Anfang des Jahres bezauberte Marianna Mirzabekyan mit ihren Bildern, die in der Arnstädter Bibliothek ausgestellt waren, das Publikum. Hinter den eindrucksvollen Zeichnungen der 17-Jährigen steht ein trauriges Schicksal. Wie so viele Armenier wurde sie im September 2023 von aserbaidschanischen Truppen aus der Heimat Arzach (Bergkarabach) vertrieben.

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Nicht der einzige Schicksalsschlag, welcher die Familie traf und weshalb sie dringend Spenden benötigt. Solche wollen Sportlerinnen und Sportler am 13. Mai bei der nächsten Auflage des Alteburg-Staffel-Benefiz-Laufes erlaufen. Denn der Erlös geht in diesem Jahr an die Armenienhilfe Holzhausen-Schlöben, konkret für die zehnköpfige Familie Mirzabekyan.
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„Die Zustände, unter denen die Familie leben muss, sind unvorstellbar und unzumutbar“, sagt Gabriele Damm von der Initiative. Gerade ist sie von einer Reise nach Armenien zurückgekehrt, hat auch die Mirzabekyans besucht und Spendengelder überbracht. Doch noch vieles sei zu tun, um den Eltern und ihren acht Kindern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.
Familie lebt in einem abbruchreifen Haus
„Durch die Größe der Familie ist es schwer, ein geeignetes Haus zu finden“, erzählt Damm. Die ersten Monate nach der Vertreibung musste die Familie in einem Auffanglager verbringen. Vor allem die Kinder waren schwer traumatisiert. Monatelang wurden die Armenier in Bergkarabach von Aserbaidschan ausgehungert. Auf der Flucht erlebten sie Beschuss und explodierende Tanklager, berichtet Gabriele Damm. Mit der Heimat verlor man nicht nur das sichere Zuhause, sondern auch Hab und Gut.
Das Haus, in dem Familie Mirzabekyan jetzt leben muss, sei eigentlich abbruchreif. „Es fehlt an Isolierung und Heizung. Im Winter war es bitterkalt“, erzählt Gabriele Damm. „Geheizt wurde mit einem Bollerofen, um den herum die ganze Familie geschlafen hat.“ Auch eine Toilette gibt es nicht. Eine mit Papierwänden abgeschirmte Grube im Garten dient als WC.

Im Januar folgte der nächste Schicksalsschlag: Der 54-jährige Vater erlitt einen Schlaganfall, ist seitdem halbseitig gelähmt. „Er hat im Garten Gemüse angebaut, damit die Familie etwas zu essen hatte“, erzählt Gabriele Damm. „Das kann er nun nicht mehr.“
Zur alltäglichen Not gesellt sich Sorgen um den kranken Vater
Aktuell versuchen die zwei ältesten Söhne, die Familie mit Gelegenheitsjobs auf dem Bau über Wasser zu halten. Die Mutter muss sich um den kranken Vater kümmern, kann deshalb nicht arbeiten. Die jüngeren Geschwister – das jüngste Kind ist neun – gehen noch zur Schule.
Die Ausstellung „Verlorene Heimat – Neues Leben?“ machte Konrad Schreier, Vorsitzender der SG Motor Arnstadt, auf das Schicksal der armenischen Familie aufmerksam. „Er hat mich angerufen und vorgeschlagen, dass der Lauf in diesem Jahr zu ihren Gunsten stattfindet“, freut sich Gabriele Damm. Auch im fernen Armenien hat man die Kunde mit Freude und Dankbarkeit aufgenommen. „Dass die Sportler in Deutschland für sie laufen und sie unterstützen wollen, gibt der Familie die Kraft, durchzuhalten und weiterzumachen“, sagt Damm.
Seit 2020 engagiert sich Familie Damm in der Armenienhilfe Holzhausen-Schlöben, sammelt Spenden, um den Vertriebenen zu helfen, vermittelt Patenschaften und reist regelmäßig nach Armenien, um mit Partnern vor Ort bedürftige Familien auszusuchen und zu besuchen. Momentan werden sieben Familien mit insgesamt 34 Kindern unterstützt.
„Wir wollen an ein Volk ohne Land und an ein Land ohne Volk erinnern“, sagt Gabriele Damm. Die wenigsten Menschen in Deutschland wüssten, dass um die Region Arzach, wie die Einheimischen Bergkarabach nennen, drei Kriege geführt wurden. Der letzte endete mit der Vertreibung von 120.000 Armeniern aus der Region, nachdem die benachbarten Aserbaidschaner sie neun Monate lang ausgehungert hatten. Unter ihnen Familie Mirzabekyan.
Spendenlauf hat in Arnstadt eine lange Tradition
Der Alteburg-Staffellauf erlebt am Mittwoch, 13. Mai, seine zwölfte Auflage. Jedes Jahr geht es um einen anderen guten Zweck. Über zehntausend Euro sind bei den elf bisherigen Auflagen des von der SG Motor Arnstadt organisierten Spendenlaufes bereits zusammengekommen.
Gespendet wurde für die unterschiedlichsten Zwecke, wie den Kindernothilfefonds, den Förderverein der Kinderklinik oder die Wiederaufforstung des Waldes. Im vergangenen Jahr kam das erlaufene Geld einer Sportlerin zugute, die ein schwerer Schicksalsschlag traf. Julia Vetter, Vorsitzende des SV Ichtershausen, verlor nach einer schweren Erkrankung beide Füße und einen Arm. Um Wohnung und Auto behindertengerecht umzubauen, war viel Geld nötig. Das gesamte Startgeld – pro Staffel 50 Euro – wurde an sie übergeben.
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Teilnehmen können Staffeln aus Unternehmen, Vereinen, Laufgruppen, Schulen, Familien… alle Altersgruppen! Wer keine fünf Starter hat, kann auch mehrere Runden laufen. Gelaufen werden fünfmal 1,2 Kilometer. Start ist um 18 Uhr. Gemeldet werden kann bis zum 11. Mai. Das Startgeld beträgt 50 Euro je Staffel. Nachmeldungen sind 30 Minuten vor dem Start vor Ort gegen einen Aufschlag von zehn Euro pro Staffel möglich.
Mit 55 Staffeln gab es im letzten Jahr einen neuen Teilnehmerrekord. Auf eine ähnliche Resonanz hoffen die Ausrichter und Familie Damm auch in diesem Jahr. Und Familie Mirzabekyan wird in Armenien dankbar mitfiebern.








