45 Jahre ist das nun her. Victor Faustino kam 1981 in die DDR. Doch seine Erinnerungen an die Landung auf dem Schönefelder Flughafen sind noch greifbar nah. Er erzählt von den jungen Männern aus der damaligen Volksrepublik Mosambik, die wohl größte Gruppe von Vertragsarbeitern im Geflecht der bilateralen Verträge, die die DDR ab den 1970er-Jahren mit zahlrechen „Bruderstaaten“ abgeschlossen hatte.

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Die DDR brauchte Arbeitskräfte, die jungen Leute eine Perspektive: fernab der Armut zu Hause, wo es Bürgerkrieg, aber keine Arbeit oder gar Ausbildung gab. Die einen kamen als Vertragsarbeiter, andere als Auszubildende. „Wir mussten Portugiesisch sprechen, gut in der Schule sein“, nennt Victor Kriterien für den Auslandseinsatz über fünf Jahre.
Ein Teil des Lohns ging an die mosambikanische Regierung
Letztlich wurde Victor Thüringer. Mit warmen Worten erinnert er sich an die Aufnahme der jungen Männer in der ländlichen Region bei Wiehe und Roßleben. Wichtig ist ihm die Klarstellung der Gleichbehandlung mit den DDR-Arbeitern. Den Begriff Integration im heutigen Sinne gab es damals gar nicht, antwortet er auf Fragen jüngerer Dialogteilnehmer. Andere ergänzen: Die DDR war ein Land vor dieser Zeit, im vorigen Jahrhundert. Man kam als Gast hierher und passte sich an.
Immer wieder gab es Diskussionen ums Geld. Ein Teil des Lohns der Vertragsarbeiter wurde einbehalten, an die Regierung in Mosambik überwiesen. Das sogenannte Transfergeld sollte den Neustart bei der Rückkehr in die Heimat finanzieren. Doch ein Teil der Summe behielt das Land für sich. Angeblich, weil damit der Auslandsaufenthalt finanziert worden sei. Victor blieb in der Landwirtschaft, studierte später in Leipzig, wurde Ingenieur für tropische Agrarwirtschaft.
Unter den Vietnamesen waren hauptsächlich Frauen und Mädchen
Ein Dutzend Teilnehmer diverser Nationalitäten füllten an einem Sonntagnachmittag im Erfurter Café Nerly die Tischrunde auf. Der Redebedarf ist groß, die Erfahrungen unterschiedlich. Zur großen Gruppe vietnamesischer Vertragsarbeiter gehörten zumeist junge Frauen und Mädchen. In Erfurt arbeiteten sie bis zur Treuhandabwicklung im Bekleidungswerk. Xuan Thi Bui war 1987 gerade 18 Jahre jung. Heute ist sie in Erfurt Geschäftsfrau, in Vereinen aktiv, erhielt den Ehrenbrief der Stadt Erfurt.
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Sie und Thanh Huong Ngyuyen kennen sich von damals, erinnern sich an die strenge Hausordnung im Wohnheim. Huong wollte gar nicht ins Ausland. Aber im Vietnam der Nachkriegszeit herrschte Armut, gab es weder Ausbildung oder Sicherheit, dafür Korruption.
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In Gedichten die Zeit des DDR-Aufenthalts festgehalten
Als die DDR zusammenbrach, galt nichts mehr. Viele kehrten nach Vietnam zurück, wo es bis heute regelmäßig Treffen der ehemaligen Vertragsarbeiter gibt. Andere entschieden sich, in Erfurt zu bleiben, wie Xuan und Nguyen Duy Thuyên. Als Student betreute er einst die vietnamesischen Vertragsarbeiter, dolmetschte. Über seine Erinnerungen veröffentlichte er bisher elf Gedichtbände in traditionellen vietnamesischen Gedichtformen. Sie spiegeln die Seele eines Menschen wider, der fern der ursprünglichen Heimat lebt und zugleich in Deutschland eine zweite Heimat gefunden hat. Sie finden in der vietnamesischen Gemeinschaft große Anerkennung – wie auch bei den Dialogteilnehmern im „Nerly“, wo der Autor zweisprachig vorlas.
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Abschlussveranstaltung im Juni in der Magdeburger Allee
Franziska Pullmann moderierte den transkulturellen Dialog, kennt weitere Geschichten aus der Recherche für die begleitende Podcastserie im Projekt „Geschichte in Bewegung“ mit dem Themenschwerpunkt „Migration in der DDR“. In den 18 Monaten gab es mehrere Zeitzeugengespräche, Geschichtsvorträge, etwa über die bilateralen Verträge mit sogenannten Bruderstaaten, Workshops zu Podcasts.
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Besucht wird noch die Gedenkstätte Andreasstraße. Am Sonntag, 14. Juni, zur Abschlussveranstaltung von 15 bis 18 Uhr in den Räumen der Sozialen Dienste und Jugendhilfe gGmbH in der Magdeburger Allee 136 ist unter anderem eine Wanderausstellung zu sehen. In Erfurt ist das gemeinnützige Unternehmen hauptsächlich in der sozialen Beratung anerkannter Flüchtlinge am Berliner Platz sowie bei einem Patenschaftsprojekt aktiv.










