Archäologische Ausgrabungen im Norden von Mühlberg haben Hinweise auf eine lange Siedlungsgeschichte vom 3. Jahrhundert vor Christus bis in das 3. oder 4. Jahrhundert nach Christus erbracht. Das teilte das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) mit. Die Untersuchungen liefen seit Oktober 2025 im Zuge des Baus der Seniorenwohnanlage und wurden nach letzten Arbeiten an Leitungsgräben im Juni 2026 abgeschlossen.

Auf der rund 6000 Quadratmeter großen Fläche dokumentierten die Archäologen insgesamt 87 Befunde aus unterschiedlichen Epochen. Dazu zählen fünf Grubenhäuser, weitere Gruben, Pfostengruben sowie eine Bestattung. Nach Einschätzung des TLDA besitzt der Fundplatz damit ein erhebliches Erkenntnispotenzial für den gesamten mitteldeutschen Raum.

Funde deuten auf überregionale Kontakte hin
Die Grubenhäuser und Gruben datieren in die Zeit um Christi Geburt. Besonders hervorhebt das Landesamt das breite Fundspektrum. Entdeckt wurden unter anderem mehrere nahezu vollständige Keramikgefäße, ein Bruchstück eines kobaltblauen Glasarmrings, verschiedene Fibeln, römische Münzen, eine blau-gelbe Glasperle, ein bronzener Gefäßhenkel sowie Terra Sigillata, also römische Feinkeramik. Die Funde deuten auf überregionale Kontakte hin, etwa durch Handel oder möglicherweise auch militärische Ereignisse.

Außerdem kamen zwei Gebäudegrundrisse aus Rhätsandstein-Mauern aus dem späten Mittelalter zutage, von denen einer einen Backofen besaß. Ob diese Gebäude möglicherweise bereits im hohen Mittelalter außerhalb des mittelalterlichen Ortskerns von Mühlberg errichtet wurden, soll die weitere Auswertung klären.
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Noch offen ist auch die Datierung einer einzelnen Bestattung. Das Skelett wurde ohne Grabbeigaben in gestreckter Rückenlage, nord-südlich orientiert und mit dem Kopf nach Norden, entdeckt. Eine anthropologische Untersuchung steht noch aus.
Erschwert wurden die Arbeiten laut Grabungsleiter Ronny Krause durch stark wechselnde Bodenstrukturen, Farben und Zusammensetzungen. Dadurch seien archäologisch relevante Bodenverfärbungen teils nur schwer zu erkennen gewesen. Weitere Erkenntnisse erhofft sich das TLDA nun von der Auswertung der Bodenproben und von Pollenanalysen. red





