Das Dachgeschoss vom Parkhaus des Anger 1 in Erfurt ist der Verwandlung in eine Gemüsefarm einen großen Schritt näher gekommen. Auf Anregung des Erfurter Umweltamtes hat der Umweltausschuss einem Zuschuss von 30.000 Euro für das Projekt der Firma Dachgemüse bewilligt. Da der Beschluss ohne Gegenstimme erfolgte, dürfte die noch nötige Zustimmung am 17. Dezember im Stadtrat eher eine Formsache sein. 

Täglich

Der Newsletter für Erfurt

Alle wichtigen Informationen aus der Landeshauptstadt Erfurt, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.


Die Firmenchefin Anna Meincke will das nicht überdachte Obergeschoss des Parkhauses im Lauf des kommenden Jahres als Gemüsegarten umnutzen. Den Bauantrag will sie noch vor Jahresende einreichen, sagte die 37-jährige Umweltingenieurin Anna Meincke im Umweltausschuss am Donnerstagabend (4. Dezember). Die Bauplanung und die Statikprüfungen seien bereits erfolgt. 

Erfurter Dachgemüse
Wo nur selten Autos stehen, soll bald Gemüse wachsen.© Funke Medien Thüringen | Marco Schmidt

Wichtiger Beitrag gegen eine überhitzte Stadt


Neben der lokalen Gemüseproduktion soll der Gemüsegarten die Hitzeinsel Innenstadt aufbrechen und als Begegnungsort dienen. „Es wird feste Öffnungszeiten in begrenztem Rahmen, Workshops und Führungen geben, eine Terrasse mit Sitzmöglichkeiten und Speiseangebote aus den Zutaten vor Ort“, sagte Anna Meincke. 


Nach Angaben des Umweltamtes geht die Idee der Dachfarm auf den Arbeitskreis Innenstadtprofilierung zurück. Der Parkhausbetreiber stehe der Umnutzung des Dachgeschosses offen gegenüber, da das Oberdeck bis auf die Zeit des Weihnachtsmarktes in der Regel leer stehe. Mit dem Betreiber, Q-Park, hat die Firma Dachgemüse bereits eine Absichtserklärung zur Nutzung des Daches unterschrieben. 

Wer im Parkhaus Anger 1 in der fünften Etage aus dem Fahrstuhl tritt, der soll schon bald nicht mehr vor hier abgestellten Fahrzeugen auf einem Parkdeck stehen, sondern inmitten des größten Dachgartens Deutschlands. Anna Meincke, die mit dem Stadtgarten am Kontor in der Hugo-John-Straße erfolgreich eine Brachfläche in einen Nutzgarten verwandelt hat, ist ihrem großen Traum vom Dachgemüse inmitten der Erfurter Innenstadt einen großen Schritt näher.

Kein herkömmliches Förderprogramm scheint geeignet

Die Finanzierung des Vorhabens erfolgt hauptsächlich aus privatem Kapital. Da das Gemüsedach in kein herkömmliches Förderprogramm passt, soll die städtische Förderung das Projekt ermöglichen, heißt es aus dem Umweltamt. Der Garten am Kontor war damals noch mithilfe von Crowdfunding auf die Beine gestellt worden, doch dafür ist das neue Projekt zu groß geraten, wie die Initiatorin sagt. Der Zuschuss von 30.000 Euro entspreche weniger als 10 Prozent der gesamten Investitionssumme, so das Umweltamt. Ein Grundstock an Geldgebern sei bereits gefunden, der am Ort beispielsweise mittels Bannerwerbung für sich werben will. Weitere Unterstützer seien sehr willkommen, sagt die Erfurter Dachgärtnerin und Buchautorin.