Wie Geschenkband, das gewunden in der Luft hängt – oder steht?, die Schwerkraft überwindend, so wirken viele seiner Skulpturen. Ihre Leichtigkeit verbirgt, dass hier nicht mit Stoff oder Papier gearbeitet wurde, sondern mit Edelstahl. Thomas Lindner konnte das, dem Stahl die Schwere nehmen, ihn scheinbar beliebig im Raum schweben lassen. „Thomas war ein Perfektionist, ohne dass das Ergebnis steril wirkt. Er brachte seine Ideen immer auf den Punkt“, schwärmt Karsten Kunert, Künstler wie Thomas Lindner und einer seiner engsten Freunde.

2011 widmete die Kunsthalle Thomas Lindner eine große Ausstellung.
2011 widmete die Kunsthalle Thomas Lindner eine große Ausstellung.© Archiv | Alexander Volkmann

Noch vor einer Woche am Donnerstag, sagt Kunert, habe er Thomas besucht, auf der Palliativstation des Katholischen Krankenhauses. Da war ihnen beiden klar, dass es wohl die letzte Begegnung sein würde. Am Sonntag, den 7. Dezember, starb Thomas Lindner. Er wurde 64 Jahre alt. Der Krebs kam überraschend und er war schnell. Thomas Lindner hat gekämpft, etwas über zwei Jahre.

Neben ihm ist immer ein Platz frei. Das Sandmännchen und die vielen anderen Kika-Figuren in der Stadt stammen aus dem Atelier von Thomas Lindner.
Neben ihm ist immer ein Platz frei. Das Sandmännchen und die vielen anderen Kika-Figuren in der Stadt stammen aus dem Atelier von Thomas Lindner.© Archiv | Karolin Querfurth

Lindner überzeugt mit Besonnenheit und Engagement im Künstlerverband

Für seine Kunst genießt Thomas Lindner große Anerkennung unter Kollegen, Sammlern und darüber hinaus. Geschätzt wird aber auch seine bedachtsame, bescheidene Art, seine Ruhe und der Pragmatismus. Über viele Jahre engagierte er sich im Verband Bildender Künstler in Thüringen. „Da gab es manche heftige Diskussion, dann kam der Lindner und hat etwas gesagt, das hat gewirkt“, erinnert sich Karsten Kunert.

Kunstankäufe des Freistaats Thüringen
Stufen ist eines der letzten Arbeiten des Künstlers. Vergangenes Jahr wurde es vom Land Thüringen erworben.© Martin Schutt/dpa | Martin Schutt

Die Erschütterung über die Erkrankung war groß. Zusammengelegt haben sie, um ihn zu unterstützen, den Umzug seines Ateliers zu organisieren, als die Krankheit schon kaum noch ein Arbeiten möglich machte.

Die Arbeit von Thomas Lindner wirkt weit über die Kunstszene hinaus. Er hat, das lässt sich ohne Übertreibung sagen, das Erfurter Stadtbild geprägt. Bekannt ist seine stählerne Giraffe, die im Kreisverkehr in der Stotternheimer Straße den Weg zum Zoopark weist. Aus seinem Atelier stammen vor allem aber die Kika-Figuren, die überall in Erfurt zu finden sind, der Stadt ein besonderes, sympathisches Gesicht verleihen. Touristen, die sich für ein Foto um Bernd das Brot scharen, neben Sandmännchen und Pittiplatsch posieren, Kinder, die auf Maus und Elefant herumklettern, einen Ritt auf der der Tigerente wagen.

Thomas Lindner: Abschiedsgottesdienst in Erfurt angekündigt

Geboren wurde Thomas Lindner 1961 in Dresden, dort ging er zur Schule, erlernte den Beruf des Werkzeugmachers. In den Jahren vor der Wende studierte er Metall-Emaillegestaltung auf der renommierten Burg Giebichenstein bei Halle, ließ sich kurz darauf in Erfurt nieder.

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Am kommenden Dienstag, dem 16. Dezember, um 14 Uhr nimmt seine Frau Sabine im Kreis von Freunden und Bekannten in der Brunnenkirche am Fischersand mit einem Requiem Abschied.