1964, im Alter von 13 Jahren, gewann Jürgen Valdeig aus Erfurt bei einem Zeichenwettbewerb der Tageszeitung „Das Volk“ den 1. Platz. Sein Thema: „Wie stelle ich mir den Anger 1975 vor“. Ich glaube, Valdeig’s Vision kam dem heutigen Anger sehr nah. Seitdem waren seine Grafiken, Aquarelle und Beiträge regelmäßig in den damaligen Thüringer Tageszeitungen zu finden. Längst ist er durch seine Kalender und historischen Ansichtskarten in ganz Thüringen bekannt.

Seit fast zehn Jahren überrascht er die Leserschaft der TA-Seniorenseite wöchentlich mit neuen, verblüffenden Ansichten aus Erfurt und Thüringen, wie es vor Jahrhunderten und Jahrzehnten ausgesehen haben könnte. Dabei war es gar nicht sein Traum, Heimatmaler und später sogar Verleger zu werden. „Trotz meiner Ausbildung zum Elektromechaniker hat mich die Leidenschaft zum Malen nicht mehr losgelassen. An der Musikschule erhielt ich zudem die klassische Ausbildung am Kontrabass, denn eigentlich war mein Ziel, Berufsmusiker zu werden. Mit Freunden gründete ich 1969 in der Erfurter Reglerkirche die erste Kirchenrockband der DDR.“
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Zwischen Kulturbund und Kirchenrockband
Parallel dazu nahm er bei den Kunstmalern Otto Knöpfer und Albert Habermann Unterricht, hielt zudem seit den 1970er Jahren stadtspezifische Vorträge im Kulturbund. So kamen Malerei und Geschichte zusammen. Mit Beginn seiner intensiven Forschungen entstanden 1968 erste Beiträge zur Historie des Erfurter Doms und des Petersbergs. 1983 erhielt Jürgen Valdeig vom Rat des Bezirkes Erfurt die Genehmigung zum Verkauf seiner historischen Ansichten, dadurch gelang ihm später der Sprung in die Selbstständigkeit. 2001 wurde die erste „Kunsthandlung Valdeig“ in der Kettenstraße 10, natürlich in der Nähe des geliebten Doms, eröffnet, geleitet von Tochter Kathrin.

Das schönste Geschenk zu seinem 75. Geburtstag am 27. März macht sich Jürgen Valdeig selbst, mit seinem Bildband „Erfurt – eine malerische Zeitreise“, der jetzt erschienen ist und am 12. März um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Peterknecht (Anger 51) vorgestellt wird. Mit mehr als 100 Bildern zeigt er, wie Erfurt und Thüringen in den vergangenen 1500 Jahren wohl ausgesehen hat.
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Bilder wecken persönliche Erinnerungen
Bei mir weckt dieses Buch besondere Erinnerungen an den Erfurter Anger. Ich war damals etwa 11 Jahre und habe so manche Stunde vor dem 1961 errichteten, raketen-ähnlichen Verkehrsturm verbracht, in dem ein Verkehrspolizist saß und über Lautsprecher zur Ordnung rief, wenn sich jemand nicht an die Regeln hielt. Wenn man das entsprechende Bild in dem Buch sieht, hat man sofort wieder den Benzingeruch, das Hupen der Autos und das schrille Klingeln der Straßenbahn im Ohr. Heute kann man sich den „Wust“ an Oberleitungen für O-Busse und Straßenbahnen gar nicht mehr vorstellen. Nach der Verkehrsberuhigung des Angers fand dieser „Turm“ im Depot der Straßenbahn in der Magdeburger Allee einen neuen Platz. Egal, wie oft ich daran vorbeikomme, halte ich einen Moment inne und schau ihn mir an. Denn für mich ist es nicht nur ein Buch der Vergangenheit, die Jürgen Valdeig wachhält. Es sind auch meine Erinnerungen an die Kindheit, die Jugend, mein Leben.

Sein bebilderter Rundgang zeigt, dass wir mit offenen Augen durch unsere Stadt gehen sollten. Wahrnehmen, wie sich die Welt verändert und etwas erhalten, was Menschen geschaffen haben. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Jürgen Valdeig!
Tickets für die Lesung am 12. März unter www.peterknecht.de, in der Buchhandlung und telefonisch unter 0361 244 060.




