Das war ein Start nach Maß: Kaum ein Stuhl blieb im Gothaer Kulturhaus frei, als die beiden Waltershäuser Abenteurer Sandra Butscheike und Steffen Mender ihren neuesten Vortrag „Südamerika – Mit dem Fahrrad von Bolivien nach Feuerland“ erstmals vor heimischem Publikum am vergangenen Sonntag zeigten.

Solche Bilder machen auch das Vortragspublikum in Gotha betroffen: Alvaro Geronimo Bautista zählt zur Gruppe der Friedhofskinder von Sucre. Die Gräber auf dem bolivianischen Friedhof sind in kleinen Nischen über mehrere Etagen angeordnet. Die Kinder helfen den Friedhofsbesuchern bei der Pflege der Gräber.
Solche Bilder machen auch das Vortragspublikum in Gotha betroffen: Alvaro Geronimo Bautista zählt zur Gruppe der Friedhofskinder von Sucre. Die Gräber auf dem bolivianischen Friedhof sind in kleinen Nischen über mehrere Etagen angeordnet. Die Kinder helfen den Friedhofsbesuchern bei der Pflege der Gräber. © Outdoorvisionen | Sandra Butscheike und Steffen Mender
Gotha
Selbst in der Vortragspause gibt es für Sandra Butscheike und Steffen Mender keine Pause. Die beiden Waltershäuser diskutieren mit ihrem Publikum und bieten DVDs ihrer Vorträge fürs Heimkino an.© Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Die beiden Reisefotografen und Filmemacher hatten ihren Reisevortrag zuvor schon in Einbeck, Schmalkalden, Sonneberg und Weimar gezeigt und treten in Gotha bei ihrer Live-Reportage als gut eingespieltes Team auf. Ihre inzwischen siebente Reportage besticht durch einen hohen Anteil an Filmsequenzen. Sandra und Steffen lassen ihr Publikum bei Szenen mitleiden, in denen sie bei Gegenwind und Hitze steile Rampen in Bolivien absolvieren, man friert mit in den kalten Zeltnächten und feiert mit ihnen das vollkommen verrückte Fest „Virgen de Guadalupe“ in Sucre.

Ein Puma auf dem Zeltplatz

Die Zuschauer halten den Atem an, als Sandra mit ihrer Kamera am Morgen vor dem Zelt langsam auf einen vorbeilaufenden Puma schwenkt, und verziehen das Gesicht, als Steffen mit dicker Backe auf einem Zahnarztstuhl landet.

Im „Haus der Freunde“ finden arbeitende Kinder und Jugendliche in Sucre Hilfe und Unterstützung. Wer für das Projekt spenden möchte, wende sich bitte an den Lorenzer Laden in Nürnberg: www.lorenzerladen.de
Im „Haus der Freunde“ finden arbeitende Kinder und Jugendliche in Sucre Hilfe und Unterstützung. Wer für das Projekt spenden möchte, wende sich bitte an den Lorenzer Laden in Nürnberg: www.lorenzerladen.de© Outdoorvisionen | Sandra Butscheike und Steffen Mender
Steffen Mender (von links) und Sandra Butscheike im „Haus der Freunde“ im Gespräch mit Projektleiter Francisco und der deutschen Helferin Judith.
Steffen Mender (von links) und Sandra Butscheike im „Haus der Freunde“ im Gespräch mit Projektleiter Francisco und der deutschen Helferin Judith.© Outdoorvisionen | Sandra Butscheike und Steffen Mender

Eine Überraschung ist der Besuch des Friedhofs im kolumbianischen Sucre. Kinder arbeiten hier vor und nach ihrer Schule. In Bolivien wird vormittags und nachmittags unterrichtet. Sandra und Steffen sehen die Kinderarbeit mit gemischten Gefühlen: „Diese Kinder unterstützen mit ihrem Einkommen ihre Familien.“

Sozialarbeit auf dem Friedhof

Für einen Ausweg aus diesem Dilemma sorgt das Friedhofskinderprojekt C.I.M.E.T. In einem Zentrum für arbeitende Kinder und Jugendliche werden diese ganzheitlich betreut. Das ist quasi Sozialarbeit auf dem Friedhof. Rund 70 Kinder und Jugendliche erhalten durch Sozialarbeiter eine schulische Betreuung, ein gesundes Mittagessen sowie Hilfe bei familiären Problemen.

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Sandra und Steffen treffen bei ihrem Flug von Madrid nach Bolivien zufällig auf Judith Schleifer, eine Ehrenamtliche des „Lorenzer Ladens“ aus Nürnberg, die das Projekt unterstützt. Kurzerhand werden die beiden Waltershäuser eingeladen, sich selbst ein Bild von der Kinderarbeit zu machen.

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„Den Kindern auf dem Friedhof geht es vergleichbar gut, es gibt auch in Minen schuftende Kinder“, sagt Sandra Butscheike. „Das Hilfsprojekt ermöglicht den Kindern auch gemeinsame Ausflüge, Sport, Musik und Theaterbesuche.“ Die Waltershäuser sind begeistert und sagen spontan ihre Hilfe zu.

Vortragssaison endet in Bad Tabarz

Ihre Reportage kommt beim Publikum an. Allein in Gotha bringt ihr Aufruf zur Unterstützung des Projekts über 500 Euro in die Spendenbox. „Wir sind überwältigt, damit haben wir nicht gerechnet“, zeigen sich Sandra und Steffen verblüfft. Insgesamt konnten sie bislang schon knapp 1200 Euro sammeln. „Du kannst mit nicht allzu viel Geld in Bolivien richtig viel erreichen“, macht Sandra klar.

©Butscheike & Mender
Auf ihrer Reise durch Südamerika führte die Route von Sandra und Steffen auch drei Tage über einen riesigen Salzsee. © Outdoorvisionen | Sandra Butscheike & Steffen Mender

Jetzt geht es erst einmal weiter auf Vortragstournee durch ganz Deutschland – bis Anfang Mai, nur unterbrochen von einer kurzen Karnevalspause. „Am 8. Mai verabschieden wir uns vorerst von unserem Publikum mit unserem Vortrag ‚Nordwärts – vom Standesamt zum Nordkap‘ im Kukuna-Zentrum in Bad Tabarz“, erklärt Sandra. Anschließend werden die Spenden an den Lorenzer Laden überreicht.