Nach Beginn des Krieges wollten die Demydovs in ihrer Heimatstadt Cherson im Süden der Ukraine bleiben. Ab Anfang März 2022 sei die Stadt vom russischen Militär besetzt gewesen, es hätten Verhaftungen und Verfolgung gedroht, berichtet Familienvater Yurii (44). Die Familie entschied sich zur Flucht. Zusammen mit seiner Frau Liudmyla (43) und Tochter Yaroslava (13) machte er sich auf den Weg.

Täglich
Der Newsletter für Gotha
Alle wichtigen Informationen aus Gotha, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Es ging mit dem Auto nach Georgien, wo die Familie kurz bei einem Freund wohnte. Dort sahen sie keine Perspektive. Anschließend floh die Familie über die Türkei Richtung Deutschland. Über die Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl fanden sie ab Juni 2022 Unterkunft in Tambach-Dietharz. Die Tochter besuchte die Schule, die Eltern absolvierten ihren Sprach- und Integrationskurs.
Abschlüsse teilweise in Deutschland anerkannt
Yurii hat zwei ukrainische Hochschulabschlüsse – als Jurist und in der Fachrichtung Unternehmensmanagement. Im Bereich Recht wurde sein Abschluss in Deutschland teilweise anerkannt. Er arbeitete in der Ukraine zuletzt als Anwalt und verschickte nach bestandenem Deutschkurs seine Bewerbungen.
In einem Tambach-Dietharzer Unternehmen hatte er Glück und bekam im August vorigen Jahres eine Festanstellung in der Abteilung Kontrolle und Recht. „Ich bin der Firma sehr dankbar. Für mich ist es nicht nur eine berufliche Erfahrung, sondern eine Chance zur Selbstverwirklichung und Integration in Deutschland“, so der 44-Jährige.
Zahlen zu Ausländern im Kreis Gotha
Anzahl: Im Landkreis werden aktuell durch die Ausländerbehörde 14.025 Ausländer betreut, davon 507 Asylbewerber. 1388 Fälle der Duldung sind laut Landratsamt in der aktuellen Bearbeitung.
Herkunft: Die meisten der aus über 100 verschiedenen Staaten kommenden Menschen im Landkreis Gotha stammen aus Polen (2868), Rumänien (2584), der Ukraine (2290) und Syrien (1027). Es folgen Afghanistan (670), Ungarn (299), Eritrea (275) und Litauen (270). Aus Vietnam kommen 222, aus Russland 208 Menschen.
Seine Frau Liudmyla hatte in der Ukraine ein kleines Café. Im Kreis Gotha ist sie noch auf der Suche. Sie probierte auf Basis von Mini-Jobs Tätigkeiten in Restaurants aus. Bisher sei nicht das Passende dabei gewesen, sagt sie. Es musste jedes Wochenende gearbeitet werden und es habe sehr wenig Geld gegeben.
Nachdem die Familie im September 2024 nach Gotha-Siebleben umzog, hat es Tochter Jaroslava einfacher. Sie besucht die siebte Klasse der Regelschule und ist jetzt nicht mehr die einzige Ukrainerin in der Klasse. Von Gotha aus erreicht sie ihren Theaterkurs in Erfurt besser. „Gotha hat einfach mehr Möglichkeiten“, sagt Vater Yurii.
Die Demydovs haben Familienzuwachs bekommen. Katze Lea ist das neue Haustier.
Weiterhin täglich Beschuss in Cherson
Die Familie möchte in Deutschland bleiben. Yuriis Eltern leben in der alten Heimat und berichten täglich von der Situation. So gebe es jeden Tag in der zweigeteilten Stadt Beschuss und Einsätze von Kampfdrohnen.
Die aktuelle politische Entwicklung um die Ukraine macht den Demydovs Sorgen. Sie hoffen auf die Rolle Deutschlands.
Unsere Zeitung stellt in der Serie „Angekommen“ Flüchtlinge vor. Wir fragen, wo sie heute stehen, wie sie nach Deutschland kamen und warum sie ihre Heimat verließen. Alle Folgen der Serie gibt es hier:








