Aus einem Getreidespeicher wurde ein Wohnhaus: Der „Wacholderbaum“ in Arnstadt hat eine beeindruckende Verwandlung durchlebt, die Peter Heinze in einem Buch dokumentiert hat. Nicht ganz uneigennützig, denn der ehemalige Journalist wohnt selbst in dem sanierten Gebäude. „Als Rentner hatte ich viel Zeit“, schmunzelt der Autor. Zeit für Gespräche mit dem Bauherrn, Architekten und Handwerkern sowie für die Recherche zur Geschichte des Hauses. Das Ergebnis: Sein Buch mit dem Titel „Wohnen im Speicher – Zweites Leben für Arnstädter Baudenkmal Wacholderbaum“ ist nun im THK-Verlag erschienen.
400 Jahre Geschichte
Die Geschichte des Gebäudes reicht fast 400 Jahre zurück. Ab 1651 war es als Speisehaus „Zum Wacholderbaum“ einer von 130 Arnstädter Brauhöfen. „Ab 1887 wurde die alte Brauerei von Carl Graeser erweitert, unter anderem mit einer Dampfkesselanlage, einem zusätzlichen Stockwerk, einer neuen Malztenne sowie Eis-, Gär- und Lagerkellern“, erzählt Peter Heinze.
Nach dem Ersten Weltkrieg schwand jedoch der Bierkonsum, während die Mühlenindustrie wuchs. 1939 wurde der ehemalige Bier- und Eisspeicher von Ernst Metge vom Arnstädter Mühlenwerk in einen Getreidespeicher umgebaut. Das Gebäude mit einer Grundfläche von etwa 27 mal 13 Metern bot Platz für 1500 Tonnen Weizen und Roggen.
„Die konstanten Lagerbedingungen ohne Fenster sicherten die Haltbarkeit des Getreides, ohne die Keim- und Backfähigkeit zu verlieren“, erklärt der Autor. Über ein System aus Schläuchen und Rohren wurden die Silozellen des „Körnerkastens“ befüllt und wieder entleert.
Vom Industriegebäude zum Wohnhaus
Aufgrund seiner beeindruckenden Höhe von knapp 16 Metern und seiner historischen Bedeutung ist das denkmalgeschützte Gebäude „Haus zum Wacholderbaum“ ein prägendes Element der Arnstädter Stadtlandschaft. „Es war umso wichtiger, das Gebäude zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen“, betont Peter Heinze.
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Investor Nico Böttner wagte die aufwendige Sanierung und ist heute überglücklich mit dem Ergebnis. Die Pro Wohn Immobilen GmbH unter der Leitung von Ingo Budzisch setzte das Bauprojekt um. Das Unternehmen hatte zuvor bereits der ehemaligen Taschenlampenfabrik Artas neues Leben eingehaucht. „Es war eine Herausforderung, aber es hat auch großen Spaß gemacht“, sagt Budzisch.

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Eine der größten Hürden des Umbaus war die fehlende Fensterstruktur in der Backsteinfassade. Um die Fenster zu schneiden, musste ein Spezialbagger mit Diamantschneider eingesetzt werden. Eine weitere Herausforderung waren die hohen Decken des Gebäudes. Wo es zuvor drei Etagen gab, wurden vier geschaffen. Jede Etage erhielt dabei eine individuelle Höhe, um den vorhandenen Strukturen der Außenwand gerecht zu werden.
Wohnen in modernem Komfort
So entstanden 13 Mietwohnungen mit insgesamt 1055 Quadratmetern Wohnfläche. „Alles in bester Neubauqualität“, versichert Peter Heinze. Barrierefreiheit wird durch einen Aufzug gewährleistet. Zudem wurden moderne Technologien für den Brand- und Schallschutz berücksichtigt. Gleichzeitig blieben viele Bestandselemente des Speichers erhalten und wurden ästhetisch aufgewertet. Stahlträger und Holzbalken, die im Gebäude nicht mehr benötigt wurden, fanden für einen Carport eine neue Verwendung.

Mit einer Solaranlage, einer Luftwärmepumpe und moderner Dämmung ist das Gebäude auch energetisch auf dem neuesten Stand. „Wir haben hier ein schönes Kulturdenkmal, das heute ein beliebtes Wohnhaus mitten in der Stadt ist“, fasst Peter Heinze zusammen. Der gebürtige Arnstädter, Jahrgang 1941, arbeitete viele Jahre als Redakteur in Berlin und war als Korrespondent in Ägypten tätig. Mit „Wohnen im Speicher“ legt er bereits sein siebtes Buch vor.
Ein Vorbild für den Denkmalschutz
Verlagsleiter Frank Kuschel sieht in der gelungenen Sanierung ein Vorbild für andere historische Gebäude in Arnstadt. Er wünscht sich, dass das Projekt als Inspiration dient. Auch ein Denkmalpreis des Ilm-Kreises wäre für den Wohnspeicher durchaus gerechtfertigt, meint Peter Heinze, denn das Gebäude sei ein „besonderes Zeugnis vergangener Arnstädter Industriegeschichte“. Das Engagement des Gebäude-Eigentümers verdiene höchste Anerkennung.




