Die hausärztliche Versorgung wird in Planungsbereichen geplant. Der Ilm-Kreis ist dabei in die zwei Mittelbereiche Arnstadt und Ilmenau unterteilt. Maßgeblich ist jeweils der sogenannte Versorgungsgrad – eine rechnerische Größe, die das Verhältnis zwischen der vorhandenen Arztzahl (Ist) und einem bundeseinheitlich definierten Sollwert abbildet.

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Von der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) zuletzt genannte zehn offene Zulassungsmöglichkeiten im Planungsbereich Ilmenau (unbesetzte Stellen) bedeuten daher nicht, dass es zehn konkrete, derzeit unbesetzte Praxissitze in der Stadt Ilmenau gibt. Vielmehr handelt es sich um eine rechnerische Größe, die angibt, in welchem Umfang zusätzliche Niederlassungen im gesamten Planungsbereich möglich wären, bevor eine Zulassungssperre greift.

Ärztliche Versorgung wird nach Bedarfswerten regional verteilt

Ziel sei keine punktgenaue Besetzung einzelner Orte, sondern eine möglichst gleichmäßige Verteilung der ärztlichen Versorgung in der Fläche. Grundlage ist die bundesweit geltende Bedarfsplanungs-Richtlinie. Sie berechnet für jede Region einen Sollwert auf Basis von Einwohnerzahl, Altersstruktur und Krankheitslast der Bevölkerung. Dieser Sollwert wird dem tatsächlichen Bestand gegenübergestellt.

Ein Versorgungsgrad von 100 Prozent bedeute daher nicht „vollständig besetzt“ im Sinne konkreter Praxen, sondern lediglich, dass der rechnerische Sollwert erreicht ist. Werte über 110 Prozent gelten als Überversorgung und führen zu einer Sperrung für weitere Zulassungen. Im Planungsbereich Arnstadt liegt der Versorgungsgrad bei 107,4 Prozent mit 1,5 freien Zulassungsmöglichkeiten, im Planungsbereich Ilmenau bei 77,5 Prozent mit 10 freien Zulassungsmöglichkeiten. Die freien Zulassungsmöglichkeiten sind im Internet unter: www.kv-thueringen.de/praxisberatung/zulassungsmoeglichkeiten veröffentlicht.

Viele Ärzte stehen kurz vor dem Ruhestand im Ilm-Kreis

Generell sind präzise Voraussagen dazu, wie viele Ärztinnen und Ärzte in den kommenden Jahren aus der Versorgung ausscheiden, nicht möglich. Es gibt Ärzte, die noch mit über 80 freiwillig arbeiten, ebenso wie es jene gibt, die bereits vor dem Erreichen des 67. Lebensjahres ihre Tätigkeit beenden. Etwa ein Viertel aller Ärzte in Thüringen ist 61 Jahre und älter und wird voraussichtlich in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Dies trifft gleichermaßen für die Haus- wie auch für die Fachärzte zu. Das betrifft etwa 1400 Ärztinnen und Ärzte, die an der hausärztlichen Versorgung teilnehmen. Zum Vergleich: Bundesweit ist etwa ein Drittel der Ärzte 60 Jahre oder älter.

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Mindestens drei Jahre im Voraus sollten sich Ärzte damit beschäftigen, einen Nachfolger für ihre Praxis zu suchen. Die KV bietet eine Praxisbörse an, die für den llm-Kreis aktuell zwei Inserate aufweist: Das Med:On MVZ sucht noch in diesem Jahr einen Nachfolger in einer hausärztlichen Praxis in Plaue. Außerdem wird in einer hausärztlichen Praxis in Griesheim für 2027 ein Nachfolger gesucht.

Die allgemeinärztliche Versorgung wird für den Ilm-Kreis auf Landkreisebene beplant. Hier gibt es derzeit im Fachgebiete Haut- und Geschlechtskrankheiten eine halbe offene Stelle. Die spezialisierte fachärztliche Versorgung in Thüringen wird über vier Raumordnungsregionen (ROR) beplant. Der Ilm-Kreis befindet sich in der RO Mittelthüringen, hier gibt es eine offene Stelle für Kinder- und Jugendpsychiater.

Im vergangenen Jahr wurde in Wümbach eine Stiftungs-Praxis eröffnet. In der Region bestand bereits seit einigen Jahren eine Versorgungslücke, da eine frühere Praxis in Langewiesen geschlossen hatte. Die Stiftung für ambulante ärztliche Versorgung in Thüringen ist Träger und Arbeitgeber der neuen Praxis. So habe der Arzt kein wirtschaftliches Risiko und erhält ein festes Gehalt. Für Herbst ist in Ilmenau eine weitere Stiftungs-Praxis mit zwei Hausärztinnen geplant.

Ärztliche Unterversorgung macht neue Praxen in Ilmenau nötig

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen teilt mit, dass die Entscheidung, wo und in welcher Form sich eine Ärztin oder ein Arzt niederlässt, immer eine individuelle unternehmerische Entscheidung ist. Die KV setze nur über die Bedarfsplanung den Rahmen, wo rechnerisch zusätzliche Niederlassungsmöglichkeiten bestehen. Gerade in Regionen mit einem Versorgungsgrad wie in Ilmenau (77,5 Prozent) zeige sich allerdings, dass zusätzliche Niederlassungen dringend erforderlich wären.

Die Gründe für oder gegen eine Niederlassung sind vielfältig. Häufig spielen regionale Bindungen eine große Rolle, ebenso sind Faktoren wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kinderbetreuung, berufliche Perspektiven für Partner sowie die allgemeine Attraktivität der Region von Belang. Hier sind auch Kommunen und die Landespolitik gefragt. Flankierend setzt die KVT auf Förderinstrumente und Programme, um Niederlassungen insbesondere im ländlichen Raum zu unterstützen und frühzeitig Kontakte zu potenziellen Nachwuchsärzten aufzubauen.

Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen hat für dieses Jahr für den Ilm-Kreis Förderungen ausgelobt: Im Mittelbereich Arnstadt: Hautärzte: bei 0,5 Praxisneugründung Unterstützung mit 30.000 Euro Investitionskostenzuschuss. Im Mittelbereich Ilmenau: Hausärzte bei einer Praxisneugründung mit 60.000 Euro Unterstützung sowie bei Praxisübernahmen mit 60.000 Euro. Gleichzeitig stünden viele Praxen unter wirtschaftlichem und organisatorischem Druck: steigende Kosten, zunehmende Bürokratie und technische Anforderungen sowie ein wachsender Behandlungsbedarf bei begrenzter Arztzeit. Auch das beeinflusse die Entscheidung für oder gegen eine Niederlassung.