17-jährige Mädchen in Deutschland hören Musik, interessieren sich für Mode, gehen mitunter aus, schimpfen vielleicht über die Schule oder die Ausbildung. Marianna Mirzabekyan hat nur ein großes Hobby, und damit versucht sie, ein Trauma zu überwinden: Sie malt Bilder von ihrem Heimatdorf Bertashen und von ihrem Heimatland Bergkarabach (auf Armenisch: Arzach). In die Idylle platzten Kampfhandlungen, die in Flucht und Vertreibung mündeten.
Armenier fliehen nach Angriff auf Bergkarabach
Im Herbst 2023 musste Marianna Mirzabekyan mit ihrer Familie wie tausende andere Armenier aus Bergkarabach, einer Region im Kaukasus, wegen des vorrückenden aserbaidschanischen Militärs fliehen. Das Schicksal der gut drei Jahrzehnte bestehenden, und nur von wenigen Staaten der Welt anerkannten Republik Arzach war besiegelt. Die jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan, die beide die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region beanspruchten, fanden ein jähes Ende. Rund 120.000 Armenier wurden aus Bergkarabach vertrieben.

„Das Malen ist der Ausdruck meines Herzens und meiner Gefühle über die verlorene Heimat, über eine unbeschwerte Kindheit und ein schönes Zuhause. Leider gibt uns das Leben oft keine Möglichkeit zu wählen. Heute bin ich gezwungen, nicht in meinem Zuhause zu leben. Die Sehnsucht nach meinem Zuhause drücke ich in meinen Bildern aus“, erzählt Marianna Mirzabekyan im gut 3500 Kilometer von Arnstadt entfernten armenischen Dorf Nor Kyank. Nor Kyank heißt ins Deutsche übersetzt „Neues Leben“. Nor Kyank liegt gut 300 Kilometer westlich von Bertashen, das nun unerreichbar im Nachbarland Aserbaidschan ist.
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Unter dem Titel „Verlorene Heimat – Neues Leben?“ zeigt die Arnstädter Stadt- und Regionalbibliothek noch bis Ende Februar mehr als ein Dutzend Bilder von Marianna Mirzabekyan. Die Ausstellung erlebte am 8. Januar 2026 ihre Vernissage und kam in Zusammenarbeit mit der Initiative „Armenienhilfe Holzhausen-Schlöben“ zustande. „Wir wollen mit der Ausstellung an ein Volk ohne Land und an ein Land ohne Volk erinnern“, sagt Initiatorin Gabi Damm, die schon oft Armenien bereist hatte und auch bei der Übersetzung von Mariannas Antworten geholfen hat.

Marianna Mirzabekyan lebt in Nor Kyank mit ihren Eltern, drei Brüdern und zwei Schwestern in einem zweistöckigen Haus. Marianna beschreibt es als halb fertig. Gabi Damm, die schon zweimal dort war, konkretisiert: Türen und Fenster sind undicht. Der Putz an der Fassade fehlt, die Zimmer sind nicht tapeziert. In der Küche gibt es keinen Fußboden. Im Winter das Haus zu heizen, fällt sehr schwer. Im vergangenen Januar war es laut Marianna sehr kalt, durchschnittlich –10 Grad Celsius. Marianna Mirzabekyan besucht die Schule und möchte später Designerin werden.

Die Ausstellung ist bis Ende Februar zu den Öffnungszeiten in der Bibliothek an der Liebfrauenkirche in Arnstadt zu sehen und hält noch zwei besondere Veranstaltungen parat: Am Donnerstag, 12. Februar, berichtet Gabi Damm ab 16 Uhr von armenischen Legenden, stellt die armenische Nationalspeise Lavasch vor und lässt das armenische Nationalinstrument Duduk erklingen. Am Montag, 23. Februar, lädt Gabi Damm ab 16.30 Uhr zu einer kommentierten Führung durch die Ausstellung ein. Veranstaltungen und Ausstellung sind kostenfrei besuchbar.






