Marcus kennt es aus eigenem Erleben – und auch die Scham darüber, nicht lesen zu können, ist ihm noch gut in Erinnerung.
„Wenn man nicht lesen kann, ist man echt aufgeschmissen und fühlt sich völlig allein“, erzählt der 38-Jährige aus Apolda.
Ein schwerer Start in der Schulzeit
In der Grundschule rutschte er durchs Raster, kam später in eine Schule für Menschen mit Lernbehinderungen. Lesen hat er trotzdem nicht gelernt. Erst viel später, nach langem Zögern, entschied er sich, an der Volkshochschule einen Kurs in Grundbildung zu belegen. Da war er schon längst erwachsen und schlug sich so durch, damit niemand merkte, dass er nicht lesen konnte. „Es war schwer für mich, darüber zu sprechen“, blickt er zurück.
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Heute gibt Marcus als Lernbotschafter anderen Hoffnung: Er unterstützt den Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., wenn dieser bei Veranstaltungen auf das Thema aufmerksam macht.
Hindernisse im Alltag
„Schon der Busfahrplan war eine nicht zu bewältigende Hürde“, erinnert sich Marcus. „Ich habe immer so getan, als wären meine Augen schlecht und ich hätte meine Brille vergessen.“ Um sich in der Stadt zurechtzufinden, orientierte er sich an visuellen Punkten, wie markanten Logos, besonderen Stelen oder ungewöhnlich gestalteten Gebäuden – statt an Straßennamen. Wer gibt schon gern zu, dass er nicht lesen kann“, sagt Marcus. Doch inzwischen geht er sehr offen mit seiner Geschichte um und möchte anderen Betroffenen Mut machen. So auch am 24. Juni 2025 in Ilmenau am ALFA-Infostand.
Ein Tag für Aufklärung und Unterstützung
Auf Einladung von Mandy Hallbauer, Leiterin der Volkshochschule Arnstadt-Ilmenau, kamen die Projektmitarbeiter Susann Günther und Adrian Eppel von der Bundesinitiative in die Fußgängerzone von Ilmenau. Dort informierten sie über die Kampagne „Besser lesen und schreiben macht stolz“.

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„Einzelne Wörter oder kurze Sätze können viele noch lesen oder schreiben. Aber ein längerer Text bringt sie an ihre Grenzen – sei es ein Formular, eine Notiz oder eine Bewerbung“, berichtet Adrian Eppel aus seiner Arbeit.
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Hilfe beginnt im Umfeld
Betroffene selbst suchten den Infostand eher weniger auf. Stattdessen kamen viele Verwandte und Bekannte, die sich über Hilfsangebote informierten. „Das ist auch gut so“, erklärt Mandy Hallbauer. „Die Familie kann so viel bewirken, ebenso wie Lehrer, Multiplikatoren und andere.“
In Ilmenau gibt es rund 3.000 Betroffene – und die Dunkelziffer ist noch viel höher“, betont Hallbauer. Deshalb sind die Alphabetisierungskurse in Ilmenau und Arnstadt so wichtig. „Die Gruppen sind klein. Im Fokus stehen die Bedürfnisse der Teilnehmer“, erklärt sie.
Kurse in Ilmenau und Arnstadt
Die Kurse finden regelmäßig zu folgenden Zeiten statt:
In Ilmenau immer dienstags von 15:30 bis 17 Uhr
In Arnstadt montags von 16 bis 17:30 Uhr
Der Einstieg ist jederzeit möglich, und dank der Förderung des Landes sind die Kurse kostenlos.
Ansprechpartner bei Fragen
Volkshochschule Arnstadt-Ilmenau:
Mandy Hallbauer
Telefon: 03677 645513
E-Mail: m.hallbauer@vhs-arnstadt-ilmenau.de
Projekt ALFA-Mobil:
Susann Günther
Telefon: 030 858335-50
E-Mail: s.guenther@alphabetisierung.de
red





