Die Kritik an der städtischen Ausstellungsfläche in der Defensionskaserne auf dem Erfurter Petersberg reißt nicht ab. Knapp 100.000 Euro soll die Miete im Jahr kosten, bislang aber wird die Fläche noch nicht genutzt. Geld, das gut gebraucht würde, um bestehende Museen der Stadt in Schuss zu bringen, wie Kritiker monieren. Für Donnerstag hat die Stadt zu einer öffentlichen Diskussionsrunde zum Thema geladen. Damit aber sorgt sie für noch mehr Ärger.

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Viele Vertreter der Erfurter Museumslandschaft und auch sonstige kulturinteressierte Erfurter haben für diesen Tag womöglich andere Pläne: Mit einem Festakt im Rathaus beginnt am Abend eine dreitägige Tagung zu einem besonderen Stadtjubiläum. Vor 175 Jahren war Erfurt Sitz des Unionsparlaments, ein historisch bedeutsamer, wenn auch zunächst gescheiterter Versuch, nach der Revolution von 1848/49 einen gesamtdeutschen Parlamentarismus zu etablieren.
Offener Brief mit scharfer Kritik
Die Überschneidung der Termine als auch die Folgen des umstrittenen Pop-Up-Projekts kritisiert der Förderverein Stadtmuseum scharf in einem Offenen Brief. Durch die zeitliche Kollision von Pop-Up-Diskussion (17 Uhr in der Defensionskaserne) und Festakt (19 Uhr im Rathaus) würden „zahlreiche Akteure und interessierte Bürger von der Diskussion praktisch ausgeschlossen“, moniert Steffen Raßloff, Historiker und Vorsitzender des Fördervereins, der den Festakt moderieren soll.

Teure Ausstellungsfläche auf Kosten der Museumslandschaft
Mit der Überschrift „Pop-Up-Projekt endgültig stoppen“ macht der Brief die Position des Fördervereins Stadtmuseum deutlich: „Die Museen und Einrichtungen leiden unter prekären finanziellen, baulichen und personellen Bedingungen. Das Unesco-Welterbezentrum und ein Zentraldepot stellen die Stadt vor weitere Herausforderungen. Deshalb sorgen die hohen Ausbaukosten des Pop-up ebenso für Empörung, wie die Pläne des Kulturdirektors, Mittel des Naturkundemuseums umzulenken“, heißt es in dem Schreiben unter anderem. Entgegen aller Beteuerungen gehe das Projekt auf Kosten der bestehenden Kulturlandschaft.
Festakte und Fachtagung am historischen Ort
Die Erinnerung an das Erfurter Unionsparlament von 1850 erfährt derweil in dieser Woche ihren Höhepunkt: Bereits am Dienstag, den 18. März, öffnet die neue Ausstellung „Das vergessene Parlament“ im Stadtmuseum, tags darauf die neugestaltete Dauerausstellung, die im Augustinerkloster die Geschichte dieses historischen Ortes darstellt. Die Augustinerkirche war Sitzungsort des Unionsparlaments. Dort wird am Donnerstag, 20. März, bereits ab dem Nachmittag eine Festveranstaltung stattfinden, bei der unter anderem der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) an die Bedeutung des Unionsparlaments erinnert.
red




