Zwischen dem Boxberg und Schönau vor dem Walde liegt ein kleiner Berg, den normalerweise kein Wanderer erklimmen kann. Für die 41 Erstklässler der Christian-Ludwig-Brehm-Grundschule aus Schönau wurde jüngst eine Ausnahme gemacht – die Kinder erstiegen den Deponieberg in Wipperoda und lernten jede Menge über Abfallvermeidung, Abfallsortierung und das Wiederverwenden von Rohstoffen.

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Eins war schnell klar: Früher wurde offensichtlich viel Müll einfach vergraben – die Mädchen und Jungen standen auf dem Abfall ihrer Großeltern. Inzwischen ist der Abfallberg abgedeckt und begrünt. Das Häuschen auf dem Deponieberg ist keine Wanderhütte, sondern ein Gasbrunnen. „Hierüber können die Deponiegase entweichen“, klärt Jana Lorenz auf. „Seit rund 30 Jahren hat sich der Deponieberg zum Lebensraum einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt entwickelt.“ Mit dem Ohr an der Wand hören die Kinder das Gas in dem runden Häuschen rauschen.

Auf der Suche nach Alltagshelden

Jana Lorenz ist technische Mitarbeiterin beim kommunalen Abfallservice des Landkreises und widmet sich gern der Umweltbildung von Kindern. Heute möchte sie darüber aufklären, was aktuell mit dem Abfall aus den Familien der Kinder geschieht, denn auf der Deponie werden nur noch schwer recycelbare Baustoffe vergraben. Schon beim Abholen der Schüler am Zaunstor hat sie eine Mülltüte mitgebracht und sammelt auf dem Weg zum Wertstoffhof vom Wind verwehten Müll auf.

Warum aber wandern Erstklässler mit solch Begeisterung auf eine Deponie? „Hier arbeiten unsere Alltagshelden“, verrät Lehrerin Anja Alsdorf. „Wir widmen uns eine Woche lang dem Thema ‚Alltagshelden‘.“ Die Vorschläge kamen teils von den Kindern, die auch die Berufe ihrer Eltern vorschlagen konnten.

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Wie in der Schule: Jana Lorenz stellt eine Frage und schon gehen die ersten Hände der Kinder nach oben. Sie wissen schon jede Menge über Müll und dessen Vermeidung.© Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Kleine, wertvolle Schatzkisten

Auf dem Wertstoffhof erfahren die Mädchen und Jungen, welche Schätze in den vielen Tonnen und Containern stecken. Aus einem Baum können rund 10.000 Blatt Papier hergestellt werden. „Papier kann fünf bis siebenmal recycelt werden, das letzte Mal zu Toilettenpapier“, schildert Jana Lorenz. Eine unendliche Geschichte startet hingegen am Glascontainer. Das Glas kann immer wieder eingeschmolzen werden, erfahren die Kinder.

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Lauter Schatzkisten: In diesen Elektrogeräten befinden sich Gold, Silber und Kupfer.© Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Dann wird‘s besonders spannend: „Das sind alles kleine Schatzkisten“, sagt Lorenz und schaut mit den Schulkindern in einen riesigen Container mit Elektroschrott. „In vielen Elektrogeräten befinden sich Gold, Silber und Kupfer.“ Als wertvoll und gleichzeitig gefährlich bezeichnet Lorenz Batterien und Akkumulatoren – diese dürfen nie in die Mülltonne. Es sei denn, sie ist knallrot und steht auf einem Wertstoffhof.

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Geheimnisvolle Tonnen: Jan Lorenz zeigt den Kindern eine Tonne voller alter CDs. Auch diese werden recycelt.© Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf
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Das wird alles weggeworfen? Die Kinder sind erstaunt, wie viel Müll täglich auf dem Wertstoffhof in Wipperoda anfällt.© Funke Medien Thüringen | Dirk Bernkopf

Zum Abschluss bekommen alle Kinder ein Mal- und Infoheft „Die Wertstoffprofis“ und einen Mülltrenn-Aufkleber für ihre heimischen Mülltonnen. Die Kinder tauschen noch lange ihre Erkenntnisse aus. „Uns war neu, dass der Elektroschrott auch nach Größe sortiert wird“, sagen Joris und Paul. Adel hat sich gemerkt, dass „keine Batterien in den Müll“ dürfen. Und Erno verrät, dass bei ihm zu Hause der Grünschnitt selbst kompostiert wird.

Spätestens am Freitag, 29. Mai, werden alle Schulkinder noch einmal von ihren Alltagshelden berichten. Dann wird ab 15 Uhr ein großes Schulfest gefeiert – mit Spendenlauf, Musicalaufführung und einer Falknershow. Vorher wird aber noch mal Müll rund um das Schulgelände aufgelesen, sagt Lehrerin Anja Alsdorf.