Der Gebrauch von Handys ist am Gothaer Arnoldi-Gymnasium seit einem Jahr untersagt. Am Dienstag und Mittwoch laufen jedoch auffällig viele Schülerinnen und Schüler durch das Schulhaus und filmen und fotografieren mit ihren Smartphones. Der Digitalbildungsanbieter BG3000 brachte das Modellprojekt „Smart Camp“ an die Schule, um Schüler der achten Klassen über Risiken in der digitalen Spielewelt – vom verantwortungsvollen Umgang mit Gaming bis zur klaren Abgrenzung zu Glücksspielangeboten – aufzuklären.

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Am ersten Tag wurde das „Fundament gegossen“, formuliert Stefan Kraus vom Bildungsanbieter BG3000. Die Schülerinnen und Schüler lernten, wie man gefälschte Nachrichten und computergenerierte Bilder und Filme (Fake News und Deep Fake) erkennen kann. Es wurde Wissenswertes über Datenschutz, Medienrecht und über die Möglichkeiten von Computerspielen vermittelt.

Thüringen-Lotto setzt auf Aufklärung

Ausgerechnet ein Glücksspielunternehmen – die Thüringer Staatslotterie – finanziert die Workshops an drei Schulen in Erfurt, Gotha und Eisenach. „Medienkompetenz zu vermitteln, das ist unser Staatsauftrag“, erklärt Jochen Staschewski, Thüringen-Lotto Geschäftsführer. „Wir setzen auf Aufklärung statt Verteufelung: Gaming begeistert – und genau diese Faszination nutzen wir, um kritisches Denken, Selbstbestimmung und ein gesundes Online-Offline-Gleichgewicht zu fördern.“

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Lilli Ruchotzki (von links), Malea Frühauf und Carlota Maestro Rößler drehen auf dem Schulflur einen kurzen Trickfilm. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Die Jugendlichen sollen vom illegalen zum legalen Spiel geführt werden. Wer Lotto spielt, der finanziert indirekt auch solche Präventionsprojekte mit. Allein für 2026 investiert Thüringen-Lotto laut Staschewski über 100.000 Euro in Maßnahmen wie das Smart Camp.

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Am Mittwoch folgt die Praxis. In den Kreativ-Workshops „Instagram entdecken“, „Kids in Motion“ und „Next Level Gaming“ entstehen eigene Medienprodukte, die zeigen, wie digitale Inhalte kreativ eingesetzt werden können.

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Emma Finster (links), Sophie Reeg und Paula Marie Glade drehen einen Stop-Motion-Film zum Thema Raub. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Lilli Ruchotzki, Malea Frühauf und Carlota Maestro Rößler sitzen ungestört auf einem Gang im Schulhaus und inszenieren mit Playmobilfiguren und selbst gebastelten Requisiten einen Trickfilm. Ihre Mitschüler machen ähnliche Versuche – in bester Stop-Motion-Technik entstehen verschiedene Kurzfilme. Die Themen sind völlig verschieden; meist werden negative Erfahrungen, wie Mobbing, Sucht oder Diebstahl verarbeitet.

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Kluke Schreiber (rechts) erstellt anhand einer Story-Line eine Computeranimation. © Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Für Schulleiterin Kati Lang sind die Workshops eine sehr gute Ergänzung zum vor zwei Jahren in Thüringen eingeführten Schulfach Medienbildung und Informatik. „Unsere Schülerinnen und Schüler sind täglich online. Das Smart Camp liefert konkrete Strategien gegen Stress, Suchtgefahren und unseriöse Anbieter – und zeigt zugleich, wie digitale Medien sinnvoll, kreativ und sicher genutzt werden können. Das ist Medienbildung, die unmittelbar wirkt.“

Allerdings fragt sich Kati Lang auch, was danach kommt. „Wie nachhaltig ist das Projekt, wann kommt der nächste Step?“ Die Schulleiterin verweist darauf, dass eine Stunde Medienbildung und Informatik pro Woche zu wenig sind.

Michael Tzschirner, der einzige Informatiklehrer an der Arnoldischule, schaut in seiner Pause kurz bei seinen Schülern im Camp vorbei. „Leider muss ich heute selbst unterrichten, aber die Ergebnisse des Workshops werden wir sicher noch im Unterricht vorstellen.“