Zwischen einer neuen Mensa für das Albert-Schweitzer-Gymnasium, einem wiederbelebten Nordbahnhof und Schattenplätzen im Venedig liegen an diesem Tag nur wenige Stufen: Im Fachbereich Architektur in der Schlüterstraße gibt es auf jeder Etage etwas Neues zu entdecken. Hier wird die Martini-Kirche in ein Kolumbarium verwandelt, dort finden sich aufwendig gestaltete Modelle. Anschaulich wird präsentiert, wie eine Schwimmhalle für das Rieth aussehen könnte.

Werkschau mit fast 70 kreativen Themen

Unterwegs zwischen den fast 70 durchnummerierten Räumen und Einzelausstellungen: Studierende aller Semester, Professoren, Freunde, Eltern und Erfurter, die sich ein Bild davon machen, was an Architekturideen im letzten Semester entstanden und diskutiert, mit Zeichnungen illustriert oder in maßstabsgerechten Modellen umgesetzt wurde. Eine Werkschau, die viele Besucher zählt.

Werkschau Architektur
Aufgereiht: die Ideen zur Transformation der Kirche St. Martini.© Funke Medien Thüringen | Frank Karmeyer

Der Platz in der Vilniuser Straße ist vorgegeben – ansonsten hatten die Studierenden freie Hand, wie sie an dieser Stelle das immer wieder geforderte dritte Hallenbad für Erfurt gestalten wollen. Becken, Umkleiden, Innenhof finden sich unter teils aufwendigen Dachkonstruktionen wieder. „Wir konnten alles ausprobieren“, sagt Meara Esche, die gemeinsam mit Leonie Glanemann ihren Entwurf präsentiert, bei dem – anders als im späteren Berufsleben – ein Finanz-Limit noch keine Rolle spielt.

Welle formt das Dach der Schwimmhalle

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Interessiertes Publikum in der Werkschau, die unter anderem eine Schwimmhalle für den Erfurter Norden thematisiert. © Funke Medien Thüringen | Frank Karmeyer

Ein kompletter Jahrgang hat sich im 4. Semester mit dem Bau befasst. Einige Entwürfe haben sich an der Umgebung orientiert, andere setzen bewusst einen Kontrapunkt. Etwa indem sie die Form einer Welle aufgreifen für die Form des Hallenbaddachs. „Jedes Jahr schließen in Deutschland Schwimmbäder, die alte Kulturtechnik Schwimmen geht immer mehr verloren“, heißt es im Auftrag an die angehenden Architekten. Um diesem Trend entgegenzuwirken, solle das neue Schwimmbad die nördlichen Stadtteile wieder mit einem Angebot dazu versorgen und einen neuen Treffpunkt im Wohnquartier schaffen, so lautete die Aufgabe.

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Wichtige Hinweise auf den Stufen, die in der Schlüterstraße von Etage zu Etage führen: Verplotte dich nicht. © Funke Medien Thüringen | Frank Karmeyer

Neue Nutzung für ein altes Gotteshaus gefunden

Im Gang auf Etage 2 reiht sich ein weißes Kirchenmodell ans andere. Aufgereiht stehen hier die Arbeiten von Studierenden des Master-Seminars 2026, die ein Konzept überlegt haben, wie sich eine Kirchenschließung verhindern lässt. Der Kirchenraum soll als Kolumbarium, also Begräbnisstätte für Urnen, dienen, dabei einen Bereich als Taufkirche belassen. „Aufgabe des Seminars soll es sein, ein räumliches, architektonisch anspruchsvolles Konzept für die zweiteilige Nutzung zu erarbeiten“, heißt es zur „Transformation St. Martini“.

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Schattenspendende Pavillons in Zeichnung und Modell. © Funke Medien Thüringen | Frank Karmeyer

Schattendächer für den Nordpark finden sich am Samstag als filigrane Modelle in der Werkschau wieder. Ergebnisse des Praxisworkshops Lehmbau und Beispiele für „Figürliches Zeichnen“ ebenso wie Skizzen oder experimentelle Fotografie. Und besondere Arbeiten, die bereits am Vortag mit dem „Prix de Schlü“ als die besten prämiert wurden.