Krystyna Skovronska und ihr Mann Slava Goshovets sind offenbar die ersten ukrainischen Flüchtlinge, die im Landkreis Gotha eine eigene Firma gegründet haben. Viele ihrer Landsleute haben mittlerweile Arbeit gefunden, allerdings im Angestelltenverhältnis, weiß Dmytro Nahnybida. Er betreut eine WhatsApp-Gruppe, in der sich mehr als 440 Ukrainer aus Gotha und Umgebung austauschen.

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Slava hatte bereits in der Ukraine eine Autowerkstatt mit 20 Mitarbeitern. Damals beschäftigte er sich schon mit dem Thema Carbon und entschied sich, sich in Deutschland ganz auf diesen Werkstoff zu konzentrieren. Er las viel, beschäftigte sich mit dem Thema und experimentierte. Seit über einem Jahr entstehen in einer Werkhalle im Wanderslebener Gewerbegebiet in Handarbeit Teile aus Carbon. Meist sind es Einzelstücke, oft für hochwertige Autos.
Arbeitstage zwölf bis 14 Stunden lang
Inzwischen läuft das Geschäft so, dass das Paar nicht mehr auf Unterstützung angewiesen ist. Die Beiden sagen, dass sie versuchen, mit so wenig wie möglich Geld über die Runden zu kommen, um möglichst viel in die Firma stecken zu können. Sie planen, in die Serienproduktion einzusteigen und Mitarbeiter einzustellen. Unterstützung brauchen sie auch, um die eigene Arbeitsbelastung wieder auf ein normales Maß zu bringen. Im Moment sind die Arbeitstage zwölf bis 14 Stunden lang.
„Ich bin dankbar für die Hilfe durch das Jobcenter“, sagt Slava. Dort erstellte man mit ihm einen Geschäftsplan. Der Vermieter erließ dem Paar anfangs drei Monatsmieten und dann ging es mit 6000 Euro Startkapital los. Aber es gab auch Probleme. So hatte es beispielsweise zwei Monate gedauert, bis ein Geschäftskonto eröffnet werden konnte.
Zahlen zu Ausländern im Kreis Gotha
Anzahl: Im Landkreis werden aktuell durch die Ausländerbehörde 14.025 Ausländer betreut, davon 507 Asylbewerber. 1388 Fälle der Duldung sind laut Landratsamt in der aktuellen Bearbeitung.
Herkunft: Die meisten der aus über 100 verschiedenen Staaten kommenden Menschen im Landkreis Gotha stammen aus Polen (2868), Rumänien (2584), der Ukraine (2290) und Syrien (1027). Es folgen Afghanistan (670), Ungarn (299), Eritrea (275) und Litauen (270). Aus Vietnam kommen 222, aus Russland 208 Menschen.
Zeit zum Deutschlernen hatte Slava noch nicht. Mit den Kunden verständigt er sich auf Englisch. Seine Frau hingegen besuchte einen Sprachkurs. „Am besten Deutsch spricht unser Sohn, der jetzt in die erste Klasse geht“, sagt Krystyna. Ein Jahr lang war sie Servicemitarbeiterin in dem Hotel in Wandersleben, wo sie nach der Flucht untergebracht waren. Inzwischen lebt die Familie in Neudietendorf. Dass sie überhaupt in den Landkreis Gotha kamen, lag an einer Bekannten aus der Ukraine, die schon länger in Wandersleben wohnt.
Zurück in die alte Heimat will das Paar nicht. Von Slavas Autowerkstatt in Cherson ist nicht mehr viel übrig. Die russischen Besatzer hatten mitgenommen, was möglich war, so Slava. Viele ihrer Freunde sind an der Front oder in Deutschland.
Unsere Zeitung stellt in der Serie „Angekommen“ Flüchtlinge vor. Wir fragen, wo sie heute stehen, wie sie nach Deutschland kamen und warum sie ihre Heimat verließen. Alle Folgen der Serie gibt es hier:





