Russisch, Ukrainisch und Deutsch wird mittwochs beim „Malkurs mit Lisa“ im Gothaer Mehrgenerationenhaus gesprochen. 15 Kinder im Alter von fünf bis 15 Jahren sitzen am Tisch und bringen bunte Farben aufs Papier. Elisaveta Samoilenko leitet den Kurs, der zugleich ihr Start in die Selbstständigkeit ist. „Besonders stolz bin ich darauf, dass ich meine Liebe zur Kunst mit anderen teilen kann“, sagt sie.

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Die 48-Jährige ist kurz nach Kriegsbeginn aus der Ukraine geflohen und hatte in der Nähe von Kyjiw 20 Jahre lang in einer Kunstschule als Lehrerin gearbeitet. Besonders gern zeichnet sie Fabelwesen und beschäftigt sich thematisch mit der ukrainischen Mythologie. Ihre Bilder hatte sie erfolgreich auf Ausstellungen verkauft, so zum Beispiel in Erfurt oder auf Ausstellungen von geflüchteten Künstlern in den USA.

„Lisa“ wagt Neustart in ihrem Fachgebiet

„Lisa“, wie sie von den Kindern genannt wird, entschied sich dafür, den Neustart nicht als Produktionshelfer, sondern in ihrem Fachgebiet zu wagen. Nach drei Monaten kann sie noch nicht davon leben. „Dank der Unterstützung des Jobcenters kann ich glücklicherweise in kleinen Schritten in die Selbstständigkeit starten“, sagt Samoilenko, die bereits mehrere Deutschkurse absolviert hat.

Damit sie mehr Gelegenheit zum Deutschsprechen hat, arbeitete sie sogar ehrenamtlich bei der Gothaer Tafel. „Ich hoffe aber, dass es mir gelingt und ich bald völlig unabhängig vom Bürgergeld sein kann.“

Flüchtlingsserie
In den Malkursen soll es, soweit möglich, ein gemeinsames Thema geben. Allerdings setzen die jüngeren Kinder das Thema auf ihrem eigenen Niveau um, während die älteren Kinder komplexere Konzepte erlernen. © Ralf Ehrlich

Neben ihren mittlerweile zwei Kursen im Mehrgenerationenhaus leitet sie seit anderthalb Jahren ehrenamtlich einmal pro Woche einen Zeichenkurs für die Projektteilnehmerinnen von „Gemeinsam stark – Migrantinnen starten durch“. Dieser bietet unter dem Dach des Krügervereins Neudietendorf den Frauen unter anderem die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse zu erweitern und kreative Fähigkeiten zu entwickeln.

Unsere Zeitung stellt in der Serie „Angekommen“ Flüchtlinge vor. Wir fragen, wo sie heute stehen, wie sie nach Deutschland kamen und warum sie ihre Heimat verließen. Alle Folgen der Serie gibt es hier:

Samoilenko vermittelt den Teilnehmerinnen aus Syrien, Somalia, dem Irak, der Ukraine und Eritrea Maltechniken und hilft ihnen, die eigene Kreativität zu entdecken. Auch half sie bei Sommerfesten des Krügervereins mit.

Elisaveta Samoilenko half bei Parkfesten des Neudietendorfer Krügervereins mit. Ihre Tochter Olha (9) trat dort mit ihrer Tanzgruppe auf.
Elisaveta Samoilenko half bei Parkfesten des Neudietendorfer Krügervereins mit. Ihre Tochter Olha (9) trat dort mit ihrer Tanzgruppe auf.© Archiv | Ralf Ehrlich

„Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeiten, die ich in Deutschland erhalten habe“, sagt Samoilenko, die mit ihrer neunjährigen Tochter und ihrem Mann in Gotha lebt. In Deutschland möchte sie bleiben, „um mein Kind in Sicherheit zu haben“.

Zahlen zu Ausländern im Kreis Gotha

Anzahl: Im Landkreis werden aktuell durch die Ausländerbehörde 14.025 Ausländer betreut, davon 507 Asylbewerber. 1388 Fälle der Duldung sind laut Landratsamt in der aktuellen Bearbeitung.

Herkunft: Die meisten der aus über 100 verschiedenen Staaten kommenden Menschen im Landkreis Gotha stammen aus Polen (2868), Rumänien (2584), der Ukraine (2290) und Syrien (1027). Es folgen Afghanistan (670), Ungarn (299), Eritrea (275) und Litauen (270). Aus Vietnam kommen 222, aus Russland 208 Menschen.

„Ich betrachte meinen Weg als einen interessanten Prozess. Es gibt noch viele Ideen und Pläne, die ich verwirklichen möchte. Aber ich bin glücklich über das, was ich bereits erreicht habe, und freue mich auf alles, was noch kommt“, sagt Samoilenko.

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Sie möchte darauf hinweisen, dass sie wahrscheinlich großes Glück mit all den Menschen hatte, die sie auf ihren Weg in Deutschland traf. „Dies gilt für Sozialarbeiter, den Krügerverein, die Beraterin im Jobcenter, die deutschen Nachbarn und viele andere Menschen unterschiedlicher Herkunft.“ Sie höre oft, dass Migranten schlecht behandelt werden. „Aber das ist definitiv nicht meine Geschichte. Vielleicht bin ich deshalb das Risiko eingegangen, mich selbstständig zu machen und in Thüringen zu bleiben.“