Wie lässt man Kunstblut möglichst echt aussehen? Wo steht der Dirigent? Und wie verbeugt man sich richtig? Das alles und noch viel mehr weiß Josef Bieder, denn er ist Requisiteur im Theater. Doch plötzlich findet er sich durch ein Versehen mitten auf der Bühne eines voll besetzten Theaterraums wieder. Damit die Leute nicht weglaufen, fängt er an, von seiner Arbeit zu erzählen. Und es beginnt die „Sternstunde des Josef Bieder“.

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Das 80-minütige Einpersonenstück um den Requisiteur, der zur Form seines Lebens aufläuft, ist eine Herausforderung für jeden Darsteller, eine spannende Regieaufgabe und – was sonst – eine Liebeserklärung ans Theater. Für die sorgen am Freitag und Samstag der Schauspieler Matthias Kohl, genannt Bolle, Regisseur Karl-Heinz Krause und ein Team der Schotte.

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Ihre Geschichten sind eng verbunden mit Renate Lichnok

Zwei ältere Herren im Jugendtheater, hat das seine Richtigkeit? Es hat. Schließlich ist die Schotte schon seit Jahren die künstlerische Heimat der beiden. Karl-Heinz Krause, Erfurter Theater-Urgestein, ist Regisseur der ersten Stunde. Matthias Kohl ein Schotte-Spieler der ersten Generation. Irgendwie mit im Raum ist auch die Schotte-Gründerin Renate Lichnok, die vorige Woche verstorben ist.

Sie hat trotzdem gesagt: Den nehmen wir.“

Matthias Kohl, Schauspieler

„Sie hat mir schon damals den Mut gegeben, zu inszenieren. Sie war eine große Mutmacherin. ‚Du kannst das‘, war ihr Leitspruch. Sie hat auch diese letzte Inszenierung eingefädelt, sie hat sie sich gewünscht und mich dafür in den Hintern getreten“, sagt Karl-Heinz Krause und es ergießt sich ein Schwall liebevoller, wertschätzender Worte in den noch leeren Zuschauerraum.

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Kindern und Jugendlichen eine Welt geöffnet

Mit Renate Lichnok hat er hier begonnen vor mehr als 30 Jahren, sie haben Dutzende Inszenierungen gestemmt, sie haben den Kindern und Jugendlichen die Welt geöffnet. Solchen wie Matthias Kohl. „Ich habe als Kind heftig gestottert. Und sie hat trotzdem gesagt: Den nehmen wir“, erinnert er sich. Das war vor 47 Jahren. „Ohne Kalle und Renate stünde ich nicht hier.“

Seine Rolle als Josef Bieder hat es in sich, er ist ständig in Aktion, muss reden, nebenbei Requisiten bewegen, eine Souffleuse gibt es nicht. Kann sein, er muss zwischendurch improvisieren. Sein Wunsch: „Wenn die Leute rausgehen, sollen sie sagen: Das war ein schöner Abend.“

Letzte Schotte-Premiere für Karl-Heinz Krause
Bilder der jüngst verstorbenen Schotte-Gründerin Renate Lichnok sind im Foyer des Jugendtheaters zu sehen.© Birgit Kummer

Zur Premiere auch eine besondere Ausstellung

Für Karl-Heinz Krause ist die Schotte der Mittelpunkt eines besonderen  Universums. „Eine prägende Institution in Erfurt. Jeder denkt hier mit, jeder fasst zu.“ Er hat das Stück schon einmal vor vielen Jahren inszeniert. Jetzt also ist es sein Abschied von der Schotte, mit 81. Er nimmt kein Honorar, er freut sich auf den Abend.

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Am Freitag, 27. März, um 20 Uhr ist Premiere. Die Theatergänger werden sich nicht nur an der Komödie erfreuen können, sondern auch an einer Ausstellung im Foyer des Jugendtheaters. Sie versammelt Bilder von Renate Lichnok, die in den letzten Wochen ihres Lebens entstanden sind, als sie schon von schwerer Krankheit gezeichnet war. Landschaften und Gesichter, expressiv und bunt, eine Hommage an das Leben.

Karten für „Die Sternstunde des Josef Bieder“ gibt es unter www.dieschotte.de. Die Abschiedsfeier der Schotte für Renate Lichnok findet voraussichtlich am Sonntag, 19. April, statt.