Es kommt schon häufiger vor, dass Privatpersonen Bücher, Fotos oder Dokumente in der Gotthardtstraße 21 abgeben wollen, sagt Nadine Hofmann. Die Leiterin des Erfurter Stadtarchivs hat es oft mit Dachbodenfunden oder Kellerentdeckungen, Nachlässen oder Sammlungen zu tun, die den Besitzern viel zu schade scheinen für die Mülltonne oder die Deponie. Am Dienstag war eine solche private Übergabe, auch wenn der Hintergrund hier ein anderer ist: Jürgen Valdeig, bekannter Maler dieser Stadt, hatte sich angesagt.
Nicht der erste Besuch im Erfurter Stadtarchiv
Der 75-Jährige aber war nicht zum ersten Mal im Stadtarchiv zu Besuch: 2000 und 2025 bereits hat er Teile seines Werks an die städtische Einrichtung übergeben. Kunstdrucke, Kalender, Kühlschrankmagnete, Poster und Bücher, an deren Entstehen er mit seinen Aquarellbildern beteiligt war, gehören dazu. So reicht ihm diesmal eine große Plastiktüte. „Um meine Werke für die Nachwelt zu erhalten“, wie er sagt, als er das Mitgebrachte auf dem Archiv-Tisch ausbreitet. Es werde gewiss nicht sein letzter Besuch sein, kündigt er an.

Das hat dem Erfurt-Botschafter, Heimatgeschichts-Interessierten und Ladenbetreiber eine eigene Archiv-Nummer eingebracht: Unter der Kennziffer „6-2V1“ sind die Privatabgaben Valdeigs abgelegt. Um diese Besonderheit einfacher auffinden zu können, wie Kerstin Richter, verantwortlich für die Bild- und Fotosammlung des Stadtarchivs, erläutert. Sie alternativ nach ihren Motiven zu verteilen, nach B wie Barfüßerkirche beispielsweise, käme einem Verstreuen gleich und wäre da wenig zielführend, wie sie sagt.
Foto-Wissen von Brückenbau bis Gulli-Deckel
Kerstin Richter freut sich besonders, wenn Fotografien als ganze Sammlungen ins Archiv wandern sollen. Häufig sei darauf Privates abgebildet, doch auch dies finde seinen Platz im Stadtarchiv. Schließlich stelle es die Lebensweise im privaten Umfeld dar, was wiederum für manches Forschungsthema geeignet sei. Unter den Fotografen gebe es viele Spezialisten: Straßenbau, Brücken, Gaststätten – dies und mehr hätten sich Erfurter zum Hobby gemacht und Motive dazu gesammelt. Selbst Gulli-Deckel habe jemand für sich auserkoren. „Nur her damit“, wünscht sich Kerstin Richter, dass diese Spezialgebiete und das besondere Wissen darüber nicht verloren gehen.
Lesen Sie auch
Valdeig indes steckt mitten in der Vorbereitung für eine Ausstellung im Landtag mit seinen Arbeiten zum Grünen Herz. Im Mai bereits erscheint dazu passend der 36. Erfurt-Kunstkalender 2027: „Erfurt – Stadt im grünen Herzen Deutschlands“ lautet dessen Titel.






