756 ukrainische Staatsbürger sind beim Jobcenter für den Kreis Gotha registriert. 350 von ihnen sind noch beziehungsweise wieder arbeitslos, teilt die Agentur für Arbeit mit und beruft sich auf Zahlen des Jobcenters. Ungefähr die Hälfte der Arbeitssuchenden besucht derzeit einen Integrations- oder Sprachkurs.

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Aus der Statistik für die Region Gotha von Arbeitsagentur und Jobcenter geht auch hervor, dass mit Stand September 2024 insgesamt 299 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Hinzu kommen 37 Ukrainer, die einen Minijob ausüben.

Alleinerziehende ganz auf sich gestellt

Unter den Ukrainern im Landkreis gibt es 137 Alleinerziehende mit Kindern. Zumeist handelt es sich um Frauen, die aufgrund der Fluchtsituation im Gegensatz zu Deutschen nicht auf die Unterstützung von Eltern oder anderen Familienangehörigen zurückgreifen können. Das bedeutet, Arbeit und Kinder müssen sie allein unter einen Hut bekommen und stehen dem Arbeitsmarkt nur eingeschränkt zur Verfügung.

Laut Agentur für Arbeit stehen neben individuellen Hemmnissen vor allem Sprachbarrieren immer noch einer Arbeitsaufnahme im Wege. „Trotz sehr vieler positiver Beispiele und einem insgesamt betrachtet höheren Deutschsprachniveau als vor drei Jahren, hat ein Großteil der Geflüchteten trotz entsprechender Sprachkurse noch keine ausreichenden Deutschkenntnisse, um eine Ausbildung oder eine qualifizierte Beschäftigung aufzunehmen“, so Agentursprecherin Anke Klein.

Flüchtlingsserie
Kinder aus unterschiedlichen Nationen kommen zum Malkurs von Elisaveta Samoilenko ins Gothaer Mehrgenerationenhaus. Die Ukrainerin hat sich selbstständig gemacht.© Ralf Ehrlich

Dabei stelle oftmals auch die fehlende soziale Integration ein Hemmnis beim Spracherwerb dar. Insgesamt sei die Beschäftigungsquote gestiegen. Die Integrationswahrscheinlichkeit seit höher als beim Durchschnitt aller Leistungsberechtigten.

Die Unterstützungsinitiativen des Jobcenters seien vielfältig. Angefangen von individuellen Unterstützungsleistungen wie die Förderung der beruflichen Weiterbildung, Leistungen aus dem Vermittlungsbudget, Einstiegsgeld und Eingliederungszuschüsse stünden nur beispielhaft für die Unterstützung der ukrainischen Flüchtlinge.

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Yuliia Aheieva arbeitet als Pflegekraft, ihr Partner Serhii Saienko als Kfz-Mechaniker, das Paar lebt mit ihren Kindern Roman und Anna in Gotha.© Ralf Ehrlich

Darüber hinaus sei eine hohe Beratungsintensität zur Verringerung bzw. Beseitigung von Vermittlungshemmnissen und die Beratung der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration. Geflüchtete Menschen würden auch nach Auslaufen des bundesweiten Job-Turbos eine deutlich höhere Beratungsintensität im Jobcenter genießen.

Zusätzliche externe Beratungen und Landesprogramme würden das Angebot abrunden. Beispielhaft sei die „German Professional School“ zur Vorbereitung Geflüchteter auf eine Berufsausbildung oder eine beitragspflichtige Beschäftigung.

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In Gotha-West lebt Familie Novosolov: Natalia, Serhii, Sarra und Tatijna. Der Familienvater arbeitet als Elektriker bei einer Gothaer Firma.© Ralf Ehrlich

Die größten Vermittlungshemmnisse aus Sicht der Arbeitsagentur bei den Ukrainern seien Sprachbarrieren und langwierige Anerkennungsverfahren bei hoch spezialisierten und lizenzierten Berufen (z.B. Ärzte). Schwierig seien individuelle Einschränkungen bei Lage und Verteilung der Arbeitszeit (z.B. wegen Kinderbetreuung) und bei der räumlichen Mobilität (Schichtarbeit/Erreichbarkeit des Arbeitsortes).
Nachteilig sei die immer noch häufig ungeklärte Bleibeperspektive und die daraus folgende Motivation.

Aus Sicht arbeitssuchender Ukrainer (Namen der Redaktion bekannt) stellt sich die Situation so dar: Sie sind unzufrieden mit Personalvermittlern der Leiharbeitsfirmen. Wer Fragen oder Ansprüche stelle, werde nicht weiterbeschäftigt, heißt es. Oft führe der Weg zu Firmen nur über Leiharbeit.

Arbeitssuchende Ukrainer unzufrieden

Mit dem Jobcenter zeigen sich Befragte unzufrieden, weil bei Terminen oft nur über offene Stellen gesprochen werde, die sich die Arbeitssuchenden aber selbst über das Internet suchen könnten. Anfangs seien noch Weiterbildungen finanziert worden, jetzt kaum noch.

Frustrierend sei, dass die Bewerber Dutzende Bewerbungen schreiben und nicht einmal eine Absage bekommen. Einige Arbeitgeber hätten überzogene Erwartungen, so sei für eine Reinigungstätigkeit Erfahrung und ein sehr gutes Sprachniveau nötig.

Einige Bewerber haben den Eindruck, dass sie mit 40 oder 45 Jahren zu alt für den Arbeitsmarkt sind. Bei manchen Stellen haben Ukrainer den Eindruck, sie seien nur der Form halber ausgeschrieben und sollen gar nicht besetzt werden.

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Die Bürokratie in Deutschland wird oft bemängelt. So benötige eine Fachkraft mit Berufserfahrung erst einen Meisterbrief, um sich selbstständig zu machen. Hoch spezialisierte Fachkräfte, wie Ärzte oder Lehrer, brauchen sehr viel Geduld, um ihre Abschlüsse anerkennen zu lassen.