In der Stadt- und Kreisbibliothek Arnstadt findet sich mit einem noch recht unscheinbaren Hinweisschild (Regionalbestand) nicht nur Arnstädter Literatur- und Heimatgeschichte im Regal. In einer losen Serie blättern wir darin. Der Anlass: 1876 wurde im Rathaus Arnstadt die Volksbücherei eröffnet. Die heutige Bibliothek feiert damit ihr 150-jähriges Bestehen mit einem Sommerfest am 27. Juni.

Greßler würdigt Gräfenroda als Quelle ihrer Inspiration

Rotraut Greßler brachte 2008 „Ein Lesebuch zur Geschichte eines Thüringer Fleckens“ heraus. Darin ging es in einer Ansammlung von Autoren, Titeln und Textauszügen um Gräfenroda und umliegende Orte. Sie verbrachte Kindheit und Jugend in Gräfenroda, einem idyllischen Ort im herrlichen Geratal“, heißt es in ihrem Vorwort. Mit dem Buch wollte sie eine Hommage an ihre Thüringer Heimat verfassen.

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Sie erinnert an Adolf Bock, der 1855 über die einträgliche Industrie der Pech- und Teersiederei sowie Kienrußfabrik schrieb, die in Ilmenau, Elgersburg, Gräfenroda und umliegenden Orten blühte. Der Thüringer Wandersmann August Trinius schilderte 1914 Gräfenroda als erquickenden Luftkurort, mehr als 2600 Seelen fassend, durch dessen Straßen die Wilde Gera plätschernd läuft.

In Dörrberg gab es 1804 noch eine Bierbrauerei. Hopfen erntete man in den Gärten am Dörrberg, Gerste bauten die Gundermanns selbst an. Das war damals in der Dorfzeitung „Heimat-Glocken“ zu lesen.

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Der Suhler Heimatdichter Julius Kober feiert in seinem volkstümlichen Dreiakter „Der letzte Schulze von der Lütsche“ besonders Ernst Catterfeld. Das Walddorf Lütsche wurde 1864 auf Geheiß vom Herzog geschliffen, weil sich dort nur Wilddiebe aufgehalten haben sollen. Dabei fristeten laut Kober in den neun Hütten 128 Seelen ihr kümmerliches, menschenunwürdiges Dasein.

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Adolf Moritz Schulze beschreibt 1845 die Kirmes, das eigentliche Kirchweihfest, an dem sich das Landvolk jedoch lieber der Lust an Essen, Trinken, Tanz und geselligen Spielen hingibt. Junge Leute vereinigten sich zu Gelagen, bei denen Kuchen, Bier, Branntwein, Tabak u.s.w. die Hauptrolle spielen. Schriftsteller Erst Keil lässt sich über ein Thüringer Kaffeekränzchen aus: „Das sind jene nachmittäglichen Frauenversammlungen, wo bei einem Schälchen Kaffee ehrlichen Leuten das Genick gebrochen, wo kein Ruf unangetastet bleibt, wo alles verrathen wird; Freud und Feind, Vater, Sohn und Heiliger Geist!“

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Bachs Hochzeit zieht Besucher und historisches Interesse an

Der Freundeskreis zur Erhaltung der Traukirche von Johann Sebastian Bach in Dornheim gibt 2001 die dritte Auflage des „Dornheimer Lesebuchs“ heraus. Es beginnt mit einem Gedicht über die Hochzeit Bachs mit Maria Barbara: „Heiraten will er. Er will sein Weib zu ernsten Sachen. Keine Zeit für Zeitvertrieb.“ 1987 wurde ein Film mit Katja Ebstein in Dornheim gedreht, später auch von BBC London und TV Tokio über diese Bach-Hochzeit. Der Dornheimer Freundeskreis gestaltete nach 1935 noch einmal im Jahr 2000 die Bachsche Hochzeit nach. Über 1000 Besucher standen trotz strömenden Regens Spalier, als der historische Hochzeitszug lief.

Das Dornheimer Biwak, veranstaltet von der „IG Lützower Freikorps 1813 Dorheim“, erinnerte 2002 mit der Nachgestaltung einer historischen Schlacht an das Drei-Monarchen-Treffen vom Oktober 1813. Eine Woche nach dem Sieg über die napoleonischen Truppen trafen sich damals der russische Zar Alexander, der österreichische Kaiser Franz und der preußische König Friedrich Wilhelm, um über die weitere Verfolgung der französischen Truppen zu beraten. 100.000 Soldaten der verbündeten Truppen biwakierten damals um Dornheim. Bei der Nachstellung war der Lärm des Gefechtsgetümmels erheblich, Säbel klirrten, Kanonen- und Gewehrschüsse krachten, Befehle wurden gebrüllt – fast wie in einer historischen Schlacht.

Bock erzählt Plaues Geschichte in Anekdoten und Gedichten

Mit seiner Broschüre „Lebendiges Thüringen – Plauesche Geschichten“ hat Roland Bock 1994 ein Stück Heimat gezeichnet und Heimatliebe wecken wollen. „1324 ward die Ehrenburg vollendet, hoch über der Gera-Aue, das alte Dorf hat sich gewendet, 1335 zur neuen Stadt Plaue“, heißt es in einem Gedicht. Zu sehen ist ein Foto vom Schloss der Familie von Schierholz, 1872 erbaut, 1987 abgerissen. Der Autor schreibt aber auch über seine Lausbubengeschichten, und immer wieder bereichert er das Lesen mit eigenen, in Mundart entworfenen Gedichten über „Dor Urlaab in Plaue“, „Essen fressen“, Thiringer Kleße“, De Rathausuhr“, „Stadtbad Plaue“.