Der kleine Lio sitzt in seinem Stühlchen am Tisch und spielt. Vor sich hat der Zweijährige aus Uder Obst und Gemüse aus Holz, das er mit einem Spielzeugmesser zerteilt. Nichts deutet in diesem Moment darauf hin, dass das Kind schon einen schweren Kampf zu führen hat, denn Lio leidet an akuter Leukämie.

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Anfang Dezember vergangenen Jahres verändert sich das Leben seiner Eltern Franziska Martin und Enrico Gahlow schlagartig. „Er hatte einen Magen-Darm-Infekt und war danach zunächst sehr schlapp“, berichtet die Mutter. Im Urlaub, den die kleine Familie kurz danach antritt, habe sich der Kleine ungewöhnlich verhalten, fährt sie fort. „Er wollte nicht laufen, musste viel getragen werden.“
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Als er nach dem Urlaub wieder in den Kindergarten geht, meldet sich dieser bei den Eltern. „Die Erzieherin sagte, es sei nicht der Lio, den sie kennen. Er wollte nicht mit den anderen Kindern spielen, hat viel auf dem Sofa gelegen und war sehr blass“, erzählt Franziska Martin. Die konsultierte Kinderärztin vermutet zunächst Nachwirkungen der Magen-Darm-Infektion.
Mit Blaulicht in die Göttinger Uniklinik
Doch zwei Tage später, am 3. Dezember, ist Lio wieder so blass, dass die Eltern mit ihm erneut die Kinderarztpraxis aufsuchen. Von dort wird die Familie in die Notaufnahme des Eichsfeld-Klinikums zur Blutabnahme geschickt. „Als das Ergebnis vorlag, sind wir mit Blaulicht direkt nach Göttingen gefahren worden. Da bestand bereits der Verdacht auf Leukämie. In der Uniklinik folgte dann eine Knochenmarksuntersuchung“, so die Mutter.
Am 5. Dezember wird aus dem Verdacht traurige Gewissheit. „Wir waren erst einmal komplett geschockt“, blicken die Eltern auf die Situation zurück. „Aber wir sind noch auf der Station psychologisch betreut worden. Man hat sich gut um uns gekümmert“, sagt Franziska Martin.
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„Man realisiert das zunächst gar nicht so richtig. Man ist plötzlich in einem Tunnel und funktioniert nur noch. Man denkt an nichts anderes mehr als an sein Kind“, ergänzt Enrico Gahlow. „Wir haben viel geweint, aber man will es dem Kleinen natürlich nicht zeigen. Wir müssen ja stark für unser Kind sein und uns ihm gegenüber nichts anmerken lassen.“
Die Diagnose stellt den Alltag der kleinen Familie komplett auf den Kopf, ihr Leben spielt sich seitdem hauptsächlich in der Göttinger Uniklinik ab. Nur tageweise geht es mal nach Hause. „Wir sind beide krankgeschrieben, weil Lio viel weint, wenn wir nicht beide da sind. Er schläft dann auch nicht ein. Er klammert gerade sehr und braucht uns beide“, erklären die Eltern. „In den ersten Tagen konnten wir noch beide im Krankenhaus bleiben. Inzwischen übernachtet einer von uns im Elternhaus neben dem Krankenhaus, schleicht sich abends aus dem Zimmer, wenn Lio eingeschlafen ist, und kommt frühmorgens zurück.“
Behandlung mit Blutkörperchen und Chemotherapie
Zwar stehen die Heilungschancen für Lio bislang gut, aber bis dahin ist es ein langer Weg, sagt Franziska Martin. „Die Behandlung wird mindestens neun Monate dauern, jeder Infekt verlängert sie noch zusätzlich.“ Derzeit bekommt Lio eine Chemotherapie, die er unterschiedlich verträgt. „Die Therapie besteht aus mehreren Medikamenten. Einige verträgt er gut, aber andere schlagen auf die Nieren oder das Herz. Manchmal bekommt er auch Knochenschmerzen oder muss sich viel übergeben“, erzählt die 35-Jährige.
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Auch die Gabe von roten und weißen Blutkörperchen gehört zur Therapie. Doch Blutkonserven sind derzeit knapp, weshalb die Eltern dringend darum bitten, Blut zu spenden. Hilfe erhält die kleine Familie allerdings nicht nur im Krankenhaus, auch das Umfeld unterstützt sie sehr. Da beide Eltern derzeit nicht arbeiten können, wurde eine Spendenkampagne für sie ins Leben gerufen. „Wir sind sehr überwältigt von der Unterstützung, die wir erfahren“, zeigen sich die Eltern dankbar. „Es gibt Kraft, wenn man merkt, wie viele Menschen hinter einem stehen.“
Demnächst soll Lio eine Blinapumpe bekommen, die ihm permanent Antikörper verabreicht. „Die muss er dann ununterbrochen bei sich tragen. Einige ehrenamtliche Näherinnen möchten ihm dafür einen Rucksack anfertigen, sonst müssten wir die Pumpe konstant hinter ihm hertragen“, sagt Enrico Gahlow.
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Doch neben der Behandlung, die dem Kleinen das Leben schwer macht, fehlen Lio auch andere Kinder, erzählen die Eltern. „Seine Leukozytenwerte sind so niedrig, dass er sich überall anstecken könnte. Deshalb müssen wir alles in seinem Umfeld gut reinigen und desinfizieren. Die sozialen Kontakte durch den Kindergarten fehlen Lio wirklich sehr, das merkt man.“










