Es ist die Nacht nach dem Totensonnntag im Jahr 1944, der 27. November, als die gewaltige Explosion einer britischen Luftmine die Stille über Erfurt zerreißt. Sie detoniert über der Barfüßerstraße, legt Wohnhäuser in Schutt und bringt das Kirchenschiff der majestätischen Barfüßerkirche zum Einsturz. Bereits in der Nacht zuvor waren Bomben auf die Schlösserstraße gefallen. Mehr als 70 Menschen starben bei den beiden Luftangriffen.

Heute Theaterkulisse und Ort der Mahnung

Die Ruine der Barfüßerkirche erinnert noch heute an den Luftangriff während des Zweiten Weltkrieges, der sich jetzt zum 80. Mal jährt. Heute ist die zerstörte Barfüßerkirche Wunde, Mahnmal, aber auch beliebter Treffpunkt und Veranstaltungsort, etwa für das Sommertheater oder den Fairen Adventsmarkt, der am Sonnabend seine Pforten öffnet. Im noch überdachten Hohen Chor hat eine Dependance des städtischen Museums Platz gefunden, werden die ältesten Glasmalereien Erfurts und bedeutende Werke der Bildhauerkunst des 14. Jahrhunderts bewahrt. Doch der Chor ist nur selten im Rahmen von Veranstaltungen des Initiativkreises Barfüßerkirche geöffnet.

Enkel des damaligen Pfarrers erinnern sich

Seit 2010 erinnert jener Initiativkreis jedes Jahr an die Zerstörung der Kirche. Dieses Jahr soll das Gedenken am Mittwoch, den 27. November, um 18 Uhr stattfinden. Nach einem Grußwort des Erfurter Kulturbeigeordneten Tobias Knoblich erinnern die Enkel des damaligen Pfarrers Adam Ritzhaupt an die Bombennacht. Anschließend hält Landesbischof Friedrich Kramer eine Andacht in der Langhausruine der Barfüßerkirche. Zum Abschluss erklingt das Glockenspiel aus dem Bartholomäusturm, dessen Glocken die Gemeinde seit der Reformation zum Gottesdienst riefen.

Kundgebung für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung

Dass die Barfüßerruine auch ein Zeichen gegen den Krieg ist, daran erinnert das Friedensbündnis der Offenen Arbeit, das am Dienstag, den 10. Dezember, um 17 Uhr diesen Ort für eine Kundgebung nutzen will. Mit ihr soll Solidarität für Kriegsdienstverweigerer ausgedrückt und die Überzeugung unterstrichen werden, dass die Verweigerung des Waffendienstes ein Menschenrecht ist.

red