums Eichsfeld, mit Alexandra Kruse die Projektreferentin „Auf dem Weg zum Welterbe – Der Natur- und Kulturraum Grünes Band“, weiter der Initiator des „Grünen Bandes“, Kai Frobel sowie Jochen Paleit, der Vorstandsvorsitzende der Heinz-Sielmann-Stiftung.

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Seit Dezember 2023 steht das „Grüne Band Deutschland“ – einst innerdeutsche Grenze, heute ein ökologisch bedeutsamer Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten – auf der deutschen Unesco-Vorschlagsliste, der sogenannten Tentativliste. Die offizielle Bewerbung als gemischtes Welterbe – eine Verbindung von Natur- und Kulturerbe – werde derzeit vorbereitet, hieß es.
Grünes Band erinnert an deutsche Teilung und wächst touristisch
Zunächst hatte Markus Teichert, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Duderstadt rund 150 Gäste im voll besetzten Saal begrüßt, ehe Wolfgang Nolte, amtierender Vorstand des Grenzlandmuseums Eichsfeld sowie stellvertretender Stiftungsratsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, einführend an die große historische Bedeutung des Grünen Bandes erinnerte – vom Zweiten Weltkrieg mit Millionen von Toten und Vertriebenen über die deutsche Teilung, dem Mauerbau, einem jahrzehntelangen Todestreifen quer durch Deutschland bis hin zur Wiedervereinigung.
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All das sei Teil der deutschen Geschichte und untrennbar mit dem Grünen Band verbunden. Umso wichtiger sei es, „das Grüne Band als Mahn- und Naturerlebnisroute auch touristisch weiterzuentwickeln“, resümierte Nolte.
Recht gab ihm Thadäus König (CDU), Präsident des Thüringer Landtags, der seinen Wahlkreis im thüringischen Eichsfeld hat. „Das Grüne Band ist heute ein Symbol für die Überwindung von Teilung und Unfreiheit und es zeigt, welche Chancen aus dem friedlichen Zusammenwachsen entstehen können“, sagte er. Vor dem Hintergrund der friedlichen Revolution im Herbst 1989 sei der einstige Todesstreifen heute zu einem wichtigen Ort für Aufarbeitung von Diktaturerfahrung und Demokratiebildung geworden.

Wie Nolte zeigte sich auch König fest davon überzeugt, dass der angestrebte Welterbeantrag erfolgreich sein werde und große Chancen für die touristische Entwicklung der Region mit sich bringe. Zugleich verwies er darauf, wie aufwendig das Antragsverfahren für ein gemischtes Welterbe sei. Frühestens 2031 soll der Antrag eingereicht werden, bis dahin sei noch viel Arbeit zu leisten.
Niedersachsen blockiert noch den Weg zum Welterbe Grünes Band
Aber welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus für das Eichsfeld? Kai Frobel erklärte, welchen herausragenden internationalen Stellenwert eine Anerkennung als gemischte Welterbestätte hat. Weltweit gibt es laut Frobel davon bisher nur 41, dazu gehören weltberühmte Natur- und Kulturorte wie Machu Picchu in Peru. Insofern sei es bereits ein großer Erfolg, überhaupt auf die Tentativliste der Unesco zu kommen.
Um allein Chancen auf eine Anerkennung als Weltnaturerbe zu haben, müsse das Grüne Band von allen beteiligten Bundesländern als Nationales Naturmonument ausgewiesen werden. Bis auf ein Bundesland hätten sich alle Bundesländer auf diesen Weg begeben. „Einzig Niedersachsen hat bis heute noch nicht einmal die politische Absicht erklärt, ein Nationales Naturmonument Grünes Band auszuweisen“, mahnte Frobel an.

Alexandra Kruse verwies auf die schwierige Gemengelage und komplizierten Abstimmungsprozesse, die noch auszuloten seien. „Es sind mit Berlin sogar zehn Bundesländer und 20 Ministerien daran beteiligt. Welterbe in Deutschland ist Sache der Bundesländer. Das heißt, die Bundesländer müssen sich darauf verständigen, dass sie das Grüne Band nominieren möchten. Erst wenn das erfolgt ist, können wir loslegen“, erklärte sie. Vor diesem Hintergrund sei sie mit einem Zeitplan bisher noch vorsichtig.
Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und Vorstand der Nationalen Naturlandschaften, beleuchtete die wirtschaftliche und touristische Bedeutung einer Unesco-Welterbestätte. Den Bewerbungsprozess und die 2009 erfolgte Auszeichnung des Wattenmeeres als Unesco-Weltnaturerbe hat er eng begleitet und konnte daher eindrücklich aufzeigen, welche ökonomischen Chancen in einer Auszeichnung als Welterbe stecken. „Was wir heute sagen können: Die Anerkennung zum Weltnaturerbe hat bei uns etwa 2000 zusätzliche Arbeitsplätze generiert“, bilanzierte Südbeck.
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Den Schlussakkord setzte Fritz Brickwedde, Stiftungsratsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, mit einem persönlichen Fazit und Ausblick. „Ich denke, es ist wichtig, dass wir einerseits die Erinnerung an diese schreckliche Grenze aufrechterhalten und andererseits diesen einzigartigen Naturraum für die Vielfalt der Tiere- und Pflanzenarten bewahren, den uns das Grenzregime geschenkt hat“, sagte Brickwedde und fügte an: „Hoffentlich helfen auch diese Veranstaltung und die hier vorgetragenen guten Argumente dabei, dem Welterbeantrag den nötigen Rückenwind zu geben.“
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Sielmanns Biotopverbund Eichsfeld-Werratal erstreckt sich auf 130 Kilometern zwischen den Nationalparks Harz und Hainich. In ihm leben heute noch rund 340 bundesweit gefährdete oder bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Die Heinz-Sielmann-Stiftung unternimmt auf ihren Flächen Naturschutzmaßnahmen, die sich eng an den Lebensraumansprüchen der Arten orientieren.
red









