Die alte, grau gestrichene Holztreppe knarzt. Sie führt in das Obergeschoss des von außen recht unscheinbaren Hauses in Heuthen im Eichsfeld. Die Wände des schmalen Ganges sind mit Fotos vergangener Tage tapeziert.

Täglich
Der Newsletter für das Eichsfeld
Alle wichtigen Informationen aus dem Eichsfeld, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Der eine oder andere Blues- und Rockfan findet sich auf ihnen wieder, mitunter 20 oder 30 Jahre jünger. Und dann geht es in den Saal. Grüne Stoffbahnen rahmen die kleine, schwarz ausgeschlagene Bühne ein, unter der Decke hängen riesige Kronleuchter, daneben drehen Ventilatoren wie in den amerikanischen Südstaaten die Luft umeinander.

Hinter dem abgeteilten Tresen steht Peter Neuschl und spült die Biergläser. Er lacht schallend. „Ja, die Haare haben jetzt die Farbe von Chrom“, sagt er. Vorbei sind die Zeiten, als rabenschwarze Locken sein Gesicht einrahmten. Das gab dem Musikclub einst seinen Namen: „Schwarzer Peter“. „Was will man machen …“, sagt er. „Ich bin inzwischen immerhin 66.“

Alter Dorfsaal wird zur Kultstätte für Rock- und Blueskonzerte
Seit er mit 15 Jahren seinen Mopedführerschein hatte, war er überall im Eichsfeld auf den Sälen unterwegs, wenn es Rock-Live-Musik gab. „Da war es auch egal, ob es schneite oder in Strömen goss.“ Ihn hatte das Rock- und Bluesfieber gepackt.

Wo sich seit nunmehr mehr als drei Jahrzehnten Bands die Klinke in die Hand geben, war einst der alte Dorfsaal. Nach der Wende hatten die Leute andere Sorgen. „Hier oben wurde Fußball trainiert“, erzählt Peter. „Als alle Fensterscheiben kaputt waren, bin ich zur Gemeinde und habe gefragt, ob ich den Saal haben kann. Es war eine wilde Zeit damals.“

Es klappte. Im April 1994 gab es das erste Livekonzert im ersten Stock der Heuthener Dorfgaststätte. „Das war ein Duo aus dem Eichsfeld“, erinnert sich Peter. Inzwischen ist auch Ehefrau Hiltrud eingetroffen und greift hinterm Tresen zum Handtuch.

„Die erste richtige Rockband, die hier spielte, war Bumerang aus Chemnitz.“ Viele kleine Bands, welche mit ordentlichem Bekanntheitsgrad, aber auch Stars, haben im Laufe der 32 Jahre den alten Saal zum Beben gebracht. Sowohl Peter als auch Frau Hiltrud waren beide nebenbei noch berufstätig.

Peter erinnert sich an die 90er. „In Extremo“, sagt er. Damals hatte die Band noch lange nicht den Status von heute. „Da haben wir mit Feuerlöschern vor der Bühne gestanden.“ Später gastierte die Band noch zweimal, dann aber im großen Saal unten.

2006 übernahmen die Neuschls auch die Gaststätte im Haus, das „Backs“, die er aber nur zu Familienfeiern öffnet. Supertramp-Gitarrist Carl Verheyen spielte oben, die Spencer Davis Group unten. Keimzeit waren da, auch BossHoss-Bassist Guss Brooks war hier mit seinem Side-Projekt „The 2930s“ zu finden.

Etwa 20 Jahre lang hat sich Peter Neuschl die Arbeit mit den Bands mit Uwe Hecht, auch in Thüringen als „Klaus Hektik“ bekannt, geteilt. Inzwischen macht das Peter allein. „Es war eine tolle Zeit, aber wir werden alle älter.“

Was sich aber über die Jahre nicht verändert hat, sind die Konzerte. Manche Bands sind Dauergäste, manche wagen ihre ersten Schritte auf der Heuthener Bühne. „Engerling, Monokel, Double Vision, Randy Hanson, Steve Schuffert Band … Ach, es sind so viele.“ Zweimal im Jahr spielt auch die Eichsfelder Kultband Thanas.
Fakten
Name: Musikclub „Schwarzer Peter“
Adresse/Anfahrt: Ratsgasse, 37308 Heuthen, von Heiligenstadt über Geisleden
Parkmöglichkeit: Irgendwo im Dorf
Öffnungszeiten: Zu den Konzerten, Einlass immer ab 20 Uhr, Beginn immer 21 Uhr
Eröffnet im Jahr: 1994
Promis auf der Bühne: In Extremo, Keimzeit, Spencer-Davis-Group, BossHoss-Bassist Guss Brooks. Supertramp-Gitarrist Carl Verheyen
Aktuelle Termine: Generation XYZ (5.9.), Franky Dickens (19.9.), Four Roses (10.10.), Randy Hanson (31.10.), Theodor Strom (21.11.), Thanas (28.11.), Double Vision (12.12.), Quotime (19.12., Status-Quo-Tribute)
Webseite: www.schwarzer-peter-music.de
Gibt es etwas, was bei ihm auf keinen Fall auf die Bühne kommt? „Politik“, sagt er wie aus der Pistole geschossen. „Politik hat in der Musik nichts verloren. Ich möchte hier weder linke noch rechte Bands haben.“ Und wie lange soll es die Konzerte noch geben? „Solange es die Gesundheit mitmacht und wir Spaß an der Sache haben.“
Wir stellen in der Serie „Drinks & Taktgefühl“ Locations (Bars, Clubs, Musikkeller) aus der Region vor, die regelmäßig Live-Musik anbieten.





