Der Platz auf Straßen und Fußwegen ist begrenzt. Fußgänger, Radfahrer, Straßenbahn, Autos, Busse, sie alle teilen sich den Verkehrsraum. Gegenseitige Rücksichtnahme, übrigens Paragraf 1 in der Straßenverkehrsordnung, ist das oberste Gebot. Wir haben die User unserer Facebookseite befragt, wo sie in Erfurt die meisten Probleme und somit auch Verbesserungspotential sehen.
Herausforderungen und konfliktträchtige Bereiche
Ein häufig genanntes Problem betrifft überfüllte und schlecht ausgebaute Radwege, die Radfahrer dazu zwingen, auf Gehwege oder stark befahrene Straßen auszuweichen. Besonders eng wird es in viel genutzten Straßen wie der Johannesstraße, der Leipziger Straße und der Friedrich-Ebert-Straße, wo ohnehin wenig Platz ist. Auch Bereiche wie der Anger, die Andreasstraße und die Fußgängerzone zwischen Domplatz und Bahnhof werden aufgrund von Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern kritisiert.
Engstellen, etwa an der Krämpferbrücke oder dem Ringelberg, führen ebenso zu Problemen wie abrupt endende Radwege, zum Beispiel in der Nähe des Melchendorfer Marktes oder in der Andreasstraße. Am „Mellemarkt“ berichten Radfahrer von gefährlichen Situationen durch zugeparkte Gehwege oder Autofahrer, die Halte- und Stoppschilder ignorieren.
Falsches Verhalten und Regelverstöße
Ein Dauerthema ist das Verhalten von Radfahrern selbst. Dies schrieb eine Vielzahl der Facebook-Nutzer in die Kommentare. „Meistens wird der kreuz und quer auf den Fußwegen gefahren, ganz schlimm ist es in der Arnstädter Straße bis zum Ring“, meinte ein Mann. Zudem seien häufig Geisterfahrer unterwegs, etwa in der Weimarischen Straße und in der Magdeburger Allee.

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Häufig wird kritisiert, dass Radwege falsch oder gar nicht genutzt werden (etwa Gutenbergstraße und Andreasstraße) und dass entgegen der Fahrtrichtung oder auf Gehwegen gefahren wird. Besonders Fußgänger fühlen sich hierdurch gefährdet, zum Beispiel in der Arnstädter Straße oder entlang gemischter Fuß- und Radwege wie am Domplatz und in der Andreasstraße. Auch das Missachten von roten Ampeln und hohes Tempo in verkehrsberuhigten Zonen tragen zur Gefährdung bei, wie etwa am Melchendorfer Markt.

Gleichzeitig berichten Radfahrer von gefährlichen Situationen, die durch rücksichtsloses Verhalten von Autofahrern entstehen. So fehle es vielerorts an der Einhaltung des Mindestabstands beim Überholen. In Straßen wie der Johannesstraße erzwingen Autos durch mittiges Fahren zudem riskante Ausweichmanöver der Radfahrer. Erst kürzlich kontrollierte die Polizei dort den Mindestabstand und hielt innerhalb von 90 Minuten sage und schreibe 48 Fahrzeugführer an, die Radfahrer überholt hatten, obwohl nicht genügen Mindestabstand möglich war.

Zu allem Überfluss erschweren zahlreiche zugeparkte Radwege wie in der Thälmannstraße oder an der Gothaer Straße das sichere Fahren.
Bessere Infrastruktur fordern die meisten
Viele Facebook-User sehen die Wurzel der Konflikte in der fehlenden oder unzureichenden Radinfrastruktur. Die Radwege in Erfurt seien vielerorts schlecht geplant, unterbrochen oder schlicht nicht vorhanden. Ein Leser fasst diese Problematik treffend zusammen: Erfurt bietet keinen durchgängigen, sicheren Radweg, der sich von einem Ende der Stadt zum anderen erstreckt. Dazu kommen bauliche Mängel wie schmale Schutzstreifen und unklare Markierungen, die die Nutzung zusätzlich erschweren.

Einige der Leser schlagen vor, den begrenzten Stadtraum anders aufzuteilen. Eine Radfahrerin fordert bessere Kompromisse zwischen Verkehrsarten, etwa durch die Umwidmung von Autospuren. Diese Perspektive unterstützt ein weiterer User, der für eine größtenteils autofreie Innenstadt mit temporärem Verkehr plädiert. Gemeinsam mit der besseren Gestaltung und Kennzeichnung von Radwegen könnte dies sowohl die Sicherheit erhöhen als auch Konflikte reduzieren.
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Appelle an alle Verkehrsteilnehmer
Abschließend bleibt der Wunsch vieler Leser, dass sowohl Radfahrer als auch Fußgänger und Autofahrer mehr Rücksicht aufeinander nehmen. Klare Regeln und Konsequenzen wie Bußgelder für Radfahrer bei schweren Verstößen werden ebenso oft gefordert wie mehr Kontrollen durch die Polizei, etwa zur Ahndung von Rotlichtverstößen. Ein User fordert sogar, dass Radfahrer ebenso als Verkehrsteilnehmer mit Kennzeichen, Versicherung und Bußgeldern betrachtet werden.




