Glückwünsche über Glückwünsche hagelte es in den zurückliegenden Wochen für die Mitglieder des Fanfarenzugs Ichtershausen. Zum ersten Mal hatte das Ensemble am Musik-Kontest, dem Landeswettbewerb der Fanfaren- und Spielmannszüge, in Mühlhausen teilgenommen. Und dabei gleich Bronze abgeräumt.

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„Ein Jahr lang haben wir uns auf diesen Auftritt vorbereitet“, verrät Philipp Fuchs-Vitzthum, der Vorsitzende des Fanfarenzugs. Denn beim Landeswettbewerb präsentieren die teilnehmenden Ensembles eine eigens einstudierte Show. Nicht nur musikalisch muss jede Note sitzen. Hinzu kommt eine mitreißende Choreografie. Schließlich sollen Publikum und Jury gleichermaßen begeistert werden.

Die Zahl der Auftritte steigt in diesem Jahr
Unter extremem Druck trainiert wurde dennoch nicht. „Unser Motto lautet ‚Gemeinsam und mit viel Spaß gespielt, so wird der beste Sound erzielt‘“, verrät Fuchs-Vitzthum. Dass die Spielerinnen und Spieler das Motto leben, merkt man ihnen bei jedem Auftritt an. Stadtfeste, Jubiläumsfeiern, Faschingsumzüge, der Thüringentag in Gotha, die Eröffnung der Biathlon-WM – die Liste der Auftritte ist lang. „Letztes Jahr waren es 35, dieses Jahr werden es eher mehr“, schätzt Philipp Fuchs-Vitzthum.
45 Mitglieder hat der Fanfarenzug derzeit, die jüngsten sind gerade mal acht Jahre alt. Trainiert wird zweimal wöchentlich. Dienstags geht es in die Turnhalle, freitags wird im Nadelwerk an neuen Stücken gefeilt. Dann wird mit den Instrumenten geübt, es findet aber auch ein Marschtraining und ein Training für die Stabführer statt.
Fanfarenzug kann auf lange Geschichte zurückblicken
Das Ensemble kann auf eine lange Tradition zurückblicken: 1953 wurde der Fanfarenzug gegründet. 1995 stellten die Musikerinnen und Musiker vorerst den Betrieb ein. „Damals herrschte Mitgliedermangel“, weiß der Vorsitzende. Aber Ichtershausen so ganz ohne Fanfarenzug? Das ging auch nicht, sodass die Pause 1998 endete.
Seitdem steht der Spaß im Vordergrund. Was auch dazu führt, dass die Spielerinnen und Spieler zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen sind, die neben der Musik auch viel Privates miteinander teilt. Manch einer gab die Leidenschaft für sein Hobby bereits an die eigenen Kinder weiter.

„Familie Tittlepp beispielsweise“, verweist Philipp Fuchs-Vitzthum auf passionierte Helfer, ohne die der Fanfarenzug nicht auftreten könnte. Der Kleinbus der Tittlepps rollt bei jedem Auftritt hinter dem Fanfarenzug her. Essen und Getränke werden gereicht. Und macht mal jemand schlapp, wird er chauffiert.
Ohne Helfer im Hintergrund wären Auftritte nicht machbar
„Das passiert tatsächlich immer mal wieder“, weiß der Vorsitzende. Kein Wunder: Reiht sich der Fanfarenzug in einen Festumzug ein, werden oft kilometerlange Strecken zurückgelegt, bei Hitze ebenso wie bei bitterer Kälte. Im Takt spielen, im Gleichklang marschieren, dabei nicht über die eigenen Füße stolpern, das ist eine Herausforderung. „Das kann man aber lernen“, betont Philipp Fuchs-Vitzthum.

Er und andere Spielerinnen und Spieler treffen immer mal wieder auf Interessenten, die es sich nicht zutrauen, im Fanfarenzug mitzuwirken. Etwa, weil sie keine Noten lesen können. „Das ist bei uns ebenso wenig Voraussetzung wie extreme Musikalität“, verrät der Chef. „Wir finden für jeden das passende Instrument und führen ihn dann langsam an die ersten Auftritte heran.“
Motivierend ist, dass sich erste musikalische Erfolge schon schnell einstellen. Fanfarenspieler können schon nach sechs bis neun Monaten die ersten Auftritte mitgestalten. „Das Erlernen der Flachtrommel ist etwas schwieriger, das dauert schon mal ein Jahr“, so Fuchs-Vitzthum weiter.
Musikalisches Talent ist für den Start beim Fanfarenzug keine Voraussetzung
Die Anfänger bereiten sich zunächst auf eine erste Prüfung vor. Bestehen sie diese, bekommen sie ihr erstes eigenes Instrument. „Danach fahren sie schon mit zu den Umzügen, nach der zweiten Prüfung werden sie dann in alle Auftritte mit integriert.“
Mit hohen Kosten ist die Mitgliedschaft nicht verbunden. „Die Beiträge sind überschaubar. Und neben den Instrumenten stellen wir auch die Auftrittskleidung“, sagt der Vereinschef. Einnahmen aus Auftritten und Sponsorengelder fließen in die Vereinskasse, um Fahrten zu finanzieren. „Wir kaufen gerade aber auch neue Instrumente“, sagt Philipp Fuchs-Vitzthum. So wurden sieben neue Flachtrommeln angeschafft. Demnächst werden die alten Fanfaren ausgetauscht.

„Dabei achten wir auf hochwertige Instrumente“, betont der Vereinschef. Denn der Unterschied zwischen einer guten und einer Blechfanfare ist deutlich hörbar.
Was die Ichtershäuser Spielerinnen und Spieler sehr zu schätzen wissen, ist der gute Kontakt zu anderen Spielmannszügen. Reicht das Personal für einen Auftritt mal nicht aus, springt man schon mal bei einem anderen Ensemble ein. „Da wir viele Standardmärsche spielen, geht das oft auch ohne Proben“, sagt der Vereinschef.
Auftritt beim Football war einer der Höhepunkte
Und es ergeben sich immer mal wieder auch Highlight-Auftritte. So war der Fanfarenzug vor wenigen Tagen bei einem American-Football-Spiel der Erfurter Indigos. Die Trommler unterstützten die Spieler nicht nur bei ihrem Einlauf. „In der Halbzeitpause haben wir auch unsere Show direkt auf dem Feld gezeigt“, sagt Philipp Fuchs-Vitzthum. Unterstützt wurden sie dabei von den Cheerleadern der Woodpeckers aus Ichtershausen.

Zu höherklassigen als den Landesmeisterschaften wollen die Mitglieder des Fanfarenzugs trotz ihres Erfolgs nicht antreten. „Dann muss man ganz anders trainieren. Und kann auch nicht mehr so oft auftreten.“ Für einzelne Mitglieder gilt das allerdings nicht. Sven Mohrhardt etwa fuhr erst jüngst mit der Fanfarenzug Academy zu den Europameisterschaften und stand auch dort auf einem Medaillenpodest.
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Die Ichtershäuser hingegen haben nun ein neues Ziel vor Augen: „Wir brauchen dringend weitere Fanfarenspieler und werden deshalb nun unsere Nachwuchsarbeit intensivieren“, kündigt Philipp Fuchs-Vitzthum an. Wer Interesse hat, mitzumachen, kann unter anderem über Facebook Kontakt aufnehmen.





