Schon die Sagen der Stadt Gotha böten genügend Stoff für mein Amtsjahr. Doch es gibt so viel mehr, was ich hier entdecke. Zum Beispiel Kunst! Von der Cranach-Sammlung, den niederländischen Meistern über die Kunstkammer hin zu Hannah Höch und dem „KunstForum“ mit aktuellen Künstlerinnen und Künstlern.

Doch einige der Schätze haben eine besonders spannende Geschichte – True-Crime in mehreren Fällen!

Dorothee Eva Herrmann alias DoroFee ist Gothas Stadtschreiberin des Jahres 2026.
Dorothee Eva Herrmann alias DoroFee ist Gothas Stadtschreiberin des Jahres 2026.© Dorothee Eva Herrmann

Ich besuche die sonntägliche Führung durchs Herzogliche Museum, natürlich gefolgt von meinem lilafarbenen Schatten, dem kleinen Drachen Balthasar. Alle Mitarbeiter brennen für die Geschichte ihrer Stadt und entzünden das Licht der Neugier auch in uns Besuchern. Wir entdecken eine Sensation, die vor einem Jahr erfolgte: die Wiedervereinigung der beiden Teile des Renaissance-Gemäldes „Salome mit Johannesschüssel“. Gemalt wurde die biblische Szene 1530 von Lucas Cranach dem Älteren.

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Vierhundert Jahre später wurde das Gemälde veräußert und – kann man das glauben? – vom Kölner Händler kurzerhand in zwei Teile zersägt! Eine doppelte Enthauptung, sozusagen! Die unverkäufliche, weil unappetitliche untere Hälfte mit dem Kopf des Propheten kam zurück. Die obere tingelte als angebliches Prinzessinnenporträt durch die Welt.

Lange betrachte ich die zersägte und damit ebenfalls enthauptete Salome. 89 Jahre lang waren die beiden Teile getrennt. Als Mahnmal an die einstige Unversehrtheit hängt der leere Originalrahmen an der rotgestrichenen Wand.

„Nun ja“, flüstere ich, „tatsächlich nicht so geeignet für Stube oder Schlafzimmer.“

„Vielleicht für die Küche?“, witzelt Balthasar. „Oder eine Fleischerei?“

Führung im Museum
Stephanie Wiegand (links) führte Dorothee Eva Herrmann durch das Museum.© Dorothee Eva Herrmann

„Gar nicht lustig“, antworte ich. Der Drache sagt: „Weißt du, wer geholfen hat, den oberen Teil zurück nach Gotha zu bringen? Meine Freunde, die Museumsdrachen von Paris, übermittelten mir die Nachricht, dass das Gemälde versteigert wird. Und wer hat es den Mitarbeitern der Stiftung eingeflüstert?“ „Du natürlich, du kleiner Held“, antworte ich lächelnd.

„Genau! Und schließlich haben die Pariser Drachen dem Bieter, der mehr als Hunderttausend bot, einen gehörigen Schrecken eingejagt, sodass er die Bieterkarte fallen ließ! So konnte die Friedensteinstiftung das Gemälde zurückkaufen.“

„Das hast du wiedermal erfunden!“, rufe ich. „Oder habt ihr Drachen eure Pfoten wirklich überall?“

Balthasar grinst und antwortet: „Das heißt: Pranken! Und ja, na klar. Wenn ihr Menschen wüsstet!“

Die Führungen „Weltkunst entdecken“ erfolgen vierzehntägig am Sonntag um 13 Uhr im Herzoglichen Museum. Kommen Sie doch (mal wieder) vorbei!