Der Gothaer Ehrenbürger Edgar Jannott ist am 4. Dezember im Alter von 91 Jahren in Karst verstorben. „Kein Mensch ist je in seinem Leben so oft von Düsseldorf nach Gotha gefahren wie Edgar Jannott“, heißt es in einem Nachruf, den die Stadtverwaltung Gotha am Donnerstag verbreitete.

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Geboren am 17. November 1934 in Gotha als Sohn des Versicherungsdirektors Kurt Jannott, war die Schlosskirche im Friedenstein der erste Ort, zu dem er engste Bezüge aufbaute, ist im städtischen Nachruf zu lesen. Den Besuch des Gymnasiums Ernestinum durfte Jannott nicht abschließen, weil sein Vater in der DDR Berufsverbot erhalten hatte. Die Familie ging nach Göttingen. Hier begann Jannotts berufliche Ausbildung, die ihn in die Vorstandsetage der Victoria-Versicherung führte, deren Vorstandsvorsitz er 1984 übernahm.

Edgar regiert ganz oben

Maßgeblich war er an der Fusion seines Unternehmens mit der Hamburg Mannheimer zur Ergo-Versicherung beteiligt. Gern nannten die Düsseldorfer den Versicherungsturm, mit den Buchstaben auf dem Dach „Edgar regiert ganz oben“. Bis 1999 blieb er Vorstandsvorsitzender der Ergo.

Edgar Jannott sei „Gotha-verliebt“ gewesen und habe das sein Gegenüber stets spüren lassen, selbst in den Chefetagen Deutschlands habe er von seiner Vaterstadt geschwärmt. Nach dem Mauerfall sei er schnell nach Gotha zurückgekehrt. Er wollte persönlich und mit seinen Unternehmen einen Beitrag leisten für die deutsche Einheit.

Nach 1990 lässt er das Victoria-Viertel bauen

Forsch ging er ans Werk, erwarb Abrissgrundstücke in der östlichen Altstadt und begann auf den Flächen Arnoldiplatz, Mönchelsstraße, Schwabhäuser Straße mit einer neuen Bebauung, die der Volksmund sofort „Victoria-Viertel“ nannte. Er holte die Niederlassungen von Banken und Versicherungen nach Gotha und startete mit der Victoria eine Ausbildungsoffensive, damit Menschen vor Ort einen neuen Arbeitsplatz fanden und nicht abwanderten.

Edgar Jannott fühlte sich dem Handglockenchor auf besondere Weise zugewandt, weil er es unglaublich fand, dass diese Musik in seiner Vaterstadt für den ganzen Osten Deutschlands geboren worden ist.

1995 für eine Mitarbeit in der Kulturstiftung Gotha geworben, übernahm er bis zu seinem Tod den Vorsitz des Beirates der Stiftung, wurde selbst zu ihrem größten Stifter und Mäzen, indem er mehrfach das Grundstockkapital aufstockte oder half, größere Projekte zu verwirklichen, wie zuletzt den Rückerwerb der zersägten „Salome“ von Lucas Cranach.

Im Jahr 2006 wurde Jannott das Ehrenbürgerrecht der Stadt Gotha verliehen, anlässlich seines 90. Geburtstages vor einem Jahr hat Gotha den Brunnen am Arnoldiplatz als „Jannott-Stele“ benannt.

Zum Abschiednehmen liegt ein Kondolenzbuch vom Donnerstag, 11. Dezember, bis zum Montag, 22. Dezember, im Historischen Rathaus Gotha aus.

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Eine Gedenkveranstaltung findet am Samstag, 20. Dezember, 17 Uhr, in der Schlosskirche des Schlosses Friedenstein statt. Jeder, der Abschied nehmen möchte, sei willkommen. Wer ihm gedenken wolle, könne dies durch eine „Jannott-Spende“ tun an die Kulturstiftung Gotha.