Es war ein Novum: Die Stadt Arnstadt beging gemeinsam mit dem Reservistenverband Thüringen den ersten Nationalen Veteranentag mit einem öffentlichen Festakt im Rathaussaal. Rund 60 Personen, darunter Veteranen, aktive Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger, kamen zu der Veranstaltung, die von Franziska Steinecke am Klavier musikalisch begleitet wurde.

Ein Tag für Sichtbarkeit und Anerkennung

Bürgermeister Frank Spilling (parteilos) eröffnete die Veranstaltung und erklärte, dass der Festakt auf einen Beschluss des Stadtrats zurückgeht. „Wir wollen das Engagement unserer Veteranen anerkennen und sichtbarer machen – und dabei auch die Rolle der Familien mitdenken, die diesen Dienst oft über viele Jahre mittragen“, so Spilling. Sein Anliegen, die Bedeutung des Veteranentages für Gesellschaft und Familien zu unterstreichen, fand großen Anklang.

Veteranentag Arnstadt
Der Kommandeur des Landeskommandos Thüringen, Oberst Klaus Glaab, sprach vor 60 Gästen über das Konzept der „gesamtstaatlichen Verteidigung“.© Stadtverwaltung Arnstadt | Sven Keßler

Christian Herrgott, Oberstleutnant der Reserve und erster stellvertretender Vorsitzender der Landesgruppe Thüringen im Reservistenverband, wandte sich in einem Grußwort an die Gäste. Er würdigte den Veteranentag als eine wichtige Initiative, die eine Brücke zwischen der Bundeswehr und der Gesellschaft schlägt, und dankte der Stadt Arnstadt ausdrücklich für dieses Engagement.

Oberst Glaab plädiert für verpflichtendes Dienstjahr

Den zentralen inhaltlichen Beitrag leistete Oberst Klaus Glaab, Kommandeur des Landeskommandos Thüringen, mit einer Impulsrede, die das Konzept der „gesamtstaatlichen Verteidigung“ in den Fokus stellte. Dabei sprach sich Glaab auch für die Einführung eines verpflichtenden Dienstjahres aus, das wahlweise bei der Bundeswehr, im Zivilschutz oder im sozialen Bereich abgeleistet werden könnte.

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Im Anschluss an den Festakt hatten die Gäste die Möglichkeit, die Ausstellung „Militär und Gesellschaft in Deutschland seit 1945“ im Glasverbinder des Rathauses zu besuchen. Die vom Zentrum für Militärgeschichte der Bundeswehr und der Bundesstiftung Aufarbeitung konzipierte Ausstellung beleuchtet das Verhältnis zwischen Streitkräften und Gesellschaft in Ost und West seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie kann noch bis zum 20. Juni besichtigt werden.

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Besonders hervorzuheben ist die Rolle Arnstadts, das die einzige Kommune in Thüringen war, die den Veteranentag öffentlich begangen hat – ein starkes Signal des Respekts und der Anerkennung für die Veteranen der Bundeswehr.

Kritik seitens ehemaliger NVA-Angehöriger

Allerdings blieb die Veranstaltung nicht unkritisiert. Auf sozialen Netzwerken äußerten sich viele Thüringer enttäuscht darüber, dass sich der Veteranentag ausschließlich an die ehemaligen Soldaten der Bundeswehr richtet. Insbesondere ehemalige Angehörige der Nationalen Volksarmee (NVA) empfanden dies als Benachteiligung und forderten, dass auch ihre Leistungen für die Sicherheit und Verteidigung des Landes entsprechende Würdigung finden. Diese Debatte zeigt, wie unterschiedlich die gesellschaftlichen Erwartungen an eine solche Gedenkveranstaltung ausfallen können und wie sensibel der Umgang mit dem Erbe beider deutscher Staaten weiterhin ist.