Eigentlich war es für Gerlinde Heß aus Gotha ein freudiger Tag. Gleich zum Start der Impfungen gegen das Coronavirus in Gotha konnte sie ihren über 80-jährigen, gehbehinderten Mann in die Kastanienallee 8 begleiten, wo er zu den Ersten gehörte, die eine Spritze gegen die neuartige Lungenkrankheit bekamen. "Sein Termin war 17.35 Uhr. 17.15 Uhr standen wir in der Kastanienallee vor der Tür - wie bereits einige andere Leute. Ein Sicherheitsbeauftragter hat in den Listen abgehakt. Das klappte ganz gut. Nach zehn Minuten rückten wir in den Flur vor", berichtet Gerlinde Heß.

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In dem schmalen Treppenhaus des Mehrfamilienhauses hätten zehn Menschen gestanden. "Abstand zu halten war unmöglich. Obwohl ein Schild darauf hinweist, dass man die AHA-Regeln befolgen soll." Überall schütze sie sich mit Maske und Abstand, zum Beispiel beim Einkaufen. Und dann fühle sie sich an einem Platz, der eigentlich ein Lichtblick in der Pandemie ist, nicht sicher wegen der hohen Ansteckungsgefahr.
Beschwerlicher Zugang für Senioren
Um in die Praxis zu kommen, müssen zudem mehrere Stufen erklommen werden. "Als wir dort waren, kam etwa die Hälfte der Senioren mit einer Gehhilfe. Für sie war das sehr beschwerlich." Außerdem befindet sich nur ein Handlauf auf der rechten Seite, wenn man das Haus betritt. "Wer aus der Praxis nach draußen wollte, konnte das Geländer nicht nutzen, weil da die Warteschlange stand. Ging es nicht ohne, rückten die Leute", erzählt Gerlinde Heß.
Die Lehrerin, die viele Jahre mit Schülern aus der Reyherschule mit dem Behindertenverband Gotha Projekte gemacht hat, bedauert, dass kein barrierefreies Gebäude für das Impfzentrum in Gotha ausgewählt worden ist. "Das dürfte doch heutzutage kein Problem mehr sein", findet sie.
In der Praxis sei dann alles sehr ruhig und geordnet gelaufen. "Ich übe auch keine Kritik am dort eingesetzten Personal. Das leistet einen tollen Job", betont Gerlinde Heß. "Ich kritisiere aber den Ort des Geschehens. Gotha hätte ein größeres Impfzentrum gut zu Gesicht gestanden. Eines, in dem man mit über 80 nicht in der Kälte warten muss, wo Abstände selbstverständlich eingehalten werden können und wo auch Menschen mit Handicap einen problemlosen Zugang haben." Was Letzteres angeht, stellt Veit Malolepsy, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, Besserung in Aussicht: Der Zugang soll einfacher werden.
Bei Impfstellen geht es laut KTV nicht ohne Provisorien
Die Kassenärztliche Vereinigung organisiert im Auftrag des Landes Thüringen die Impf-Aktion. "Die Impfstellen sind nur für ein paar Monate vorgesehen. Sie überbrücken die Zeit, bis in den Arztpraxen gespritzt werden kann. Dafür braucht es einen geeigneten Impfstoff in ausreichender Menge. Bis dahin müssen wir auch mit dem ein oder anderen Provisorium leben", so Veit Malolepsy.
Im Januar werden in der Gothaer Impfstelle pro Tag von 14 bis 20 Uhr 72 Menschen in einer Schicht gegen das Coronavirus immunisiert. „Es ist alles genau durchgetaktet. Deshalb wäre es gut, wenn diejenigen, die einen Termin haben, genau zur vereinbarten Zeit kommen. Nicht viel früher bitte, sonst müssten sie vor der Tür warten", macht Manuela Junghans, die Managerin des Impfzentrums, aufmerksam. "Und natürlich auch nicht zu spät, weil sonst der Ablauf durcheinander kommt." Ab Februar soll dann in zwei Schichten von 8 bis 14 und von 14 bis 20 Uhr geimpft werden.
Hinweis: Über das Informationsportal www.impfen-thueringen.de können Impftermine vereinbart werden.




