„Auf Arbeit bin ich glücklich. Das ist wie eine große Familie, als ob ich schon 30 Jahre hier arbeiten würde“, sagt Julieta Yovenko. Die 43-Jährige flüchtete im Jahr 2022 aus der Ukraine und arbeitet seit Anfang dieses Jahres als Bankkauffrau bei der Sparkasse in Bad Langensalza.

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Fast 100 Bewerbungen hatte die Frau im Vorjahr geschrieben. Sie wollte unbedingt wieder bei einer Bank arbeiten und war vor ihrer Flucht in der Ukraine 20 Jahre bei einem Kreditinstitut beschäftigt. Jetzt ist sie als Kundenberaterin tätig. „Arbeit war schon immer wichtig für mich.“

Die Anfangszeit war schwer

Nachdem Julieta Yovenko nach Deutschland kam, absolvierte sie mehrere Sprachkurse. Unterstützung gab es auch vom Krügerverein Neudietendorf durch das Projekt „Gemeinsam stark – Migrant*innen starten durch“, gefördert von Bund und Europäischer Union. Sie ist Deutschland sehr dankbar für den herzlichen Empfang und die Unterstützung.

Die Anfangszeit in Deutschland war schwer, erinnert sie sich. „Ich wusste nicht, wohin und was kommen wird.“ Sie kam mit dem Bus über Polen und ohne ihren Mann, mit ihrer Tochter Margaretha (8) sowie ihrem heute 18-jährigen Sohn zufällig in den Landkreis Gotha. Sie kannte eine Familie, die in Wechmar lebt und aus der Ukraine stammt. Später folgte der Umzug nach Gotha, weil die Stadt für die Kinder mehr Möglichkeiten bietet.

Zahlen zu Ausländern im Kreis Gotha

Anzahl: Im Landkreis werden aktuell durch die Ausländerbehörde 14.025 Ausländer betreut, davon 507 Asylbewerber. 1388 Fälle der Duldung sind laut Landratsamt in der aktuellen Bearbeitung.

Herkunft: Die meisten der aus über 100 verschiedenen Staaten kommenden Menschen im Landkreis Gotha stammen aus Polen (2868), Rumänien (2584), der Ukraine (2290) und Syrien (1027). Es folgen Afghanistan (670), Ungarn (299), Eritrea (275) und Litauen (270). Aus Vietnam kommen 222, aus Russland 208 Menschen.

Aus der Zeit in Mühlberg blieb die Freundschaft zu einer deutschen Familie, die sehr viel geholfen hatte. Ihre beste Freundin hat es nach Frankreich verschlagen, andere Bekannte leben jetzt in Holland. Zu ihrem Mann bleibt lediglich der Kontakt per Videotelefonie und die Hoffnung, dass auch er irgendwann nach Deutschland kommen darf.

Unsere Zeitung stellt in der Serie „Angekommen“ Flüchtlinge vor. Wir fragen, wo sie heute stehen, wie sie nach Deutschland kamen und warum sie ihre Heimat verließen. Alle Folgen der Serie gibt es hier:

Die Familie Yovenko hatte den Krieg hautnah miterlebt. Ihre Heimatstadt war von russischen Soldaten besetzt. Die Mutter verbrachte im Februar 2022 zwei Wochen lang mit den Kindern im Keller. Julieta Yovenko möchte auch nach dem Ende des Krieges in Deutschland bleiben. Für sie ist es bereits die zweite große Veränderung. Als Jugendliche verließen ihre Eltern mit ihr bereits ihre ursprünglichen Heimat Armenien, weil das Leben nach einem schweren Erdbeben dort schwierig und die Infrastruktur zerstört war.

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„Eine glückliche Mama bedeutet auch eine glückliche Familie“, sagt Julieta Jovenko und versucht, sich einmal in der Woche eine Auszeit für einen Saunabesuch zu nehmen. Wenn sie traurig ist, fährt sie nach Luisenthal und wandert an der Talsperre. Und eine private Deutschlehrerin hat sie auch schon zu Hause: Ihre Tochter Margaretha besucht die dritte Klasse und spricht mittlerweile Deutsch ohne Akzent.