Seit 2015 arbeitet Claudia Schneider im Waschhaus der Eichsfelder Werkstätten. Um ihre fachlichen Kompetenzen weiterzuentwickeln, absolvierte sie die Sonderpädagogische Zusatzqualifikation (SPZ). „Diese berufsbegleitende Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte in Werkstätten für Menschen mit Behinderung und bereitet sie darauf vor, Beschäftigte pädagogisch zu begleiten und individuell zu fördern“, erklärt Melanie Dombrowski, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Raphael-Gesellschaft in Heiligenstadt.

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Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist die praktische Umsetzung eines Projektes. Für Claudia Schneider war schnell klar, dass sie dieses gemeinsam mit einer Beschäftigten aus ihrer Arbeitsgruppe im Waschhaus durchführen möchte. „Sie fragte daher in der Gruppe nach Interesse – und Heike Bielstein meldete sich“, so Dombrowski.
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Lesen lernen als Schlüssel zur selbstständigen Arbeit
Heike Bielstein war zu diesem Zeitpunkt Teilnehmerin im Berufsbildungsbereich (BBB) und absolvierte ein Praktikum im Waschhaus. Eines ihrer Ziele war es, ihre Lesekompetenz zu verbessern. Schnell fanden die beiden Frauen einen gemeinsamen Ansatzpunkt. Im Arbeitsalltag machte sich bereits bemerkbar, dass Heike Bielstein immer wieder auf Aufgaben stieß, bei denen Lesen erforderlich war und die es ihr erschwerten, selbstständig zu arbeiten.
„Im Waschhaus müssen Wäschestücke den jeweiligen Personen zugeordnet werden – etwa über Schilder oder Namensaufdrucke. Diese Tätigkeit erfordert Genauigkeit und Konzentration. Bisher hatte sich Heike Bielstein damit geholfen, indem sie sich die Namen wie Bilder einprägte. Schon lange wünschte sie sich jedoch, das Lesen richtig zu erlernen“, erläutert Melanie Dombrowski den Hintergrund.
Gerade im Alltag – etwa beim Lesen von Briefen – wird deutlich, wie hilfreich diese Fähigkeit sein kann. Zu Beginn trafen sie sich regelmäßig, um sich kennenzulernen und herauszufinden, an welchem Punkt sie beim Lesenlernen ansetzen können. Darauf aufbauend entwickelte Claudia Schneider erste Lernziele.
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Mit der Silbenmethode zum Erfolg
„Beim Lesenlernen nutzten die beiden die Silbenmethode. Dabei werden die Wörter in kleinere Sprecheinheiten – also Silben – unterteilt, zum Beispiel Le-sen oder Bewoh-ner. Claudia Schneider erstellte dafür eigene Arbeitsblätter, die genau auf Heike Bielsteins Lernstand abgestimmt waren. Zusätzlich nutzten die beiden Kinderbücher für Erstleser“, schildert Dombrowski den Prozess.
Natürlich gab es auch Herausforderungen. Besonders das regelmäßige Üben außerhalb der Werkstatt war nicht immer leicht. Daher nahmen sie sich bewusst Zeit, zehn Minuten am Tag, um gemeinsam zu lesen und das Gelernte zu festigen. Mit der Zeit wurden die Fortschritte auch im Arbeitsalltag sichtbar. Heike Bielstein konnte die Namen auf den Wäschestücken immer sicherer lesen und zuordnen.

Um das Lernen abwechslungsreich zu gestalten, entwickelte Claudia Schneider außerdem ein Quiz. Die Namen von 33 Bewohnerinnen und Bewohnern eines Wohnheims wurden auf Zettel geschrieben und in eine Dose gelegt. Sie zieht einen Namen, liest ihn vor und versucht anschließend, sich daran zu erinnern, in welchem Regal und in welchem Fach die entsprechende Person ihre Wäsche hat.
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„Das Quiz lässt sich gut in den Arbeitsalltag integrieren und sorgt für viele kleine Erfolgserlebnisse. Nach etwa einem Jahr zeigt sich deutlich, wie sehr Heike Bielstein von dem Projekt profitiert hat. Ihr Arbeitsfeld ist gewachsen, sie kann mehr Aufgaben selbstständig übernehmen und fühlt sich sicherer in ihrem Arbeitsbereich. Vor allem aber ist sie sehr stolz auf ihre Fortschritte. Das Lesenlernen hat ihr Selbstvertrauen spürbar gestärkt und ihren Selbstwert gesteigert“, freut sich Dombrowski.
Heute arbeitet Heike Bielstein fest im Waschhaus und fühlt sich in ihrer Gruppe sehr wohl. Claudia Schneider möchte das Projekt künftig auch auf weitere Beschäftigte ihrer Arbeitsgruppe ausweiten, denn viele von ihnen haben ähnliche Schwierigkeiten beim Lesen.
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Zum Abschluss dieser gemeinsamen Zeit machte Claudia Schneider Heike Bielstein noch ein besonderes Geschenk: ein Buch. „Das ist das erste Buch, das ich geschenkt bekommen habe“, sagt Heike Bielstein gerührt. Das Buch erzählt von einer Möwe, die sich auf die Suche nach ihrer verlorenen Socke macht und auf ihrem Weg viele Herausforderungen meistert – eine Geschichte, die an den Weg erinnert, den Heike im vergangenen Jahr gegangen ist.
red










