Stell dir vor, du rufst die 112 und niemand geht ran. Weil alle Telefonleitungen belegt, alle Disponenten bereits im Gespräch sind. Dieses Worst-Case-Szenario gilt es zu vermeiden. Weil aber in der Erfurter Leitstelle seit Jahren mehr Anrufe eingehen, weil die Räumlichkeiten beengt sind und die Technik veraltet, wird es Zeit für einen Neubau. Den Traum davon gibt es schon lange.

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Ursprünglich war anvisiert, dass der Probebetrieb in dem Komplex 2026 starten soll. Das ist nicht mehr realistisch, teilte die Stadtverwaltung schon im September 2023 mit. Wegen notwendiger Abstimmungen und damit verzögerter Bearbeitung der Planung werde mit der Fertigstellung frühestens für 2027 gerechnet. Doch auch dieser Termin ist längst geplatzt.

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Erfurter Leitstelle übernimmt Notrufe für 401.000 Menschen

Rückblick: Bereits 2020 entschied sich das Land Thüringen, Regionalleitstellen zu installieren. Das wurde 2024 noch einmal neu gedacht, letztlich soll es zukünftig nur noch sechs Leitstellen im Freistaat geben. Erfurt ist eine davon. Sie nimmt bereits seit einigen Jahren Notrufe aus dem Landkreis Sömmerda entgegen, seit März 2023 auch die Notrufe aus Weimar. Das macht in Summe 401.000 Menschen, die beim Wählen des Notrufes rund um die Landeshauptstadt Erfurt, im Landkreis Sömmerda und in Weimar in der Leitstelle Erfurt ankommen. Wer hier also die 112 wählt, landet an einem der fünf Disponentenplätze.

Neubau Leitstelle
Zwischen Dekra und bisheriger Rettungswache soll die neue Regionalleitstelle gebaut werden. Ziel der Fertigstellung ist Ende 2028. © Funke Medien Thüringen | Anja Derowski

„Es ist keine Seltenheit, dass alle fünf Kollegen zeitgleich im Gespräch sind. Wir haben bereits zwei zusätzliche Arbeitsplätze für den Notruf-Überlauf, die befinden sich im Raum des Katastrophenschutzstabes direkt neben der Leitstelle“, sagt Michael Schwabe. Er leitet die Abteilung Gefahrenvorbeugung im Amt für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Der Neubau der Leitstelle ist eines seiner Projekte, wohl das Größte. Maximal 40 Millionen Euro sollen die Kosten betragen, ein Teil davon wird bis zu 70 Prozent vom Land erstattet.

Neubau mit Fahrzeugstellplätzen und drei Stockwerken

Was ist geplant? Der Neubau mit Erdgeschoss und drei Stockwerken soll auf die Wiese zwischen der Rettungswache und der Dekra. Zusammengefasst kann gesagt werden, dass sich in dem Gebäude die neue Leitstelle, die Stabsräume für den Katastrophenschutz, die Wache der Freiwilligen Feuerwehr Marbach und ein kleiner Bereich Rettungswache für die Berufsfeuerwehr, die den Regelrettungsdienst mit unterstützt, befinden werden.

Im Erdgeschoss stehen drei Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Marbach, zudem gibt es einige Stellplätze für Feuerwehrfahrzeuge und eine Desinfektionshalle. Die Alarmumkleiden, Werkstatt- und Lagerräume sowie der Aufenthalts- und Schulungsbereich der freiwilligen Feuerwehr Marbach und Spindräume befinden sich ebenso im Erdgeschoss.

Bis zu 16 Notrufe zeitgleich sind dann möglich

Im ersten Obergeschoss sind Ruhe- und Sozialräume vorgesehen, im zweiten Obergeschoss wird sich die Leitstelle an sich befinden. „Das ist ein etwa 300 Quadratmeter großer Raum mit einer Höhe von fünf Metern. Das ist notwendig, um den Geräuschpegel so gering wie möglich zu halten“, erklärt Michael Schwabe. Er zeigt auf einen großen Plan in seinem Büro.

„Wir haben dann zehn Disponentenplätze und einen für den Lagedienstführer. Direkt neben dem Raum sind sechs weitere sogenannte Ausnahmeabfragearbeitsplätze, die bei größeren Lagen besetzt werden können. Sie sind kompakter und dienen dazu, dass Notrufe entgegengenommen werden können.“

Beim Aufbau dieser gesamten neuen Struktur kooperieren Erfurt und Nordhausen miteinander. Wenn eine Leitstelle ausfällt, übernimmt die andere. Das geht so weit, dass im Notfall auch Kollegen in die jeweils andere Stadt fahren und dort in der Leitstelle die Notrufe ihres Gebietes entgegennehmen.

Neubau Leitstelle
Erfurts Leitstelle ist in diesem Gebäude seit 1996. Sie ist längst zu klein.© Funke Medien Thüringen | Anja Derowski

Einheitliches Einsatzleitsystem startet Testphase ab 2028

Im Zuge dieser Neuordnung ist ein einheitliches Einsatzleitsystem geplant. Es enthält digitale Einsatzkarten, Infos zur Fahrzeugverteilung, Statusmeldungen, Alarmierungssysteme und die Anbindung an den Digitalfunk, um Einsätze schnell und strukturiert zu bewältigen. Anfang 2028 soll es so weit sein, dass es getestet werden kann.

Und wie sieht der Zeitplan für die Regionalleitstelle aus? „Die Baumfällarbeiten beginnen im Februar, im Sommer soll es mit dem Bau losgehen. Die Bauarbeiten werden bis Ende 2028 andauern, sodass wir anpeilen, Mitte 2029 in den Regelbetrieb zu gehen“, fasst Michael Schwabe zusammen.

Durch die Bauarbeiten soll es zu keinen größeren Behinderungen auf der St.-Christophorus-Straße kommen. Allerdings wird der gesamte Komplex 2027 an Fernwärme angeschlossen. Dabei werde es Einschränkungen geben, über die vorab informiert werde, so der Abteilungsleiter.